Ich bin froh, dass das Ringen um Opel offenbar in ein genügend abgesichertes Statium eingetreten ist. Es ist notwendg, dass sich alle Beteiligten und Betroffenen endlich wieder auf andere Themen konzentrieren können.
Das Resultat der Bemühungen ist einigermaßen streitbar. Für kritische Menschen wirft das Ergebnis Fragen auf:
Warum stand überhaupt so viel Zeit zur Verfügung, um eine Lösung für Opel zu finden?
Wie nachhaltig ist diese Lösung?
Warum kam genau diese Lösung zu Stande?
Schauen wir uns einige Hintergründe näher an.
Samstag, 30. Mai 2009
Ein bisschen Opel und der neue Begriff der "geordneten Insolvenz"
Warum stand überhaupt so viel Zeit zur Verfügung, um eine Lösung für Opel zu finden?
Wer diese Frage beantworten will sei zu einer kleinen Fingerübung eingeladen: Den Niedergang von Chrysler mit dem von General Motors zu vergleichen, zeitlich wie auch finanziell. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass das Management von Chrysler fähiger war als das von General Motors. Dies zumindest legen die Summen nahe, die General Motors in den letzten Monaten auf Kosten der US-Steuerzahler verbrannt hat.
Auch dass die Führungsspitze von GM durch Druck seitens der US-Administration im Laufe der letzten Wochen gewechselt hat sollte in die Kalkulation einbezogen werden.
Dennoch gewährte die Obama-Administration General Motors eine erheblich längere Zeitspanne zur Ausarbeitung eines Konzeptes zur Vermeidung einer Insolvenz als Chrysler.
Dies allein ist der Grund dafür, dass überhaupt die luxuriöse Situation eintrat sich Gedanken über die Zukunft von Opel machen zu können.
Aber warum?
Wer sich diese Frage stellt stößt notgedrungen auf Formulierungen wie "geordnete Insolvenz". Ich habe diese Formulierung zum ersten Mal von Obama im Zusammenhang mit General Motors gehört.
Das sollte jeden Menschen aufhorchen lassen, denn eine Insolvenz ist ja gerade dazu da, alles geordnet abzuwickeln. Das Unternehmen, das Insolvenz anmeldet, wird beispielsweise vor seinen Gläubigern geschützt, und ein Insolvenzverwalter identifiziert dann Vermögenswerte, zukunftsfähige Unternehmensteile, ... während oft genug der Geschäftsbetrieb weitergeht.
Inzwischen hat es die "geordnete Insolvenz" aber auch in den deutschen Sprachalltag geschafft. Ich möchte dringend dazu raten, jedes Mal wenn dieser Begriff auftaucht hellhörig zu werden.
Im Fall von General Motors kann man beispielsweise erfahren, dass bei einer Auflösung des Unternehmens erhebliche unfinanzierte Pensionsansprüche auf dem Spiel stehen. Allerdings sind die so oder so unfinanziert, bedeuten also auch für die Weiterführung des Geschäftsbetriebs ein erhebliches Problem, nämlich eine Last die aus zukünftigen Gewinnen finanziert werden müsste.
Das ist noch nicht alles. Laut einer Veröffentlichung des US-FInanzministeriums wäre bei der Insolvenz (also nicht erst bei der Auflösung) ein große Position Derivate betroffen. Was diese in dem Moment Wert wären und wer die Vertragspartner überhaupt sind ist nicht recherchierbar. Aber es ist klar genug dass es hier zu weiteren unerfreulichen Interessensausgleichen kommen müsste.
Man kann dann noch erfahren dass das Insolvenzverfahren von General Motors "etwas länger" dauern würde als das von Chrysler, aber es wird auf wenige Wochen veranschlagt. Ich wäre nicht überrascht wenn sich das als illusorisch herausstellte.
Fazit: Es stand nur deshalb Zeit für die Rettung von Opel zur Verfügung weil das Insolvenzverfahren von General Motors möglichst vermieden werden sollte und inhaltlich umfangreich vorbereitet werden musste. In diesem Zusammenhang wurden die zentralen Faktoren zumindest von den deutschen Medien nicht klar herausgestellt.
Wie nachhaltig ist diese Lösung?
Spätestens seit Sommer oder Herbst 2008 wurde in der Automobilbranche darüber spekuliert, welche Kooperationen oder Übernahmen die Branche wohl sehen würde. Hintergrund war ein wenig angezweiflter Konsens, dass nur die gößten Hersteller die kommenden Herausforderungen der Marktentwicklung überleben würden. In dem Zusammenhang wurde auch darüber spekuliert, mit wem Fiat wohl zusammengehen könne und ob dadurch die notwendige Größe erreicht werden könne.
Sollten die damaligen Diskussionen fundamental richtig sein wäre die jetzt angestrebte Kooperation nicht als nachhaltig zu werten. Dass ein Automobilzulieferer einen Automobilhersteller übernimmt läuft überdies den Trends der Branche in den letzten zwei Jahrzehnten völlig entgegen. Dass Magna nicht einmal genügnd Kapital dafür hat und einen russischen Investor hierür einbindet macht nichts leichter. Die spezielle Mischung aus vermutetem Renditehunger des Investors, nicht ganz klarer Motivation des Zulieferers und zu geringer Größe des Herstellers könnte sich schneller als nicht überlebensfähig erweisen als allen Beteiligten lieb sein kann.
