In modernen Finanzsystemen anglo-amerikanischer Bauart gibt es endlose Vielfalt: Derivate, Zertifikate, Optionen, Fonds in mannigfaltiger Ausführung.
Nur eines ist in diesen Systemen selten geworden, gar vom Aussterben bedroht: Geld. Kapital. Cash.
Dafür gibt es reichlich zeitgenössische Begriffe und gebräuchliche Formulierungen, die diese Tatsache de facto verschleiern. So schafft es der Begriff Kapitalvernichtung bis in die Überschriften etablierter Medien; zum Beispiel wenn hier behauptet wird, das Platzen der Dotcom-Blase habe Kapital vernichtet. Bestenfalls demonstriert der Autor, dass er sorglos mit Begriffen hantiert. An der Spitze der Irrtümer im Finanzvokabular thront jedoch unangefochten die Marktkapitalisierung von Unternehmen, die in Wahrheit lediglich eine Marktvermögenisierung ist. Im Reich der legendären Formulierungen schließlich tummelt sich die Phrase, das Kapital an der Seitenlinie (Cash at the Sidelines) warte auf den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den Markt, oder noch schlimmer, es warte darauf in eine Branche zu investieren.
Wie wir sehen werden beschränkt sich der Quell der Verwirrung nicht auf die gebräuchliche Begriffswelt. Auch der Bereich der Finanzprodukte selbst wartet mit einer schleichenden und oft überraschenden Verschiebung der Charakteristika von Geldanlagen auf.
Und schließlich müssen in der jetzigen Situation sogar gängige wirtschaftliche Kenngrößen hinterfragt werden, weil sie ihre Daseinsberechtigung in einer Schönwetterperiode der Weltwirtschaft verliehen bekamen.
In unserer Welt ist eine überwältigende Mehrheit der Menschen gezwungen, sich als Investor zu betätigen. In Deutschland ist spätestens seit Anfang dieses Jahrtausends offiziell, dass die gesetzliche Altersvorsorge meist nicht ausreichen wird. Eine mögliche persönliche Gegenmaßnahme besteht in zusätzlicher kapitalgedeckter Altersvorsorge, und diese stellt eine Investition dar. Als Investor aber sollte man elementare Begriffe und Zusammenhänge im Kern begriffen haben. Der Unterschied zwischen Kapital und Vermögen ist insbesondere für das Risikoprofil der eigenen Geldanlagen von elementarer Bedeutung.
Wir werden hier zunächst solche Begriffe und Formulierungen beleuchten und einen Ausflug zu wirtschaftlichen Kenngrößen unternehmen, um anschließend den Blick zurück auf das Gesamtsystem zu richten und uns zu fragen, welche Anhaltspunkte wir für eine Beurteilung seines Zustands finden können.
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Montag, 22. März 2010
Der Unterschied zwischen Kapital und Vermögen, der Wettlauf zwischen innerer Haltung und Geldschwemme, irreführende Marktfolklore und das insolvente Finanzsystem
Sonntag, 7. März 2010
Kalifornien, achtgrößte Volkswirtschaft weltweit: Arbeitsplatzverlust 50% höher als gedacht
Kalifornien: Wirtschaftlich mächtigster Bundesstaat der USA, für sich genommen achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, 2009 zahlungsunfähig, 2010 mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit erneut zahlungsunfähig.
Und nun das: In der kalifornischen Wirtschaft gingen im Jahr 2009 voraussichtlich 871.000 Arbeitsplätze verloren, anstatt 579.000 wie noch im Januar 2010 geschätzt.
Über die Zuverlässigkeit US-amerikanischer Arbeitsmarktzahlen hatten wir wiederholt berichtet.
Gehen Sie getrost davon aus, dass Kalifornien sich bislang auf die viel zu optimistische Schätzung verlassen hat.
Gute Nacht! Und: Denken Sie gut!
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Und nun das: In der kalifornischen Wirtschaft gingen im Jahr 2009 voraussichtlich 871.000 Arbeitsplätze verloren, anstatt 579.000 wie noch im Januar 2010 geschätzt.
Über die Zuverlässigkeit US-amerikanischer Arbeitsmarktzahlen hatten wir wiederholt berichtet.
Gehen Sie getrost davon aus, dass Kalifornien sich bislang auf die viel zu optimistische Schätzung verlassen hat.
Gute Nacht! Und: Denken Sie gut!
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Kauft die US-Zentralbank Federal Reserve griechische Staatsanleihen?
In einer Redeskript aus dem Jahr 2004 mit dem Titel "Geldpolitik bei sehr niedrigen kurzfristigen Zinssätzen" schreibt Ben Bernanke, heutiger Präsident der US-Zentralbank Federal Reserve (eigene Übersetzung):
Andererseits leihen sich die Griechen angeblich selbst Geld:
Welche griechischen Investoren haben wohl zu dieser enormen Nachfrage beigetragen?
