[Korrigiert wurde die Rückfrage Hayeks auf die Information, die Zentralbank veranstalte eine Party. Dank an den aufmerksamen Leser!]
Viele der zeitgenössischen Maßnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Situation lassen sich dem Keynesianismus zuordnen. Einen recht gegensätzlichen Ansatz vertritt die wenig populäre Österreichische Schule.
EconStories.tv haben sich die Mühe gemacht, die beiden konträren Perspektiven unterhaltsam aufzubereiten (Übersetzung unten). Den Keynsianismus vertritt John Maynard Keynes. Für die Österreichische Schule tritt Friedrich August von Hayek auf.
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Montag, 25. Januar 2010
Zentralbanken und Geldsystem: Gewinne, Verluste, Umverteilung
Zum Thema Zentralbanken finden sich im Internet inzwischen alle erdenklichen Meinungen. Und in den Meinungen der Menschen finden sich allerleit Irrtümer.
Woher "das Geld" kommt und wodurch es gedeckt ist
Viele Menschen meinen, "die Banken" (das Bankensystem) leihten sich "das Geld" von den jeweiligen Zentralbanken.
Das ist so nicht zutreffend. Zunächst müssen wir unsere Betrachtung auf Konten beschränken, denn Bargeld existiert völlig außerhalb des gigantischen Geldschöpfungs- und -Vernichtungsprozesses der täglich abläuft. Und wenn wir die Geldmenge auf den Konten betrachten müssen wir feststellen: Eine geringe Menge des Geldes wird tatsächlich durch die Zentralbanken "erschaffen".
Der überwiegende Teil "des Geldes" (der Guthaben auf Konten) wird jedoch durch "die Banken" selbst geschaffen, und zwar bei der Kreditvergabe; zum Vorgang der Geldschöpfung siehe auch den Handelsblatt-Essay "Es werde Geld – es werde Krise" sowie nebenstehendes Video (englisch). In der Eurozone liegen die so genannten Reserve-Anforderungen übrigens bei 2%. Dieses Kriterium allein würde es Banken in der Eurozone erlauben, 50-mal so viel Geld durch Kreditvergabe zu verleihen wie ihre "Reserve". Es gelten jedoch darüber hinaus in der Eurozone noch die Kriterien von Basel II, die zu Zwecken der Krisenbewältigung derzeit aufgeweicht wurden. Insgesamt ist bei der Beurteilung der Situation einige Aufmerksamkeit gefragt. So finden sich immer wieder Möglichkeiten zur Umgehung solcher Auflagen. Beispielsweise hat die US-Zentralbank den US-Banken nahe gelegt, die vom Kongress beschlossenen Reserve-Anforderungen kreativ und mit ihrer Genehmigung zu umgehen.
Fazit: "Das Geld" wird durch "die Banken" geschaffen und ist ausschließlich durch zukünftige Zahlungsversprechen gedeckt.
Logische Konsequenzen unseres Geldsystemens
(Alle folgenden Aussagen beziehen sich aufgrund der Verflechtungen auf das globale Finanzsystem.)
In unserem Bankensystem können nur Guthaben existieren wenn irgendwo Schulden in selber Höhe bei solventen Schuldnern bestehen, da die überwiegende Menge "des Geldes" durch Kreditvergabe entsteht.
In einer Solvenzkrise muss jemand herbeieilen der ausfallende Zahlungsverpflichtungen ersetzt. Wir sehen derzeit eine Kombination aus Aktivitäten der Zentralbanken (technische Insolvenzbekämpfung durch Geldschöpfung) und Regierungen (technische Insolvenzbekämpfung durch Verschuldung und Garantien; Lockerung der Bewertungsregeln von Vermögen; Kaufkraftstabiliserung durch Sozialleistungen und indirekte Konjunktur- und Beschäftigungsmaßnahmen). Wird die Solvenzkrise nicht bekämpft so entstehen aus monetärer Sicht eine Mischung aus deflationären Effekten (die Wirtschaft muss mit einer verringerten Geldmenge zurechtkommen; dies würde bei unveränderter Aktivität proportional niedrigere Preise für alles voraussetzen) und Insolvenzen (die Bilanzen der das Kreditgeld erzeugenden Banken geraten in Schieflage).
