1,7 Billionen Euro Miese: So entkommt Deutschland der Schuldenfalle, schreibt Spiegel Online.
Es wird dort vorgeschlagen, die Bundesrepublik durch eine einmalige Vermögensabgabe zu entschulden. Das private Nettovermögen in Deutschland belaufe sich auf 8,2 Billionen Euro, wovon sich gut 60% in den Händen von 10% der Bevölkerung befänden. Somit sei es möglich, die Entschuldung durchzuführen.
Natürlich ist es das nicht.
1) Im Sommer 2010 beträgt die sehr weit gefasste Geldmenge M3 in der Eurozone rund 9,5 Billionen Euro. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Vermögensverhältnisse in Deutschland mit 8,2 Billionen Euro viel zu hoch angesetzt wurden. Würde ein nennenswerter Teil dieses Vermögens, vermutlich Immobilien, am Markt zum Kauf angeboten, würde er drastisch an Wert verlieren, weil es gar nicht genug Geld im System gäbe, um den veranschlagten Preis auch wirklich zu bezahlen.
2) Schulden haben eine magische Eigenschaft: Ihr Betrag gehört psychologisch betrachtet zwei Marktteilnehmern gleichzeitig. Angenommen, ein Staat habe zwei Bürger, Max und Moritz. Wenn Max dem Staat Geld leiht (eine Staatsanleihe erwirbt), glaubt er, das Geld gehöre noch ihm und er könne darüber später wieder verfügen. Der Staat gibt es dann aber aus, zum Beispiel weil er Moritz mit der Errichtung einer Brücke beauftragt. Anders gesagt, der Staat gibt Max' Geld jemandem, der es dann wirklich hat und der, wenn er selbst keine Schulden hat, es als sein eigenes Geld ansieht. So wähnt sich Moritz wohlhabender als zuvor. Wenn der Staat seine Schuld allerdings wirklich tilgen möchte, holt er sich das Geld über Steuern und Gebühren vermutlich von beiden zurück, und in beider Wahrnehmung verringert (z.B. halbiert) sich ihr Wohlstand. Dies wird ihr Kaufverhalten massiv beeinflussen.
3) Hat ein Staat sich bei Banken verschuldet, so ist die Begleichung dieser Schuld noch weitaus deflationärer als im vorangehenden Beispiel, denn Banken schöpfen Geld gegen Sicherheiten aus dem Nichts. Anders gesagt, während der Wohlstand im vorigen Beispiel nur psychologisch steigt und schlussendlich umverteilt wird, steigt in diesem Fall die Geldmenge durch die Verschuldung real, und sinkt bei Rückzahlung entsprechend. Und für sinkende Preise ist unser Geldsystem nicht geschaffen.
Daher können Sie ganz beruhigt sein, dass dieser Plan der sofortigen Entschuldung niemals umgesetzt werden wird.
Der Artikel streift abschließend noch den Anfang der 1950er-Jahre in der Bundesrepublik eingeführten Lastenausgleich. Ein wesentlicher Faktor hierbei waren Zwangshypotheken auf Immobilien.
Was der Artikel nicht erwähnt ist, dass es keine Alternative gab. In einem Geldsystem, in dem das Guthaben des Einen ausschließlich durch Schulden des Anderen gedeckt ist, muss man dafür Sorge tragen, dass gleich zu Beginn genügend Verschuldung entsteht, um überhaupt Geld gegen Sicherheiten in das System zu injizieren.
Daher können Sie sich darauf verlassen, dass auch die nächste Währungsreform so beginnt. Das hat nichts mit sozialer Marktwirtschaft zu tun. Das ist eine geldtechnische Notwendigkeit.
Denken Sie gut!
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