Nach einer fulminanten, von Hoffnung und Angst wohl gleichermaßen getragenen Rallye an den Aktienmärkten hielt die Welt gestern inne. Zwei Nachrichten haben das Potenzial, die nahe Zukunft zu bestimmen.
Kreditwürdigkeit der meisten Landesbanken herabgestuft
Die
Kreditwürdigkeit der meisten deutschen Landesbanken wurde herabgestuft... und zwar
bevor die Bilanzierungsregeln bezüglich Derivaten entsprechend der Lockerung in den USA geändert wurde. Falls die in diesen Fällen übliche Kapitalflucht einsetzt könnten die Namen der Banken es in die Schlagzeilen der nächsten Wochen schaffen.
Wenig Nachfrage bei Auktion lang laufender US-amerikanischer Staatsanleihen
Die Ergebnisse der
wenig aussagekräftigen Stress-Tests der US-amerikanischen Banken reihen sich nahtlos in die Serie der
"besser-als-erwartet"-Nachrichten. Nach Darstellung von Händlern
sind die gestrigen Verluste vielmehr darauf zurückzuführen, dass sich die konjunkturelle Erholung in den USA aufgrund des Verhaltens Chinas verzögern könne:
Der Anlass war Börsianern zufolge eine enttäuschend verlaufene Auktion am Anleihenmarkt. Dort trafen langlaufende Wertpapiere auf eine unerwartet niedrige Nachfrage, wodurch sich deren Renditen erhöhten. Spekuliert wurde, dass sich nun eventuell die Chinesen als einer der größten Investoren zurückziehen könnten.
Objektiv betrachtet trifft es zwar zu, dass
China besonders aus lang laufnden US-amerikanischen Staatsanleihen aussteigt. Dass dies nun aber als offizielle Begründung für Konjunktursorgen herangezogen wird stellt eine Trendwende in der Marktstimmung dar:
China scheint seit Januar mit zunehmender Geschwindigkeit aus dem US-Dollar auszusteigen. Zu den seriös dokumentierten chinesischen Maßnahmen zählen
neue auf Yuan lautende direkte Währungs-Abkommen mit Handelspartnern, der
Aufbau strategischer Ölreserven zu günstigen Marktpreisen, der
Aufbau von Kupfer-Reserven zu günstigen Marktpreisen, der
Ausbau der eigenen Goldreserven, die
Vergabe von Krediten die in Rohstoffen zurückgezahlt werden, der
Ausstieg aus lang laufenden US-Staatsanleihen zu Gunsten kurz laufender.
Dass China von lang laufenden US-Staatsanleihen keine hohe Meinung mehr hat ist also seit Januar bekannt... auch wenn
US-Außenministerin Hillary Clinton im Februar versucht hat den Chinesen zu erklären, dass sie aus dem US-Dollar nicht aussteigen können... es liegt doch aber nahe, dass diese Argumentation als Beleidigung aufgefasst wurde. So oder so: Investoren hätten diesbezüglich alarmiert sein sollen.
Hat der ausbleibende offene Widerspruch der Chinesen die Investoren in die Irre geführt? (Offenen Widerspruch wird man von Chinesen freilich selten hören.) Oder war es das widerholte Versprechen des Vorsitzenden der US-amerikanischen Zentralbank, Ben Bernanke, dass er alles kaufen würde, was am Markt sonst unverkäuflich wäre?
Wie nun passt das beruhigende Mantra Ben Bernankes, dass die Zentralbank alles in den Griff bekommen wird, zu der neuen Sorge der Investoren, dass die Chinesen alles zunichte machen können?
Entweder die Investoren haben Ben Bernanke geglaubt und müssn nun erkennen, dass sie sich geirrt haben... weil eine einzige Bank, selbst wenn sie eine Zentralbank ist, nicht dauerhaft erfolgreich einen riesigen Markt manipulieren kann.
Oder jeder wusste, dass Ben Bernanke übertreibt... schließlich ist es seine Aufgabe, das Vertrauen in den US-Dollar aufrecht zu erhalten. (Hier würden die
umfangreichen Insider-Verkäufe der letzten Wochen gut ins Bild passen.) Und nun bot sich womöglich die Gelegnheit, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und ihn verantwortlich zu machen. Dabei waren die Fakten alle längst bekannt.
Wie man es auch dreht und wendet: Die Nachricht bleibt schlecht.
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