Professor Anthony J. Evans von der ESCP Europe hat gemeinsam mit Studenten eine Idee verfolgt: Wenn ein Wirtschaftssubjekt gleichzeitig Gläubiger und Schuldner ist, könne ein entsprechender Teil der Schulden verrechnet und somit eliminiert werden.
Lassen wir für einen Moment unberücksichtigt, dass die Umsetzung der charmanten Idee von Professor Evans großen monetären Schaden anrichten würde, und schauen uns an, was auf dem Papier geschähe. Betrachtet wurden Daten der Bank für Internationalen Zahulngsausgleich, insbesondere eine nicht mehr abrufbare, vorläufige Version dieses BIZ-Quartalsberichts vom Juni 2011 mit Zahlen per Ende 2010 sowie des Internationalen Währungsfonds für die Staaten Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Portugal und Spanien.
Vergleichen Sie die beiden Diagramme auf The great EU debt write-off und studieren Sie den vollständigen Bericht. Nach drei einfachen Schritten lassen sich die Gesamtschulden des betrachteten Sysrtems von 3,1 Billionen Euro um fast zwei Drittel reduzieren.
Das wird selbstverständlich auf keinen Fall so praktiziert werden. Der Bericht basiert auf der irreführenden Annahme, es gebe innerhalb der EU eine Schuldenkrise. Der Begriff der Schuldenkrise ist aber in einem Geldsystem, in dem Geld ausschließlich als Schuld existiert, wenig hilfreich; genau genommen erleben wir die Auswirkungen einer Geldsystemkrise. Wenn man sich diese einfache Wahrheit vergegenwärtigt, fällt es viel leichter, den Denkfehler hinter der hier präsentierten Idee der Entschuldung Europas zu erkennen: Die zwei Billionen Euro, die Professor Evans und seine Studenten eliminieren wollen und die in einer Bilanz als Schulden auftauchen, repräsentieren in einer anderen Bilanz ein Vermögen. Dies ist insbesondere deshalb so, weil die herangezogene Tabelle 9D der BIZ Forderungen von Banken in Staaten gegen Staaten auflistet. Ein Begleichen dieser Schuld würde ebenso in der Vernichtung des vorher geschöpften Giralgeldes resultieren wie das Abbezahlen einer Hypothek auf einen Schlag, was gleichermaßen und aus gutem Grund nicht ohne Weiteres möglich ist.
Ganz abgesehen von der dahinterliegenden Psychologie: Einmal angenommen, Sie haben fünfzig Euro und Ihr Nachbar hat einhundert. Wenn Sie sich jetzt fünfzig Euro von Ihrem Nachbarn leihen, glaubt jeder von Ihnen beiden, dass er einhundert Euro hat.
Dennoch ist die Untersuchung aufschlussreich: Das Maß der Selbstbezogenheit der Europäischen Union ist ein ganz anderes als dasjenige der USA. Diese Erkenntnis kann sich bei der Beurteilung der Machbarkeit und Wahrscheinlichkeit verschiedener zukünftiger Szenarien als wertvoll erweisen.
Gute Nacht! Und denken Sie, was Sie wollen.
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