Arbeitnehmervertreter loben die Abwendung der Insolvenz. Im Falle der Insolvenz wäre Opel in einen guten und einen schlechten Teil aufgespalten worden und so Arbeitsplätze verloren gegangen, höre ich, und dies sei nun vermieden worden.
Mir wäre wohler wenn sich auch Arbeitnehmervertreter fragen würden warum ein Investor einen schlechten Teil von Opel haben möchte und was er damit vorhat.
Warum kam genau diese Lösung zu Stande?
Fiat muss nach diesem Ergebnis befürchten, zu klein zu sein um überleben zu können. Auch muss die Frage erlaubt sein, ob im Rahmen des Auswahlverfahrens Ehrlichkeit belohnt wurde. Selbstverständlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in der Automobilndustrie in Zukunft Abeitsplätze abgebaut werden. Den Herstellern geht es ums schiere Überleben.
Belastbare Informationen darüber, wer in diesen Verhandlungen welche Rolle gespielt hat und spielen durfte, gibt es kaum. Wir sollten uns in Erinnerung rufen dass es hierbei vorrangig um die Vorbereitung des Insolvenzverfahrens eines US-amerikanischen Unternehmens ging und nicht um deutsche Interessen. Auch ein Insolvenzverwalter hätte eine ganz klare Interessenslage. Ich möchte bezweifeln dass sich dies bei der Vorbereitung einer Insolvenz wesentlich anders darstellt.
Obwohl sich also die erzielte Lösung von allen Beteiligten als sinnvoll und gut darstellen lässt muss man sich also fragen, wessen Interessen hier im Vordergrund standen. Schließlich hat US-Präsident Obama sogar fälschlich behauptet, das Automobil sei in den USA erfunden worden. Es ist schwer vorstellbar dass die USA auf zwei ihrer großen Automobilhersteller in Zukunft verzichten wollen... ganz egal wie überlebensfähig sie momentan sind.
Und so ist es vielleicht nicht grundfalsch, sich einen Moment an die Diskussion der Branche bezüglich der Voraussetzungen für ein zukünftiges Überleben zu erinnern. Kann es denn wirklich im Interesse der USA liegen, einen weiteren europäischen Autobauer, Fiat, durch eine Übernahme so groß werden zu lassen dass er überlebensfähig ist? Wäre es nicht viel praktischer für die US-Automobilindustrie wenn gleich zwei europäische Automarken, Fiat und Opel, zu klein bleiben um zu überleben?
Es ist Opel nicht zu wünschen, aber es würde mich nicht überraschen wenn wir Opel in, sagen wir, anderthalb Jahren wieder ganz groß in der Presse wiederfinden würden. Das ändert nichts daran, dass ich die Daumen drücke.
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Wer diese Frage beantworten will sei zu einer kleinen Fingerübung eingeladen: Den Niedergang von Chrysler mit dem von General Motors zu vergleichen, zeitlich wie auch finanziell. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass das Management von Chrysler fähiger war als das von General Motors. Dies zumindest legen die Summen nahe, die General Motors in den letzten Monaten auf Kosten der US-Steuerzahler verbrannt hat.
Auch dass die Führungsspitze von GM durch Druck seitens der US-Administration im Laufe der letzten Wochen gewechselt hat sollte in die Kalkulation einbezogen werden.
Dennoch gewährte die Obama-Administration General Motors eine erheblich längere Zeitspanne zur Ausarbeitung eines Konzeptes zur Vermeidung einer Insolvenz als Chrysler.
Dies allein ist der Grund dafür, dass überhaupt die luxuriöse Situation eintrat sich Gedanken über die Zukunft von Opel machen zu können.
Aber warum?
Wer sich diese Frage stellt stößt notgedrungen auf Formulierungen wie "geordnete Insolvenz". Ich habe diese Formulierung zum ersten Mal von Obama im Zusammenhang mit General Motors gehört.
Das sollte jeden Menschen aufhorchen lassen, denn eine Insolvenz ist ja gerade dazu da, alles geordnet abzuwickeln. Das Unternehmen, das Insolvenz anmeldet, wird beispielsweise vor seinen Gläubigern geschützt, und ein Insolvenzverwalter identifiziert dann Vermögenswerte, zukunftsfähige Unternehmensteile, ... während oft genug der Geschäftsbetrieb weitergeht.
Inzwischen hat es die "geordnete Insolvenz" aber auch in den deutschen Sprachalltag geschafft. Ich möchte dringend dazu raten, jedes Mal wenn dieser Begriff auftaucht hellhörig zu werden.
Im Fall von General Motors kann man beispielsweise erfahren, dass bei einer Auflösung des Unternehmens erhebliche unfinanzierte Pensionsansprüche auf dem Spiel stehen. Allerdings sind die so oder so unfinanziert, bedeuten also auch für die Weiterführung des Geschäftsbetriebs ein erhebliches Problem, nämlich eine Last die aus zukünftigen Gewinnen finanziert werden müsste.
