Es steht nicht gut um unsere Gedankenspiele zum US-Dollar. Indizien sprechen gegen sie.
Innerhalb der NAFTA gibt es substanzielle Konflikte; sowohl Kanada als auch die USA haben ihr Verhalten Mexiko gegenüber verschärft. Da käme ein Fortschritt natürlich gerade recht. Aber es ist ja nicht so dass ein Kaktus zur Rose wird wenn man ihm eine Blüte aufpfropft. Und so werden auch Konflikte nicht durch eine
Gemeinschaftswährung wie den Amero beigelegt.
Die USA haben womöglich einen Weg gefunden die Effekte einer
US-Dollar-Abwertung langsam aber sicher herbeizuführen ohne dass der US-Dollar abgewertet werden muss oder außerordentlich stark abwertet.
Dass General Motors Fahrzeuge auf eBay versteigern wird ist schlicht genial. Nicht nur dass die Sinnkrise von eBay hierdurch entlastet wird: Es wird auch zu niedrigeren Fahrzeugpreisen führen. Sehr praktisch: eBay-Auktionen sind leicht manipulierbar. So können die Preise anfangs hochgehalten werden um die eigenen Arbeiter sowie die Konkurrenz zu beruhigen sowie mehr skeptische Händler für den Ansatz zu begeistern. Nach einiger Zeit
sinken dann die erzielten Preise, später dann die Einkommen, und schließlich muss die Konkurrenz, auch international, mitziehen: Umverteilung mit Steuergeldern durch Regierungseingriff. Wer wollte sich beschweren; immerhin hatte
Obama sinkende Löhne angekündigt. Sollten weitere Industrien in Schieflage geraten wird dort ähnlich verfahren: Ein bedeutendes Unternehmen wird unter staatlicher Kontrolle den Markt neu aufrollen.
Gesundheits- und Finanzindustrie sind vermittels iherer derzeitigen Verankerung systemisch immun.
Natürlich wird das viele Geld, wenn es denn nicht für Gehälter und Löhne gezahlt werden wird, sich einen Weg suchen. Die Aktienmärkte und Rohstoffpreise wären nicht die schlechtesten Orte um nach einer
Asset-Inflation Ausschau zu halten, wobei Rohstoffe aus Sicht der USA natürlich billig bleiben müssen. Insofern darf nach dem Spekulationsverbot für Ölpreise mit weiteren solchen Maßnahmen gerechnet werden. Bleiben also die Aktien. Hier allerdings dürften Enttäuschungen auf die Anleger warten, so dass mit einiger Kapitalumverteilung zu rechnen ist.
Ein
Statusgewinn für die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds erübrigt sich dann beim G20-Gipfel Ende September. Dort können zusätzliche Hilfsprogramme für die ärmsten Länder sowie ein noch nicht abzusehendes Bonbon angekündigt oder/und ein Symbol gefeiert werden, vielleicht ein wirklich internationales Großprojekt (sicher im Windschatten regenerativer Energien) als Zeichen gegen Protektionismus.
Wer unter diesen Umständen für den Herbst einen
Sinkflug des US-Dollar erwartet irrt. Die
Emission von auf Fremdwährungen lautenden US-Staatsanleihen ist aktuell noch nicht einmal nötig.
Veränderte Regelungen für indirekte Gebote bei Auktionen von US-Staatsanleihen im Zusammenhang mit dem
in den USA immer noch geltenden Basel I, das den Banken beim Erwerb von Staatsanleihen keine Eigenkapitalquote vorschreibt, erlaubt es US-Banken prinzipiell die Neuverschuldung der USA bis zu einer beliebigen Höhe mitzutragen, da die
US-Banken außerdem gesetzliche Reserveanforderungen umgehen dürfen. Zur nötigen Hebelung bedarf es lediglich der Mithilfe der Wall Street in Form neuer Derivate. Die
USA werden kaum Regeln erlassen die ihrer eigenen Neuverschuldung im Wege stehen.
Unabhängig davon darf in der
Finanzbranche mit weiteren Insolvenzen gerechnet werden; erstmals wird auch mindestens ein großes Finanzinstitut in die Insolvenz entlassen und abgewickelt werden. (Denkaufgabe: Wird sich für den profitablen Teil des Instituts ein Käufer finden, und was geschieht mit dem unprofitablen Teil?)
Auf einen ruhigen, verregneten Sommer folgt ein
heißer Herbst:
Der hier skizzierte Weg ist ein Weg viel geringeren Widerstands während zugleich die Interessen einflussreicher Gruppen unangetastet bleiben. Die erzielten Effekte sind unauffälliger und schlussendlich Marktkräften zuweisbar. Die
wirtschaftliche Entwicklung der USA bleibt positiv darstellbar.
Selbstverständlich befindet sich der US-Dollar auf seinem Weg zu weiterer Abwertung. Jedoch: Abwertung im Vergleich zu was? Die britische, die europäische und die japanische Zentralbank haben allesamt kein Interesse an einem schwachen US-Dollar, weder in Bezug auf die Stabilität des globalen Finanzsystems noch in Bezug auf die Exportabsichten iherer jeweiligen Wirtschaftsräume.
Momentan geben die USA die Impulse für Veränderungen klar vor; parallel
bemüht sich vorrangig China darum den US-Dollar zu umgehen. Die damit erzielten Volumina lassen jedoch keine rasche Änderung am Status Quo erwarten.
Während sich Geld- und Warenflüsse sowie Besitz- und Einkommensverhältnisse verändern werden steht ein deutlicher Strukturwandel nicht zu erwarten.
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