Die wohlhabenden, die ihr Kapital außer Landes bringen? Die klugen, denen bewusst ist dass die Besteuerung in Griechenland ineffektiv ist? Die streikenden, die zur Senkung der Wirtschaftleistung und damit der Besteuerungsgrundlage beitragen?
Oder handelt es sich um institutionelle griechische Investoren? Über die griechischen Schulden wacht neuerdings ein ehemaliger Investment-Banker von Goldman Sachs. Wenn die US-Zentralbank Federal Reserve wirklich griechische Staatsanleihen aufkauft um die Kurse zu stützen, dann kann so ein Ex-Goldman-Sachs-Mitarbeiter wegen der Verflechtungen zwischen Zentralbank, Politik und Goldman Sachs in den USA institutionelle Investoren sicher davon überzeugen, dass ihre Investition in griechische Staatsanleihen absolut sicher ist. Von der sich anschließenden positiven Publicity lässt sich bestimmt allseits profitieren.
Denken Sie gut!
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Einfach gesagt: Wenn die Liquidität oder die Risikostrukur von Anlageformen sich solcherart unterscheiden, dass Anleger sie nicht als gelcihwertig erachten, hat ein mächtiger Käufer durch Veränderung der Nachfrage solcher Anlagen das Potenzial, die Preise zu beeinflussen. Diese Logik kann die Zentralbank dazu bewegen, in andere Anlageformen als Anleihen der Landesregierung zu investieren, beispielsweise Unternehmensanleihen, Aktien oder ausländische Staatsanleihen. (Die Federal Reserve ist zurezit ermächtigt, gewisse ausländische Staatsanleihen zu erwerben; dies gilt jedoch nicht für die meisten privatwirtschaftlichen Anlageformen wie Unternehmensanleihen oder Aktien.
Andererseits leihen sich die Griechen angeblich selbst Geld:
Die jüngste Staatsanleihe des hoch verschuldeten Griechenlands ist vor allem im Land selbst gezeichnet worden. Das teilten die begleitenden Banken am Freitag mit. Der größte Teil der Emission sei an griechische Investoren gegangen, die 23 Prozent der Papiere in ihr Portfolio genommen hätten. Die Nachfrage aus dem Inland sei noch viel höher gewesen, teilten die Konsortialführer mit.
Welche griechischen Investoren haben wohl zu dieser enormen Nachfrage beigetragen?
Die wohlhabenden, die ihr Kapital außer Landes bringen? Die klugen, denen bewusst ist dass die Besteuerung in Griechenland ineffektiv ist? Die streikenden, die zur Senkung der Wirtschaftleistung und damit der Besteuerungsgrundlage beitragen?
Oder handelt es sich um institutionelle griechische Investoren? Über die griechischen Schulden wacht neuerdings ein ehemaliger Investment-Banker von Goldman Sachs. Wenn die US-Zentralbank Federal Reserve wirklich griechische Staatsanleihen aufkauft um die Kurse zu stützen, dann kann so ein Ex-Goldman-Sachs-Mitarbeiter wegen der Verflechtungen zwischen Zentralbank, Politik und Goldman Sachs in den USA institutionelle Investoren sicher davon überzeugen, dass ihre Investition in griechische Staatsanleihen absolut sicher ist. Von der sich anschließenden positiven Publicity lässt sich bestimmt allseits profitieren.
Denken Sie gut!
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Prozentrechnung für Investoren: Minus 47 plus 57 macht minus 17
Der folgende Artikel zum Automobil-Absatz in Deutschland im Februar 2010 ersetzt einen vorangegangenen, den dpa-AFX offenbar zurückgezogen hat -- die Formulierungen, auch in Bezug auf die Abwrackprämie, waren wohl zu negativ. Ein willkommener Anlass für einen Blick auf die vielen Prozentzahlen und wenigen Diagramme, die uns präsentiert werden.
Klingt gut. Oder?
Oder. 100% minus 47% sind 53%. 53% plus 57% ergibt 83,21%. Mithin 16,79% weniger als noch vor zwei Jahren. Klingt weniger gut, oder?
Rechnen Sie gut.
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Die Autobauer lieferten 337.600 Pkw ins Ausland, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 57 Prozent. Vor einem Jahr war der Export um 47 Prozent eingebrochen.
Klingt gut. Oder?
Oder. 100% minus 47% sind 53%. 53% plus 57% ergibt 83,21%. Mithin 16,79% weniger als noch vor zwei Jahren. Klingt weniger gut, oder?
Rechnen Sie gut.
