Inzwischen können keine Zweifel mehr bestehen:
Griechenland wird die Eurozone verlassen, da, anders als die Überschriften in den hiesigen Medien nahelegen, noch überhaupt keine bedeutsame Einigung erzielt wurde. Es ist unserer Meinung nach auch nicht absehbar, dass eine solche erzielt werden kann; bei den relevanten Details sieht es eher nach dem Gegenteil aus. Es darf auch nicht übersehen werden, dass die Zeit für die Neustrukturierung der Schulden im Zusammenhang mit dem feststehenden "Zahltag", dem 20. März, im Grunde bereits überschritten wurde.
Durch die spezielle Mischung aus Einstellung zur Eurozone, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und politischer Position wird Deutschland für die Zukunft erpressbar. Für angeschlagene Staaten ist es die beste Strategie, bei der Darstellung ihrer Probleme jeweils so zu untertreiben, dass ihre Hilfsbedürftigkeit nicht angezweifelt werden kann, sie jedoch bei den Sparmaßnahmen nicht wirklich zum Kern des Problems vordringen müssen. So werden die politischen Systeme nicht zu weit destabilisiert, die Machtstrukturen aufrecht erhalten und in der nächsten Runde kann leicht dargestellt werden, dass alle Auflagen erfüllt wurden und dennoch neuer Finanzierungsbedarf besteht.
Wie bereits bekannt wurde, wird im Anschluss an die Klärung des zukünftigen Umgangs mit Griechenland zunächst Portugal zusätzliche Mittel erhalten, dessen Darstellung genau in obiges Schema passt.
Mit der Etablierung des ESM werden die Rettungsmaßnahmen "einfacher" und weniger transparent. Sobald jedoch klar werden wird, dass der ESM nicht genügend Kapital von Drittinvestoren (gern genannt: China, das in Wahrheit aus guten Gründen komplett desinteressiert ist) einsammeln kann, wird ein Ansturm auf die Ressourcen des ESM einsetzen. Da sich der ESM jeglicher Aufsicht und Kontrolle entzieht, seine Dokumentenbestände als Geheimsache gelten und er seine Entscheidungen autonom trifft, bestehen kaum Chancen, die Vergabepolitik im Zusammenhang mit den Darstellungen der Nehmerstaaten zeitnah aufzuarbeiten.
Vor dem Hintergrund eines mit wachsender Geschwindigkeit ausblutenden ESM wird sich dann zeigen, wann die Politik die Notbremse ziehen wird. Mit großer Sicherheit wird auch hier zunächst nach kreativen Lösungen gesucht werden, sicherlich auch im Zusammenhang mit der EZB.
Allerdings dürfte zu dem Zeitpunkt auch den Politikern der zweiten Reihe dämmern, dass das Finanzsystem Eurozone zwar ähnlich groß sein mag wie das Finanzsystem US-Dollar, die Statik der Eurozone jedoch Mängel aufweist. Die Tatsache, dass zwei Drittel der Eurozonen-Verschuldung einen direkten Kreislauf innerhalb der Eurozone bilden, im Zusammenhang mit dem Umstand, dass auch die so genannte Rettung der Eurozone zum erheblichen Teil aus den eigenen Reihen bewältigt werden muss, lässt eine vollständig andere Struktur erkennen als diejenige der US-Geld- und Schuldenarchitektur, ganz zu schweigen von der Hybridrolle des US-Dollar als Zahlungsmittel auf den Rohstoffmärkten.
Daher wird es dazu kommen, dass eine klare Entscheidung zwischen der Schaffung eines riesigen, zum Zwecke der vermeintlichen Stabilisierung finanziell überreglementierten, Eurozonen-Systems einerseits und einem Aufbruch andererseits gefällt werden muss.
Alllein die Perspektive, dass eine Entscheidung zugunsten einer überregulierten Eurozone fallen könnte, würde zum sofortigen finanziellen Absturz der Eurozone führen, da jeder Investor mit Sachverstand und/oder eigener Interessenslage sein Geld sofort abziehen würde; zu dem Zeitpunkt dürfte auch die US-Zentralbank eine erhebliche stabilisierende Rolle in der Eurozone spielen.
Daher dürften die Marktmechanismen das Pendel klar in Richtung eines Ausstiegs Deutschlands aus der Eurozone, falls möglich wohl gemeinsam mit ein oder zwei anderen Eurozonen-Staaten, ausschlagen lassen. Käme es hart auf hart, würde Deutschland diesen Schritt (freilich erst, wenn er bereits richtig schmerzt) allein gehen; jedoch würden sich weitere Staaten wohl nach kurzer Zeit anschließen wollen.