Im Bankensystem ist das Geld für die Zinszahlungen zu keinem Zeitpunkt vorhanden, da diese Summe im System nicht geschaffen wird. In Abhängigkeit vom aktuellen Zinssatz können daher mehr oder weniger Schuldner ihre Kredite nicht zurückzahlen, da schlicht die Geldmenge hierfür fehlt; d.h. es ist ausgeschlossen dass jede Unternehmung genügend Kunden findet und jeder Staat genügend Steuern eintreiben kann um die bestehende Schuld zu begleichen. Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist eine Neuverschuldung. Diese ist selbstverständlich nur den erfolgreichsten Schuldnern vorbehalten. Freilich führt dies durch Zinseszinsen zu einem immer schnelleren Anwachsen der Geldmenge. Ab einem bestimmten Punkt ist das Geldsystem aus technsichen Gründen nicht mehr stabil zu halten. Krisen wie die aktuelle führen natürlich zu einer effektiven Verringerung der Geldmenge und zögern das aus technischer Sicht unvermeidbare Ende des Systems hinaus. Die Stärken unseres Finanzsystems liegen jedoch eindeutig in Wachstumsphasen.
Bundesbank und Europäische Zentralbank
Die Bundesbank hatte, ebenso wie die Europäische Zentralbank heute, als oberstes Ziel die Preisstabilität. Wenn dieses Ziel erfolgreich umgesetzt wird kann das Geldsystem länger existieren als wenn Preisstabilität außer Acht gelassen würde, weil die Beherrschbarkeit des Systems länger gegeben ist.
Die Gewinne der europäischen Zentralbanken fließen an die Finanzministerien zurück. Dies bedeutet, dass der Gewinn aus dem Verleih des Zentralbankgeldes vom Finanzministerium direkt in das System eingebracht werden kann. Hierdurch können Zinseszins-Effekte zusätzlich abngemildert werden.
US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve
Die Federal Reserve hat Preisstabilität nicht zum obersten Ziel. Sie gehört außerdem Privatbanken. Im Jahr 2009 hat die US-Zentralbank knapp 2,7% (1,4 Milliarden US-Dollar) ihres Gewinns an ihre anonymen Anteilseigner gezahlt und gut 88% an das US-Finanzministerium.
Sie sollten hieraus nicht voreilig schlussfolgern dass dem US-Dollar eine ungebremste Talfahrt bevorsteht. Die USA haben es aus ihrer dominanten Position nach dem Zweiten Weltkrieg heraus so eingerichtet, dass weltweite Arbeitsleistung anteilig in US-Dollar umgetauscht werden muss. Sei es um Rohstoffe zu bezahlen oder um Gewinne oder Lizenzgebühren an das US-Hauptquartier abzuführen.
Realitäten
Bitte beachten Sie, dass die systemimmanenten Risiken nicht die einzigen sind. Jedes Geldsystem ist mit wirtschaftlichen Realitäten verknüpft.
Hierzu gehört Vertrauen; lesen Sie Dilbert: And Thus Ended Capitalism.
Hierzu gehört auch dass das Warenangebot überhaupt mit der Geldmenge mithalten kann; lesen Sie Knappes Geld... und knappe Lebensmittel?.
Missverständnisse
Spiegel Online schreibt über den Rekordgewinn der US-Zentralbank Federal Reserve im Jahr 2009:
Sie merken schon an der Überschrift und dem kurzen Zitat dass dieser Artikel nicht objektiv informativ sein kann. Es sollte völlig unerheblich sein ob das Zentralbankgeschäft "lukrativ" ist. Wie wir allerdings gesehen haben ist das im Fall der Federal Reserve nicht ganz zutreffend. Die privaten Anteilseigner der Fed verdienen ja anonym mit.
Fragestellungen
Im Internet finden Sie jede Meinung zu diesem Thema. Bitte erweitern Sie anhand folgender Fragestellungen Ihren Horizont und bilden Sie sich eine eigene Meinung.
Zentralbanken manipulieren den Geldmarkt. Dies ist ihr Zweck. Ist dieser Ansatz sinnvoll? Findet der Markt den richtigen Zinssatz denn nicht von selbst?
Welche bedeutenden Zentralbanken waren früher Privatbanken? Wurde das Zentralbankmodell vorrangig eingeführt damit Privatiers von der öffentlichen Verschuldung profitieren konnten?
Wie viele verschiedene Geldsysteme gab es bislang in den USA?