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Die Abwrackprämie, Pardon, Umweltprämie: Teure keynesianische Folklore ohne nachhaltige Wirkung
Erinnern Sie sich noch an die Umweltprämie, besser bekannt als Abwrackprämie? Da verschenkte der Staat unter bestimmten Umständen zweitausendfünfhundert Euro an Menschen, die ihr altes Automobil durch ein neues ersetzten.
Vorgeschlagen hatte das ursprünglich die deutsche Automobilindustrie. Man darf mutmaßen, dass es dort Probleme mit dem Cashflow gab. Warum? Weil zuvor, im Novmber 2008, die Rede von 500-Euro-Konsumgutscheinen war.
Unter dem Strich verschenktes Geld. In zweierlei Hinsicht: Der Staat hat das Geld verschenkt. Und gebracht hat es gar nichts.
Dementsprechend schrieb der Nachrichtendiesnt dpa-AFX:
Diesen Artikel hat dpa-AFX offenbar nach wenigen Stunden zurückgezogen. Es gibt ihn fast nur noch im Cache von Suchmaschinen. Und hier als Bildschirmfoto.
Nun gibt es Geld auch für den Staat nicht umsonst. Er muss es sich borgen. Die für die Umweltprämie bereitgestellten 5 Milliarden Euro sind übrigens ein Sondervermögen des Bundes. Sondervermögen sind Schulden außerhalb der beschlossenen Haushaltsdefizite; der Betrag war also nicht im offiziellen Haushaltsdefizit enthalten. Vielmehr hat sich die Bundesrepublik Deutschland außerhalb des regulären Haushalts in dieser Höhe zusätzlich verschuldet.
Dass man in einer Schuldenkrise nachhaltige Besserung herbeiführen kann, indem der Staat vermittels zusätzlicher Schulden die Wirtschaft stimuliert, ist keynesianische Folklore. Alles was mit der Abwrackprämie erreicht wurde ist, dass Autokäufe vorgezogen wurden. Zusätzliche Käufe fanden nicht statt und werden auch nicht stattfinden. Die Endnachfrage wird von der Haltung der Verbraucher bestimmt, nicht von der Verfügbarkeit von Geld.
Und wir alle werden für diese zusätzliche Schuld in Zukunft besteuert werden.
Dneken Sie gut.
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Vorgeschlagen hatte das ursprünglich die deutsche Automobilindustrie. Man darf mutmaßen, dass es dort Probleme mit dem Cashflow gab. Warum? Weil zuvor, im Novmber 2008, die Rede von 500-Euro-Konsumgutscheinen war.
Unter dem Strich verschenktes Geld. In zweierlei Hinsicht: Der Staat hat das Geld verschenkt. Und gebracht hat es gar nichts.
Dementsprechend schrieb der Nachrichtendiesnt dpa-AFX:
BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Der deutsche Automarkt ist im Februar erwartungsgemäß abgestürzt. Mit rund 195.000 Neuzulassungen seien 29,8 Prozent weniger Neuwagen verkauft worden als zum Start der Abwrackprämie vor einem Jahr, teilte der Verband der Importeure VDIK am Dienstag in Bad Homburg mit. In den ersten beiden Monaten des Jahres erreicht der Pkw-Markt damit rund 376.000 Neuzulassungen oder ein Minus von 19,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum. 'Im Februar 2010 fehlen die privaten Zulassungen, die im Vorjahresmonat im Rahmen der Umweltprämie für einen Boom sorgten', sagte VDIK-Präsident Volker Lange. Die beiden Segmente Kleinstwagen und Kleinwagen, die in 2009 überproportional zunahmen, hätten nun am stärksten nachgegeben./hs/DP/tw
Quelle: dpa-AFX
Nun gibt es Geld auch für den Staat nicht umsonst. Er muss es sich borgen. Die für die Umweltprämie bereitgestellten 5 Milliarden Euro sind übrigens ein Sondervermögen des Bundes. Sondervermögen sind Schulden außerhalb der beschlossenen Haushaltsdefizite; der Betrag war also nicht im offiziellen Haushaltsdefizit enthalten. Vielmehr hat sich die Bundesrepublik Deutschland außerhalb des regulären Haushalts in dieser Höhe zusätzlich verschuldet.
Dass man in einer Schuldenkrise nachhaltige Besserung herbeiführen kann, indem der Staat vermittels zusätzlicher Schulden die Wirtschaft stimuliert, ist keynesianische Folklore. Alles was mit der Abwrackprämie erreicht wurde ist, dass Autokäufe vorgezogen wurden. Zusätzliche Käufe fanden nicht statt und werden auch nicht stattfinden. Die Endnachfrage wird von der Haltung der Verbraucher bestimmt, nicht von der Verfügbarkeit von Geld.
Und wir alle werden für diese zusätzliche Schuld in Zukunft besteuert werden.
Dneken Sie gut.
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Geschrieben von Dennis
in Meinung, Merkwürdigkeiten
um
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