Viel Glück. Und denken Sie, was Sie wollen.
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eine gute Analyse der wirtschaftlichen Situation. Aber der Austritt...wann soll der wohl kommen? Die Mehrheitsverhältnisse im griechischen wie auch im deutschen Parlament lassen hier nichts vermuten. Und solange steigen die Risiken infolge der Rettungsschirme und Target-Salden weiter...
die These, dass Griechenland und Deutschland (zu verschiedenen Zeitpunkten) aus der Eurozone austreten, ist bewusst provokant, orientiert sich aber dennoch an der Sachlage.
Wahrscheinlichkeit und Zeitpunkt des Austritts Griechenlands werden einige Zeit nach den Wahlen klarer erkennbar werden, wenn dort wieder eine Regierung agiert, die dem griechischen Volk Rechenschaft schuldet. Es werden dann Hoffnunmgen aufgebaut und zerstört werden. Schuldzuweisungen und Rücktritte werden ein Wechselspiel von Kräften bilden. Später wird Griechenland erneut zahlungsunfähig sein und die Eurozone wird wiederum vor der Frage stehen, wo sie sich im Koordinatensystem zwischen ihrer Unantastbarkeit, ihren Unterhaltskosten und ihrer Vertrauenswürdigkeit platziert.
Was Deutschland betrifft, so ist nicht ganz klar, inwieweit die Entwicklung von den Ergebnissen der nächsten Bundeswahl abhängt. Herr Gabriel bewegt sich ja rhetorisch zielstrebig in Richtung eines Vertrauensbruchs mit genau den Finanzmärkten, deren Geld er gern für eine bessere Welt ausgeben möchte. Andererseits scheint Herr Steinbrück andere Auffassungen zu vertreten.
Schlussendlich werden Gesetzmäßigkeiten der Finanzmärkte die beiden Austritte zumindest provozieren. Je nach Gesinnung können sich die beiden Staaten und die Eurozone mit allerlei Rüstzeug dagegenstemmen, aber die simple Mathematik spricht dagegen, dass diese Bemühungen erfolgreich sein werden.
Und dann kann das Abstimmverhalten recht schnell kippen.
Genau: Bis dahin steigen die Risiken.
Sie werfen spannende Fragen auf.
Im Spätsommer oder Frühherbst werden wir mehr darüber wissen, zu welcher Wahrnehmung der Lage es im Nachgang der Griechenland- und Frankreich-Wahlen gekommen sein wird. Bis dahin werden neue Politiker neue Erfahrungen machen (müssen). Wie genau der weitere Verlauf stattfindet, hängt davon ab, welchen Weg sie einzuschlagen versuchen.
Freilich werden die Finanzmärkte ganz unabhängig davon den Austritt Griechenlands und Deutschlands aus der Eurozone nahelegen, weil ihr Verbleib finanzarithmetisch keinen Sinn macht.
Die Politik entscheidet aber immerhin noch darüber, ob darüber offen gesprochen werden oder ob es mit einem Paukenschlag kommen wird.
Daher kann es auch keine seriöse pauschale Empfehlung geben, schon gar nicht ohne genaue Standort- und Zielbestimmung.
Ich denke, wenn man arm und lustig ist, bleibt man das einfach nach Möglichkeit und versucht, den Unsinn mit Weitsicht zu genießen.
Welche konkrete Frage haben Sie denn zur schleichenden Verschlechterung? Sie ist doch eine logische Konsequenz aus der Situation und dem Umgang mit ihr.
Sie haben selbst geschrieben, dass es sich um einen schleichenden Prozess handelt. Allein dies verhindert, dass es einen Aufbruch zu einem bestimmten Zeitpunkt geben kann/wird. Ganz zu schweigen davon, dass wir alle auf Individualität gepolt sind und im Vergleich in großem Wohlstand leben, so dass gemeinsame Ziele nicht von selbst entstehen. Ein weiterer Umstand ist, dass das eigentliche Problem schwer zu fassen ist. Wie viele Menschen kennen Sie, die das Kernproblem benennen und erklären können?
Es ist nicht der Zeitpunkt für einen Ruck.
Im Spätsommer oder Frühherbst werden wir mehr wissen.