Muss ein Geldsystem auf Zinsen beruhen? Finden Sie Banken die Ihnen anbieten, auf Verzinsung zu verzichten?
Wie viele regionale Alternativwährungen existieren in Deutschland? Wie viele in den USA? Zählen Tauschringe indirekt dazu?
Gute Nacht. Und denken Sie gut.
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Woher "das Geld" kommt und wodurch es gedeckt ist
Viele Menschen meinen, "die Banken" (das Bankensystem) leihten sich "das Geld" von den jeweiligen Zentralbanken.
Das ist so nicht zutreffend. Zunächst müssen wir unsere Betrachtung auf Konten beschränken, denn Bargeld existiert völlig außerhalb des gigantischen Geldschöpfungs- und -Vernichtungsprozesses der täglich abläuft. Und wenn wir die Geldmenge auf den Konten betrachten müssen wir feststellen: Eine geringe Menge des Geldes wird tatsächlich durch die Zentralbanken "erschaffen".
Der überwiegende Teil "des Geldes" (der Guthaben auf Konten) wird jedoch durch "die Banken" selbst geschaffen, und zwar bei der Kreditvergabe; zum Vorgang der Geldschöpfung siehe auch den Handelsblatt-Essay "Es werde Geld – es werde Krise" sowie nebenstehendes Video (englisch). In der Eurozone liegen die so genannten Reserve-Anforderungen übrigens bei 2%. Dieses Kriterium allein würde es Banken in der Eurozone erlauben, 50-mal so viel Geld durch Kreditvergabe zu verleihen wie ihre "Reserve". Es gelten jedoch darüber hinaus in der Eurozone noch die Kriterien von Basel II, die zu Zwecken der Krisenbewältigung derzeit aufgeweicht wurden. Insgesamt ist bei der Beurteilung der Situation einige Aufmerksamkeit gefragt. So finden sich immer wieder Möglichkeiten zur Umgehung solcher Auflagen. Beispielsweise hat die US-Zentralbank den US-Banken nahe gelegt, die vom Kongress beschlossenen Reserve-Anforderungen kreativ und mit ihrer Genehmigung zu umgehen.
Fazit: "Das Geld" wird durch "die Banken" geschaffen und ist ausschließlich durch zukünftige Zahlungsversprechen gedeckt.
Logische Konsequenzen unseres Geldsystemens
(Alle folgenden Aussagen beziehen sich aufgrund der Verflechtungen auf das globale Finanzsystem.)
In unserem Bankensystem können nur Guthaben existieren wenn irgendwo Schulden in selber Höhe bei solventen Schuldnern bestehen, da die überwiegende Menge "des Geldes" durch Kreditvergabe entsteht.
In einer Solvenzkrise muss jemand herbeieilen der ausfallende Zahlungsverpflichtungen ersetzt. Wir sehen derzeit eine Kombination aus Aktivitäten der Zentralbanken (technische Insolvenzbekämpfung durch Geldschöpfung) und Regierungen (technische Insolvenzbekämpfung durch Verschuldung und Garantien; Lockerung der Bewertungsregeln von Vermögen; Kaufkraftstabiliserung durch Sozialleistungen und indirekte Konjunktur- und Beschäftigungsmaßnahmen). Wird die Solvenzkrise nicht bekämpft so entstehen aus monetärer Sicht eine Mischung aus deflationären Effekten (die Wirtschaft muss mit einer verringerten Geldmenge zurechtkommen; dies würde bei unveränderter Aktivität proportional niedrigere Preise für alles voraussetzen) und Insolvenzen (die Bilanzen der das Kreditgeld erzeugenden Banken geraten in Schieflage).
Im Bankensystem ist das Geld für die Zinszahlungen zu keinem Zeitpunkt vorhanden, da diese Summe im System nicht geschaffen wird. In Abhängigkeit vom aktuellen Zinssatz können daher mehr oder weniger Schuldner ihre Kredite nicht zurückzahlen, da schlicht die Geldmenge hierfür fehlt; d.h. es ist ausgeschlossen dass jede Unternehmung genügend Kunden findet und jeder Staat genügend Steuern eintreiben kann um die bestehende Schuld zu begleichen. Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist eine Neuverschuldung. Diese ist selbstverständlich nur den erfolgreichsten Schuldnern vorbehalten. Freilich führt dies durch Zinseszinsen zu einem immer schnelleren Anwachsen der Geldmenge. Ab einem bestimmten Punkt ist das Geldsystem aus technsichen Gründen nicht mehr stabil zu halten. Krisen wie die aktuelle führen natürlich zu einer effektiven Verringerung der Geldmenge und zögern das aus technischer Sicht unvermeidbare Ende des Systems hinaus. Die Stärken unseres Finanzsystems liegen jedoch eindeutig in Wachstumsphasen.
