Der folgende Mitschnitt eines Auftritts des Wertpapierhändlers Joe Saluzzi in einer Sendung des US-Nachrichtensenders Bloomberg ist in zweierlei Hinblick ein Lehrstück.
Zunächst einmal nimmt Herr Saluzzi kein Blatt vor den Mund. Manipulationen an den Aktienmärkten und bewusst beschönigende Prognosen der Regierung sind für ihn so selbstverständlich dass sie nicht einmal erklärt werden müssen. (Ein weiterer Wertpapierhändler sprach im US-Fernsehen eher zurückhaltend über manipulative Eingriffe.) Die Euphorie oder Hoffnung an den Märkten und einiger Kommentatoren gehen für ihn nicht mit den Fundamentaldaten zusammen.
Im Kern seiner Botschaft steht jedoch, dass zwei Drittel des Handelsvolumens an den Aktienmärkten derzeit durch einen automatisierten, auf Computer-Algorithmen basierenden Handel bestritten werden. Solche Algorithmen agieren ihrem Wesen nach opportunistisch; der ganze Sinn ihrer Existenz besteht darin, durch extrem schnelle Transaktionen leichte Kursschwankungen und überregionale Kursabweichungen zur Erzeugung von Geld aus Geld auszunutzen. Wenn diese Programme das Handelsvolumen dominieren schaukeln sie sich tendenziell gegenseitig hoch.
Joe Saluzzis Befürchtung: Im Fall einer schlechten Nachricht würden reale Verkäufer den Markt übernehmen. Die Algorithmen würden dann ebenfalls sofort verkaufen. Es bräuchte dann schon reale Käufer um die Kurse vor einem Absturz zu bewahren. (Damit scheint er nicht zu rechnen. Angesichts historisch extrem hoher Aktienkurse ist das nicht verwunderlich.)
Von den interessanten Informationen abgesehen bietet das Video auch die Gelegenheit das rhetorische Repertoire und Dominanzverhalten des Moderators zu studieren, der versucht bestimmte Aussagen herunterzuspielen oder zu verhindern.
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