Das ist noch nicht alles. Laut einer Veröffentlichung des US-FInanzministeriums wäre bei der Insolvenz (also nicht erst bei der Auflösung) ein große Position Derivate betroffen. Was diese in dem Moment Wert wären und wer die Vertragspartner überhaupt sind ist nicht recherchierbar. Aber es ist klar genug dass es hier zu weiteren unerfreulichen Interessensausgleichen kommen müsste.
Man kann dann noch erfahren dass das Insolvenzverfahren von General Motors "etwas länger" dauern würde als das von Chrysler, aber es wird auf wenige Wochen veranschlagt. Ich wäre nicht überrascht wenn sich das als illusorisch herausstellte.
Fazit: Es stand nur deshalb Zeit für die Rettung von Opel zur Verfügung weil das Insolvenzverfahren von General Motors möglichst vermieden werden sollte und inhaltlich umfangreich vorbereitet werden musste. In diesem Zusammenhang wurden die zentralen Faktoren zumindest von den deutschen Medien nicht klar herausgestellt.
Wie nachhaltig ist diese Lösung?
Spätestens seit Sommer oder Herbst 2008 wurde in der Automobilbranche darüber spekuliert, welche Kooperationen oder Übernahmen die Branche wohl sehen würde. Hintergrund war ein wenig angezweiflter Konsens, dass nur die gößten Hersteller die kommenden Herausforderungen der Marktentwicklung überleben würden. In dem Zusammenhang wurde auch darüber spekuliert, mit wem Fiat wohl zusammengehen könne und ob dadurch die notwendige Größe erreicht werden könne.
Sollten die damaligen Diskussionen fundamental richtig sein wäre die jetzt angestrebte Kooperation nicht als nachhaltig zu werten. Dass ein Automobilzulieferer einen Automobilhersteller übernimmt läuft überdies den Trends der Branche in den letzten zwei Jahrzehnten völlig entgegen. Dass Magna nicht einmal genügnd Kapital dafür hat und einen russischen Investor hierür einbindet macht nichts leichter. Die spezielle Mischung aus vermutetem Renditehunger des Investors, nicht ganz klarer Motivation des Zulieferers und zu geringer Größe des Herstellers könnte sich schneller als nicht überlebensfähig erweisen als allen Beteiligten lieb sein kann.
Arbeitnehmervertreter loben die Abwendung der Insolvenz. Im Falle der Insolvenz wäre Opel in einen guten und einen schlechten Teil aufgespalten worden und so Arbeitsplätze verloren gegangen, höre ich, und dies sei nun vermieden worden.
Mir wäre wohler wenn sich auch Arbeitnehmervertreter fragen würden warum ein Investor einen schlechten Teil von Opel haben möchte und was er damit vorhat.
Warum kam genau diese Lösung zu Stande?
Fiat muss nach diesem Ergebnis befürchten, zu klein zu sein um überleben zu können. Auch muss die Frage erlaubt sein, ob im Rahmen des Auswahlverfahrens Ehrlichkeit belohnt wurde. Selbstverständlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in der Automobilndustrie in Zukunft Abeitsplätze abgebaut werden. Den Herstellern geht es ums schiere Überleben.
Belastbare Informationen darüber, wer in diesen Verhandlungen welche Rolle gespielt hat und spielen durfte, gibt es kaum. Wir sollten uns in Erinnerung rufen dass es hierbei vorrangig um die Vorbereitung des Insolvenzverfahrens eines US-amerikanischen Unternehmens ging und nicht um deutsche Interessen. Auch ein Insolvenzverwalter hätte eine ganz klare Interessenslage. Ich möchte bezweifeln dass sich dies bei der Vorbereitung einer Insolvenz wesentlich anders darstellt.
Obwohl sich also die erzielte Lösung von allen Beteiligten als sinnvoll und gut darstellen lässt muss man sich also fragen, wessen Interessen hier im Vordergrund standen. Schließlich hat US-Präsident Obama sogar fälschlich behauptet, das Automobil sei in den USA erfunden worden. Es ist schwer vorstellbar dass die USA auf zwei ihrer großen Automobilhersteller in Zukunft verzichten wollen... ganz egal wie überlebensfähig sie momentan sind.
Und so ist es vielleicht nicht grundfalsch, sich einen Moment an die Diskussion der Branche bezüglich der Voraussetzungen für ein zukünftiges Überleben zu erinnern. Kann es denn wirklich im Interesse der USA liegen, einen weiteren europäischen Autobauer, Fiat, durch eine Übernahme so groß werden zu lassen dass er überlebensfähig ist? Wäre es nicht viel praktischer für die US-Automobilindustrie wenn gleich zwei europäische Automarken, Fiat und Opel, zu klein bleiben um zu überleben?
Es ist Opel nicht zu wünschen, aber es würde mich nicht überraschen wenn wir Opel in, sagen wir, anderthalb Jahren wieder ganz groß in der Presse wiederfinden würden. Das ändert nichts daran, dass ich die Daumen drücke.
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