Diese Zeit ist geprägt von Ereignissen, die keine Wahl lassen. Gehen Sie besser nicht davon aus, dass es Ihnen anders ergehen könnte.
Danke, Axel Weber, und alles Gute
Über den Abgang Axel Webers ist viel geschrieben worden. Reichlich Kommentatoren haben das Pferd von hinten aufgezäumt und den Menschen und seine Integrität übersehen. Inzwischen dürfte davon auszugehen sein, dass realistischere Einschätzungen das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.
Dass Axel Weber keine Wahl hatte, wird anhand der restlichen Nachrichten immer offensichtlicher.
Dabei hatte ein europäischer Think Tank noch zuletzt spekuliert, Europa werde Stärke zeigen und Axel Weber zum nächsten Präsidenten der EZB ernennen.
Die Haltung der Bundesregierung
Lange sah es so aus, als wolle Angela Merkel erreichen, dass die Märkte diejenige Trennung der Eurozone erwirken sollten, die kein Politiker gern verantwortet hätte: Nämlich in zwei Eurozonen, unterteilt nach fiskalischer Disziplin und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Bis, gemeinsam mit Frankreich, auf die offizielle Linie einer europäischen Wirtschaftsregierung umgeschwenkt wurde.
Der Sinn einer Eurozonen-Wirtschaftsrgierung
An sich eine charmante Idee, zumal diese Wirtschaftsregierung von den Staatschefs gebildet worden wäre, und damit von demokratisch einigermaßen legitimierten Amtsträgern.
Faktisch aber wäre dieser Schritt höchstens der erste von vielen notwendigen gewesen, denn die wenigen zu vereinbarenden Parameter hätten an der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Staaten kaum etwas geändert. Insofern wurden bezüglich der stabilisierenden Wirkung dieser Maßnahme zu große Hoffnungen in sie gesetzt.
Wenn er denn je gegangen worden wäre, dieser Schritt.
Die Wirtschaftsregierungs-Weichmacher
Auf EU-Rettungsfonds-Ebene scheint man unterdessen Gefallen daran gefunden zu haben, dass man an diejenigen Staaten, die den Rettungsfonds in Anspruch nehmen mussten (oder die dazu gedrängt wurden), Bedingungen stellen kann. Jedenfalls kommt aus der selben Ecke ein Gegenvorschlag zur Wirtschaftsregierung, der ein Gremium der Regierungschefs völlig unvebindlich sein lässt und die wahre die Macht weiterhin auf EU-Ebene ansiedelt.
Als eine Begründung wird angeführt, die Souveränität der Staaten über ihre Wirtschaftspolitik solle erhalten bleiben. Man ist versucht hinzuzufügen: Bis zuletzt, wenn schließlich der Rettungsfonds das Sagen haben wird.
Dabei hatte ein europäischer Think Tank kürzlich noch spekuliert, Europa könne sich Schritt für Schritt entlang des schwierigen Weges in die Zukunft stärken. Doch dass dies nicht geschehen wird, passt ins Bild:
Die Währungs-Weichmacher
Im gleichen Atemzug erklärt man auf EU-Ebene beherzt, neue Infrastruktur-Projekte mit Anleihen finanzieren zu wollen, die über das EU-Budget besichert werden sollten. Zur Erinnerung: Es handelt sich um dasjenige EU-Budget, über das sich die Mitgliedsstaten aufgrund von Sparwünschen zuletzt monatelang nicht einigen konnten.
Anders gesagt: Das EU-Budget, das über die Neuverschuldung der EU-Staaten finanziert wird, die ihrerseits über die zukünftige Wirtschaftsleistung (genau genommen die Fähigkeit der Staaten, diese zu besteuern) abgesichert ist, soll nochmals beliehen werden.
Wenn Ihnen das als Steigerung der Hebelung der Verschuldungen erscheint, dann sehen Sie das genau richtig. Und das wird auch dingend benötigt, um das Finanzsystem am Leben zu halten. Und daher wird das auch genau so stattfinden. Ganz gleich, was einzelne Politiker dazu meinen.
Nur dass die Rechnung, die am Ende wird bezahlt werden müssen, noch höher ausfallen wird.
Der wenig weiche Abgang
Global soll Deflation (die Verringerung der Geldmenge durch den Abbau von Schulden) vermieden werden, lokal kann dagegen wenig unternommen werden. Gerade Deutschland stört hier aus globaler Sicht gewaltig. Wir sind viel zu sparsam.
Aus Sicht Ihres Monatsbudgets macht das freilich nicht so viel Unterschied. Da kann die Zukunft Deutschlands ihrer Natur nach noch so deflationär angelegt sein: Die von den USA exportierte Inflation wird Ihrer finanziellen Situation deutlich die Richtung weisen.
Auch Detailänderungen am Mandat der EZB werden nicht viel daran ändern, dass die Zinssätze über kurz oder lang werden ansteigen müssen. Dann wird es spanned sein zu sehen, wer sich an der Grenze seiner Solvenz zu nidrigsten Zinssätzen finanziert hatte.
Aber eine substanzielle Marktbereinigung, ein Neuanfang ohne faule Kredite und nicht tragfähige Geschäftsmodelle, wird aller Voraussicht nach wieder vermieden werden.
Wahlen nach Qualen
Sie können wählen, was Sie wollen, und doch werden es die Finanzen sein, die den Weg weisen. Erwarten Sie nicht allzuviel Handlungsfähigkeit seitens der Regierenden. Außer bei der Einführung höherer und neuer Steuern und Gebühren, versteht sich.
Das Einzige, worauf noch zu hoffen erlaubt scheint, wäre, dass überhaupt eine politische Konstellation entsteht, die gundsätzliche Handlungsfähigkeit nicht auschließt.
Auch diesbezüglich sollten Sie also Ihre begrenzten Ressourcen nicht verschwenden.
Ihre Chance
Selbst wenn es keine Wahl gibt, gibt es Chancen.
Lassen Sie sich nicht in die Irre führen.
Halten Sie nicht an Überkommenem fest.
Erkennen Sie Ihre wahren Handlungsspielräume.
Und: Denken Sie, was Sie wollen.
Unsere Mission | Impressum | Rechtshinweise | Regeln


Kommentare