Wenn Sie hoffen hier ein Rezept dafür zu finden, wie Sie gleichzeitig Geld ausgeben und ansparen können, werden Sie enttäuscht sein.
Alles was wir Ihnen geben können ist eine absurd anmutende Impression der Auswirkungen der Fragilität und Widersprüchlichkeit unseres Geldsystems am Rande seiner Funktionsfähigkeit, an dem es sich heute befindet. Denn in unserem Geldsystem können gesunde (Bank-) Bilanzen, Guthaben und Kredite nur genau dann gleichzeitig bestehen wenn sich Guthaben und Schulden im Gesamtsystem die Waage halten. Das liegt daran dass jedes Guthaben durch zukünftige Zahlungsversprechen abgesichert werden muss.
Diese grundlegende Eigenschaft unseres Geldsystems ist so simpel und zugleich so unvorstellbar dass viele Menschen ihren Wahrheitsgehalt bezweifeln. Und dennoch: Sie können jeden Tag beobachten, dass die "systemischen" Rettungsmaßnahmen genau in diese Richtung wirken.
1) Neue Bilanzierungsregeln erlauben es, Werte in der Bilanz nicht zum aktuellen Marktwert führen zu müssen.
2) Die öffentliche (Staats-) Verschuldung steigt rapide in dem Maße, in dem private Schuldner zahlungsunfähig werden oder sich mit ihrem Engagement bei gehebelten Finanzprodukten zurückhalten.
3) Neue Regelungen erlauben es, den Zugriff auf Erspartes einzuschränken.
Wenn Sie die Natur unseres Geldsystems verstanden haben erkennen Sie, dass all diese Maßnahmen systemisch notwendig sind um das System, das erheblichem Stress ausgesetzt ist, funktionsfähig zu halten.
So genial simpel unser Geldsystem auch angelegt ist: Es funktioniert am besten in Zeiten des Wachstums; für den Umgang mit "Deflation" gibt es keine offiziell koordinierte Strategie. Und das System birgt ein Paradoxon: Ohne steigende Gesamtverschuldung ist kein Wachstum möglich.
In der jetzigen Situation offenbart sich daher, wie fragil das System ist.
- Bei den Banken hinterlegtes Kapital wie Spareinlagen kann vielfach multipliziert als Kredit vergeben werden, erhöht so die Geldmenge und führt so zu Wachstum.
- Die Hebelung im Finanzsystem beschränkt sich jedoch nicht auf Kapital, sondern findet auch auf Vermögenswerte (Immobilien, Wertpapiere) Anwendung.
- Die Hebelung im Gesamtsystem wurde so stark überreizt dass die Marktbewertung von Vemögenswerten Korrekturen unterworfen ist.
In dieser Situation müssen mehrere Ziele verfolgt werden:
- Es muss verhindert werden dass Kapital aus dem Finanzsystem abfließt. Mögliche Gegenmaßnahmen: Geldmarktfonds werden geschlossen (US-Regelung ist bereits erfolgt). Bargeldbezug wird begrenzt (so geschehen in Island), in Ansparpläne eingezahltes Kapital ist nicht vorzeitig abrufbar (in Deutschland bei Riester- und Rürup-Podukten).
- Es muss verhindert werden dass der Marktwert von Vermögenswerten zu stark fällt. Gelingt dies nicht, droht sowohl den jeweils beteiligten Eigentümern als auch den Kreditgebern die Zahlungsunfähigkeit. Mögliche Gegenmaßnahmen: Immobilienfonds werden geschlossen (besonders bei spanischen bereits erfolgt). Schaffung von Konsumanreizen (Abwrackprämien, Steuergeschenke für Hauskäufer).
- Es muss verhindert werden dass Marktteilnehmer ihre Vermögenswerte zu realen Marktpriesen bewerten und/oder handeln müssen. Mögliche Gegenmaßnahmen: Änderung der Bilanzierungsregeln (für Banken bereits erfolgt). Schaffung künstlicher Märkte (durch Bürgschaften, Subventionen, Aufkaufprogramme der Staaten und der Zentralbanken).
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen müssen neue sichere Werte in das System eingespeist werden oder bestehende besser abgesichert werden.
- EU-Banken dürfen seit Herbst 2009 für laufende Kredite zusätzliche Sicherheiten verlangen, wenn der Marktwert der bereits hinterlegten Sicherheiten zu stark sinkt.
- Es werden Anreize dafür geschaffen dass die Marktteilnehmer mehr Kapital bei den Banken hinterlegen; siehe unten.
Legen Sie Ihr Augenmerk auf diesen letzten Punkt, und fragen Sie sich wie es funktionieren kann dass die Marktteilnehmer zugleich die Nachfrage (besonders nach unmittelbar bilanzkritischen Vermögenswerten wie Immobilien) aufrecht erhalten UND Kapital oder Vermögen ansparen sollen.
Genau hier stößt unser Finanzsystem an seine Grenze. Diese Ausgewogenheit muss stets gegeben sein; daher funktioniert das System am besten in Zeiten des Wachstums. In Zeiten großer Schwankungen neigt es dagegen zu Instabilität.
Dieses Paradoxon des Sparens wird unserem Geldsystem momentan zur Last. Leider kann es nicht allein monetär glöst werden. Es bedarf dazu vielmehr der richtigen Haltung der Marktteilnehmer.
Ruhig Blut. Beschäftigen Sie sich nicht allzu lang mit der Frage, was gerade richtig für das System ist, denn das System ist so strapaziert dass Sie sich zerreißen müssten, damit es nicht zerrissen wird.
Wir sollten auch nicht vergessen dass Menschen Geldsysteme eingeführt haben damit diese Systeme ihnen dienen... und nicht damit die Menschen den Geldsystemen dienen.
In den USA lässt sich das systemimmanente Paradoxon sehr gut beobachten. Dort glaubt man fest daran, dass man sich aus der Krise herauskonsumieren kann, und ruft die Menschen dazu auf einfach weiter Geld auszugeben (auch wenn das aus verschiedenen Gründen scheitert).
Und zugleich... ruft die US-Einlagensicherungseinrichtung FDIC jetzt dazu auf zu sparen: Hier ist der Aufruf der US-Einlagensicherungseinrichtung FDIC, an der America Saves Week 2010 teilzunehmen und so damit zu beginnen, ein Vermögen anzuspaen.
Guten Tag!
Und... denken Sie gut.
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