denkfaul.de wünscht allen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches Jahr 2010.
Und ein glückliches Händchen sowie innere Zufriedenheit. Das kann kaum schaden. Die Aussichten für das Jahr sind denkbar schlecht.
Bank For Fun!

Den Vogel abgeschossen hat die Volksbank Südtirol. Vermutlich werden wir sie in der zweiten Jahreshälfte als Trendsetter feiern. Sie bietet endlich allen frustrierten Sparerinnen und Sparern eine aussichtsreiche Alternative:
bank 4 fun! Schließen Sie die Augen und visualisieren Sie diesen Slogan (sobald Sie Ihr Erstaunen zügeln können). Spüren Sie die Magie einer Bank, die
bank 4 fun heißt? Wen schert da noch sein Erspartes? Ist doch for fun! Da wird sicherlich jeder Kaufkraftverlust mit einem Sektempfang gefeiert. Und Ihr Anlageberater bezieht vermutlich einen Kabarettisten in das Gespräch mit ein der Ihnen die Risiken der Anlageformen anschaulich näherbringt.
Wir hier bei
denkfaul.de sorgen uns darum dass dieses Beispiel in diesem Jahr Schule machen könnte.
Jobs For Fun?
Pensions For Fun?
Government For Fun?
Deutsche Gemütsruhe
Wir befinden uns mitten in einer Solvenzkrise. Nein, die ist nicht beendet. Davon wird weiter unten noch die Rede sein.
Aber dennoch ist die derzeitige Fehlfunktion von 30 Millionen deutschen Debit- und Kreditkarten kein Mentalitätstest. Man will damit nicht herausfinden wie die Menschen in Deutschland reagieren wenn sie nicht an ihr Geld kommen.
Das weiß man nämlich schon. Dazu benötigt man nur die Aufnahmen der Bahnhofskameras der S-Bahn Berlin. Dort warten zu Stoßzeiten teilweise hunderte Menschen in disziplinierter Betrübtheit auf den nächsten Zug, der in achtzehn statt in drei Minuten eintreffen wird.
Nein. Wir hier bei
denkfaul.de glauben nicht an einen Ansturm auf die Banken in Deutschland. Außer vielleicht als Videospiel.
Medien und Themen
Wenn Sie die
Tagesschau vom 28. Dezember 2009 gesehen haben steht zu befürchten dass Sie zentrale Themen des kommenden Jahres bereits kennen. Iran und Israel, Terrorismus und Sicherheitsmaßnahmen, Rohstoffe, Armut und Wetter.
Ja, Wetter. Über das Wetter wird noch viel gesprochen werden. Wegen der
2010 bevorstehenden Lebensmittel-Knappheit.
Derweil dringt die eine oder andere Einsicht sogar in etablierte Medien vor. Nehmen Sie sich knapp eine Stunde Zeit und hören Sie
Deutschlandfunk: Wohlstand ohne Wachstum: Perspektiven der Industriegesellschaft Teil 1,
Teil 2 und
Teil 3. Es lohnt sich.
Oder nehmen Sie den modernen Geldschöpfungsprozess. Andreas Eschbach greift ihn in seinem Thriller "Eine Billion Dollar" auf. Und rechnet gleich noch mit einem der irreführendsten Slogans der letzten Jahrzehnte ab: Dass nämlich Geld arbeiten könne.
Mehre Monate hat es übrigens gebraucht, bis ein international heiß diskutiertes Thema es endlich auch in die hiesige Presse geschafft hat:
Das Hybridkapital deutscher Banken. Es hat aber nicht den Anschein als würde das Thema in einem längeren Diskurs aufgegriffen werden. Vermutlich wird es gleich wieder unter den Tisch fallen.
Wir bei
denkfaul.de halten es übrigens für möglich dass in diesem Jahr der Keynesianismus zu Grabe getragen werden kann. Nachdem er schon Japan seit zwanzig Jahren nicht hilft wird er auch dem Rest der Welt keine Vorteile bringen. Das wird in 2010 deutlicher werden als in 2009.
Solvenz und Erholung
Lassen Sie sich von Meldungen zur Erholung der Lage nicht blenden. Nehmen Sie Abstand von Prozentwerten. Vertrauen Sie nur Diagrammen, die mehrjährige Entwicklungen absolut darstellen.
In den USA stehen in 2010 und 2011 erneut mehrere Millionen Zwangsräumungen von Eigenheimen an. Der Grund sind Alt-A- und Option-ARM-Hypotheken. Ja, die Subprime-Krise ist ausgestanden. Jetzt sind zwei neue Kreditformen an der Reihe. Und das zusätzlich zu den Problemen mit den Gewerbeimmobilien.
Fragen Sie sich, warum in den letzten Wochen die folgenden Maßnahmen ergriffen wurden: Aufhebung der Deckelung der Garantien für die staatlichen Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Vorab-Bewilligung von 4 Billionen (Trillions) US-Dollar für Notsituationen. Programm im Volumen von 2 Billionen (Trillions) US-Dollar zum Aufkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere (MBS) dirch die US-Zentralbank. Und: Einführung einer Regelung für die Schließung von US-Geldmarktfonds, die bisher eine der liquidesten Anlageformen darstellten, aber Ihnen in Zukunft den Zugriff auf Ihr Investment untersagen könenn wenn es die Situation erfordert.
Warnungen vor fälligen Wertberichtigungen und Kreditausfällen in Deutschland gab es, aus seriöser Quelle, zum Jahreswechsel in genügender Anzahl. Und das trotz der aufgelockerten Bilanzierungsregeln für Banken.
Klingt das für Sie als sei schon alles durchgestanden?
Die Biene Maja
Es tut mir leid für Herrn Westerwelle, dass er mit einem Programm antritt, das aus einer anderen Zeit stammt. Aber er trägt politische Verantwortung. Und so sympathisch man die Grundidee der FDP auch finden mag: Eine Verschlankung der öffentlichen Hand in einer Zeit, in der zugleich die Nachfrage nach produzierten Gütern und in letzter Konsequenz dann auch Dienstleistungen sinkt, erhöht einfach nur die Arbeitslosigkeit.
Wohlstand entsteht weder durch Konjunkturprogramme noch duch Geld. Wohlstand entsteht durch gesunde Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Alle anderen Maßnahmen stellen in letzter Konsequenz Umverteilungen dar.
Es wäre zu hoffen dass die Verantwortlichen in der Regierung einmal auf die USA schauen. Dort sind die Konsequenzen von Fehlentscheidungen besipielhaft und klar zu erkennen. Sowohl die Durchsetzung nicht bezahlbarer Einkommen und Pensionsleistungen seitens einiger Gewerkschaften, als auch die nicht nachhaltige Haushaltspolitik von Städten und Staaten ist ausgesprochen lehrreich.
Wir von
denkfaul.de möchten hiermit unserer Bitte an unsere Regierung, sich auf ein zeitgemäßes und sachlagenorientiertes Konzept für diese Legislaturperiode zu einigen, höflich Nachdruck verleihen. Das Mandat der Wählerinnen und Wähler stellt nicht allein ein Recht dar. Sondern auch eine Pflicht.
Spannende Zeiten
Verlieren Sie sich nicht in der Faszination dieser außergewöhnlichen Ereignisse. Es gibt viel zu tun.
Gute Nacht. Und denken Sie gut.
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