Ich beziehe mich auf die Übersetzung und Zusammenfassung des Nachrichtendiestes dpa-afx um einige Aspekte der Rede zu beleuchten.
Dass US-Großbanken in den vergangenen Wochen 'erhebliche Fortschritte' bei der Stärkung ihrer Kapitalpuffers erzielt hätten, deute auf gestiegenes Vertrauen der Investoren in das Bankensystem hin, sagte Bernanke am Mittwoch vor einem US-Kongressausschuss.
Wer waren diese Investoren eigentlich? Die Banken werden sich doch wohl nicht gegenseitig ihre Anleihen abgekauft haben? Der Investmentberater Dan Shaffer glaubt jedenfalls an Marktmanipulation.
'Ohne ein deutliches Bekenntnis zu einer langfristig nachhaltigen Etatpolitik werden wir weder einen stabilen Finanzsektor noch ein gesundes Wirtschaftswachstum haben', mahnte er jedoch.
Erstens: "Nachhaltige Etatpolitik" wird dicht definiert. Zweitens: Die Obama-Administration hat eine nachhaltige Etatpolitik definiert. Drittens: Viele befürchten, die Geldpolitik der Zentralbank könne schädlicher sein als die Etatpolitik. Viertens: Nach Ben Bernankes eigener Auffassung muss das US-Finanzamt mithelfen, um die kollabierende Kreditgeldmenge wieder aufzuplustern, und zwar durch Konjunkturprogramme auf der Basis von Neuverschuldung. Fazit: Diese Äußerung besagt gar nichts. Bestenfalls soll sie in Richtung China beruhigend wirken.
'Wir erwarten ein Ende der technischen Rezession zum Ende des Jahres', sagte er. Voraussetzung sei allerdings eine Erholung des Finanzsektors sowie eine Stabilisierung des Immobilienmarktes und der Verbraucherausgaben.
Aufgepasst beim Begriff "technische Rezession". Damit meint Bernanke wohl lediglich die nominalen Daten der Wirtschaft, die er mit massiver Geldmengenausweitung nach oben drücken wird. Damit ist die Rezession für die Menschen noch lang nicht vorbei. Wer die Inflation in den USA nach älteren Berechnungsmethoden bemisst kommt beispielsweise zu dem Ergebnis dass es in den USA seit Jahren kein Wirtschaftswachstum gab... was die gefühlte Entwicklung vieler US-Bürger besser wiedergibt als die offizielle Version. (Die Inflationierung einer Rezession kann in ein Scheinwachstum münden. Das folgende Diagramm zeigt die offizielle Entwicklung des US-Bruttoinlandprodukts sowie die alternative Berechnung unter Ausschluss der sehr phantasievollen Regeln der offiziellen Methode zur Ermittlung der Preissteigerungen.)

Mit dem zweiten Satz gibt Bernanke die Verantwortung für seine Pognose sofort wieder ab. Genau genommen wird er sogar gleich ein Argument dafür liefern, dass seine Prognose des Endes der "technischen Rezession" gerade nicht eintreffen wird.
'Wir erwarten, dass die Erholung nur schrittweise Fahrt aufnimmt', sagte Bernanke. Entsprechend sei in den nächsten Monaten mit weiteren, 'erheblichen' Jobverlusten zu rechnen, sagte Bernanke.
Die Verbraucherausgaben können sich überhaupt nicht stabilisieren. Jeden Monat verlieren 500.000 bis 600.000 Menschen in den USA ihre Arbeit. Sie alle müssen ihren Lebenswandel umstellen. Die letzten Zahlen zu Kreditkartenausfällen sind deutlich.
Volkswirte erwarten, dass die Arbeitslosenquote im Mai von 8,9 Prozent auf 9,2 Prozent geklettert ist.
Die USA schönen ihre Arbeitslosenzahlen stärker als die EU-Staaten. Die gemeldete Zahl ignoriert viele Arbeitssuchende. Selbst die offizielle Zahl aller Arbeitssuchenden liegt momentan bei 16%. Die reale Arbeitslosenquote in den USA dürfte momentan bei 20% liegen. (Das folgende Diagramm zeigt beide offiziellen Zahlen sowie die Schätzung.)

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