Mit diesem Zwischenruf möchte ich auf eine besondere Eigenschaft von Zielen hinweisen.
Ziele führen ein garstiges kleines Eigenleben.
Um dies zu illustrieren, ziehe ich ein aktuelles Interview mit einem zeitgenössischen Prominenten heran.
Unser Prominenter empfiehlt, stets nach dem Größten zu streben. Und neben seinem Beruf und seinen sozialen Kontakten ist das Wichtigste für ihn Geld, denn Geld bedeutet für ihn Freiheit.
Hier erkennt der erfahrene Betrachter eine typische Schwäche menschlichen Denkens, denn unser Prominenter hat das Ziel mit dem Weg verwechselt. Sein wahres Ziel: Freiheit. Sein gewählter Weg dorthin: Viel Geld. Doch hat er sich fälschlich das Geld zum Ziel gesetzt.
Dieser Irrtum birgt tragisches Potenzial. Denn damit verbaut sich unser Prominenter die Möglichkeit, den eingeschlagenen Weg zu hinterfragen. Wer den Weg mit dem Ziel verwechselt oder gleichsetzt, läuft Gefahr, niemals anzukommen
Häufig begehen Menschen diesen Irrtum vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrung. Auch bei unserem Prominenten finden wir Indizien dafür.
Er wuchs in extremer Armut auf und lernte bereits als Jugendlicher, dass er sich mit Geld einen gewissen Freiheitsgrad erkaufen konnte. Es ist naheliegend, dass er hieraus schlussfolgerte, mehr Geld bedeute mehr Freiheit. Er ist derart überzeugt von diesem Zusammenhang, dass er glaubt, dass jeder diese Ansicht teilt, der in Armut aufwuchs.
Wie hat unser Prominenter die Erfahrung gemacht, dass er sich mit Geld ein Stück Freiheit erkaufen kann?
Durch kriminelle Handlungen.
So führte eine tragische Kindheit zu einem tragischen Irrtum: Das Ziel der Freiheit mit dem Ziel, viel Geld haben zu wollen, gleichzusetzen.
Doch damit endet die Tragik nicht: Was wäre, wenn unser Prominenter eines Tages unser Finanzsystem verstünde, in dem das Guthaben des Einen durch Schulden Anderer zwingend gedeckt sein muss? Was wäre, wenn dieser Mann verstünde, dass andere Menschen Schulden machen müssen, um ihm seinen Reichtum zu finanzieren? Wäre er, vor dem Hintergrund dieser Kindheit, abgebrüht genug, um nicht berührt zu sein?
Dieses Beispiel lehrt uns drei Dinge über Ziele.
Erstens. Eure Ziele müssen wirkliche Ziele sein, keine Wege. Sonst könnt ihr eure wahren Ziele nicht erreichen. Die etwas überstrapazierte Phrase Der Weg ist das Ziel bedeutet nicht, dass ihr keine Ziele haben solltet, und auch nicht, dass Weg und Ziel dasselbe sind. Sie bedeutet, dass eure Wege zu euren Zielen eure ganze Aufmerksamkeit verdienen. Denn:
Zweitens. Eure Wege und Ziele müssen zu euch und eurer Bestimmung passen, aber eure Wege und Ziele sind nicht eure Bestimmung. Auf euren Wegen werdet ihr immer wieder feststellen, dass die Welt sich verändert, dass ihr euch verändert. Dann solltet ihr neue Wege, neue Ziele wählen. Und:
Drittens. Geht wohlwollend mit euch, euren Zielen und euren Wegen um. Wenn ihr an perfekte Pläne glaubt, werden eure Pläne nicht mehr euch dienen, sondern ihr werdet vielmehr euren Plänen dienen.
Das zumindest ist das Gegenteil von Freiheit.
Es ist Zeit für eine Enthüllung. Unser Prominenter ist der US-amerikanische Gangsta-Rapper 50 Cent. Schaut euch Bilder von ihm an, hinterfragt seinen Künstlernamen. Meist sieht er sehr traurig aus.
Ich glaube nicht, dass er auf dem richtigen Weg ist.
Er wird im Sommer 35.
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