Wenn Sie offenen Auges schon die eine oder andere Wirtschaftsphase miterlebt und dabei womöglich sogar Ihren Freunden zugehört haben, werden Sie sich vielleicht an Zeiten erinnern, in denen Sie sich darüber gewundert haben, dass in den Immobilienmarkt einfach keine Bewegung kommt. Da bleiben Wohnungen unvermietet, weil niemand die Miete angemessen findet.
Es gibt einen bunten Strauß von Gründen, warum das so ist.
1) Jede bei einer Neuvermietung gesenkte Miete belastet den gesamten Markt oder sogar den Mietpreisspielgel.
2) Provisionen sind oft an das Preisniveau gekoppelt.
3) Verluste durch Leerstand sind steuerlich oft anrechenbar, so dass für den Vermieter ein mittelfristiger Leerstand vorteilhafter erscheint als langfristig eine niedrigere erzielbare Miete.
4) Immobilien stellen in vielen Bilanzen Werte dar. Eine Wertminderung würde die Bilanz entsprechend belasten.
5) Durch den Leerstand als überteuert empfundener Wohnungen vergrößert sich die Nachfrage nach günstigeren Wohnungen, wodurch das Preisniveau mittelfristig insgesamt steigt... falls der Leerstand keine Ausmaße annimmt, die den langen Atem der Vermieter überstrapazieren.
(Unter diesem Blickwinkel erscheint das jüngste Beispiel aus Kalifornien recht dramatisch.)
Wir können uns anhand dieser Betrachtung zwei Dinge vergegenwärtigen.
1) Für bestimmte Waren können die Anbieter den Preis gegen den Trend halten oder erhöhen, schlicht weil sie die Möglichkeit haben, dies zu tun; im Beispiel oben nicht zuletzt mit staatlicher Billigung, denn es wären ja auch Bußgelder bei Leerstand statt steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten denkbar.
2) Obwohl eine zu hohe Preisfestsetzung (also eine Preismanipulation) auf den ersten Blick die ermittelte Teuerungsrate (Inflation genannt) ebenfalls künstlich erhöht (die Mieten nicht vermieteter Wohnungen werden ja nicht aus Mietpreisspiegeln entfernt), kann diese Maßnahme dennoch keine nachhaltigen Effekte im Kampf gegen die Deflation zeitigen; sie erweist sich als Papiertiger. Denn neben dem Preisniveau spielt für Teuerung und Inflation die Anzahl der Transaktionen (im Beispiel: gezahlte Monatsmieten) respektive die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes eine Rolle. Weil diese Werte in der Praxis nicht mit sinnvollem Aufwand zu ermitteln sind, wird die Teuerung stattdessen rückwirkend statistisch und gemittelt erfasst. Daher unterscheidet sich Ihre Erkenntnis, wie weit Ihr Monatseinkommen reicht, unter Umständen deutlich von dem, was die statistisch ermittelte Teuerungsrate nahelegt. Und daher ist die an sich inflationäre, manipulative, zu hohe Festsetzung von Preisen auf Dauer keinem deutlich deflationären Marktdruck gewachsen. Denn:
Am Ende muss jede Rechnung bezahlt werden. Wenn sie im Preis steigt obwohl das notwendige Geld fehlt, wird sie halt weniger oft bezahlt.
Eine Preismanipulation bewirkt also lediglich ein vorübergehendes Ungleichgewicht im Peisgefüge; man könnte auch sagen: Umverteilung.
Denken Sie gut!
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