Bundesbank und Europäische Zentralbank
Die Bundesbank hatte, ebenso wie die Europäische Zentralbank heute, als oberstes Ziel die Preisstabilität. Wenn dieses Ziel erfolgreich umgesetzt wird kann das Geldsystem länger existieren als wenn Preisstabilität außer Acht gelassen würde, weil die Beherrschbarkeit des Systems länger gegeben ist.
Die Gewinne der europäischen Zentralbanken fließen an die Finanzministerien zurück. Dies bedeutet, dass der Gewinn aus dem Verleih des Zentralbankgeldes vom Finanzministerium direkt in das System eingebracht werden kann. Hierdurch können Zinseszins-Effekte zusätzlich abngemildert werden.
US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve
Die Federal Reserve hat Preisstabilität nicht zum obersten Ziel. Sie gehört außerdem Privatbanken. Im Jahr 2009 hat die US-Zentralbank knapp 2,7% (1,4 Milliarden US-Dollar) ihres Gewinns an ihre anonymen Anteilseigner gezahlt und gut 88% an das US-Finanzministerium.
Sie sollten hieraus nicht voreilig schlussfolgern dass dem US-Dollar eine ungebremste Talfahrt bevorsteht. Die USA haben es aus ihrer dominanten Position nach dem Zweiten Weltkrieg heraus so eingerichtet, dass weltweite Arbeitsleistung anteilig in US-Dollar umgetauscht werden muss. Sei es um Rohstoffe zu bezahlen oder um Gewinne oder Lizenzgebühren an das US-Hauptquartier abzuführen.
Realitäten
Bitte beachten Sie, dass die systemimmanenten Risiken nicht die einzigen sind. Jedes Geldsystem ist mit wirtschaftlichen Realitäten verknüpft.
Hierzu gehört Vertrauen; lesen Sie Dilbert: And Thus Ended Capitalism.
Hierzu gehört auch dass das Warenangebot überhaupt mit der Geldmenge mithalten kann; lesen Sie Knappes Geld... und knappe Lebensmittel?.
Missverständnisse
Spiegel Online schreibt über den Rekordgewinn der US-Zentralbank Federal Reserve im Jahr 2009:
Trotz Krise: US-Notenbank macht Rekordgewinn mit Risiko-Deals
[...]
Vincent Reinhart, Wissenschaftler am American Enterprise Institute und früherer Fed-Mitarbeiter, sagte, der hohe Gewinn sei ein Beweis dafür, dass das Zentralbankengeschäft vor allem in der Krise lukrativ sei.
Sie merken schon an der Überschrift und dem kurzen Zitat dass dieser Artikel nicht objektiv informativ sein kann. Es sollte völlig unerheblich sein ob das Zentralbankgeschäft "lukrativ" ist. Wie wir allerdings gesehen haben ist das im Fall der Federal Reserve nicht ganz zutreffend. Die privaten Anteilseigner der Fed verdienen ja anonym mit.
Fragestellungen
Im Internet finden Sie jede Meinung zu diesem Thema. Bitte erweitern Sie anhand folgender Fragestellungen Ihren Horizont und bilden Sie sich eine eigene Meinung.
Zentralbanken manipulieren den Geldmarkt. Dies ist ihr Zweck. Ist dieser Ansatz sinnvoll? Findet der Markt den richtigen Zinssatz denn nicht von selbst?
Welche bedeutenden Zentralbanken waren früher Privatbanken? Wurde das Zentralbankmodell vorrangig eingeführt damit Privatiers von der öffentlichen Verschuldung profitieren konnten?
Wie viele verschiedene Geldsysteme gab es bislang in den USA?
Muss ein Geldsystem auf Zinsen beruhen? Finden Sie Banken die Ihnen anbieten, auf Verzinsung zu verzichten?
Wie viele regionale Alternativwährungen existieren in Deutschland? Wie viele in den USA? Zählen Tauschringe indirekt dazu?
Gute Nacht. Und denken Sie gut.
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Deflationäre Schockwellen bei Bekleidung, Elektronik und Haushaltsgeräten voraus
Einzelhandel: Rabattschlacht bis zum letzten Prozent
[...]
Denn seit Wochen tobt ein Kampf im deutschen Handel. Boznar kann sich nicht erinnern, dass es je ein solches Wetteifern um die größten Preisnachlässe gegeben hätte. Auf Gedeih und Verderb.
[...]
In diesem Jahr stellt Eichholz-Klein eine dramatische Veränderung fest. Die Händler, locken mit immer aggressiveren Billigangeboten. „Häufig um jeden Preis“, sagt Eichholz-Klein.
[...]
Um das zu verhindern, gehen die Händler nun volles Risiko. Sie senken ihre Preise, bis an die Schmerzgrenze oder darüber hinaus. Sollten sich die Kunden nicht begeistern lassen, droht schlimmer Schaden. Dann haben Firmen ihre Marketing-Budgets schon im Januar verschossen und keine finanziellen Reserven mehr, die Kauflust im Laufe des Jahres noch zu wecken.
[...]
„Viele haben sich an die günstigen Preise gewöhnt“, sagt Expertin Eichholz-Klein.
[...]
Schon im vergangenen Jahr traf die Krise laut der Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK, jeden fünften Haushalt in Deutschland mit voller Wucht. Sei es, weil der Hauptverdiener entlassen oder zumindest in Kurzarbeit geschickt wurde. Macht 18,7 Millionen Menschen mit Existenzängsten. Macht mehr Menschen, die weniger einkaufen. Oder nur noch billig.
[...]
Die Bundesagentur für Arbeit rechnet im neuen Jahr im Schnitt mit 4,1 Millionen Arbeitslosen, rund 600000 mehr als im vergangenen Jahr.
[...]
Statistisch betrachtet, verlieren die Händler mit jeder Kündigung, die in Deutschland ausgesprochen wird, vier Kunden. Einen, der seinen Job verliert und drei Menschen aus dessen Umfeld: Freunde und Nachbarn, die ebenfalls mehr als bisher auf ihr Geld achten – aus Angst, es könnte auch sie bald treffen.
[...]
Wenn sich aber einmal die Preisspirale nach unten dreht, ist sie nur noch schwer aufzuhalten – in den meisten Fällen erst, wenn sich die schwächsten Spieler aus dem Markt verabschiedet haben.
[...]
Wie tief schon jetzt die Spuren sind, die die Rabatte in den Bilanzen des Handels hinterlassen, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Simon Kucher: Allein beim größten deutschen Einzelhandelskonzern Metro, zu dem Kaufhof oder Media Markt gehören, würde nach Berechnungen eine Senkung der Preise um durchschnittlich zwei Prozent am Jahresende 96 Prozent weniger Gewinn bedeuten.
Das kann sich kein Händler über lange Zeit leisten.
Sie können sich darauf verlassen dass der Trend zu Billigangeboten in Branchen mit Überangebot noch einige Zeit bestehen bleibt. Dies wird weitere Insolvenzen mit sich bringen und, ausgehend vom Handel über die Verzögerung der Lagerhaltung, deflationäre Wellen zu den Produzenten senden.
Sie sollten sich allerdings nicht darauf verlassen dass Ihr Monatsbudget dadurch nennenswert entlastet wird. Rechnen Sie mit steigenden Preisen für Lebensmittel. Beispielsweise Zucker ist Ende letzter Woche so teuer gewesen wie in den letzten 29 Jahren nicht mehr.
Lesen Sie auch:
Inflation. Deflation. Irritation.
Inflation & Deflation, Juli 2009: Deflation bei Banken und Einkommen, Inflation bei Ausgaben
Inflation & Deflation, Oktober 2009: Der Klang des Einhand-Klatschens
Guten Tag! Und denken Sie gut.
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Donnerstag, 21. Januar 2010
Eurozonen-Dominanzgesten von Bundesbank-Präsident Axel Weber
dpa-AFX berichtet:
Wir möchten in diesem Zusammenhang noch auf folgende Meldung vom Mai 2009 hinweisen: "Juncker: Euro-Zone hat Plan zur Abwendung von Staatsbankrotten".
Eine gewisse Sympathie Axel Weber gegenüber kann denkfaul.de kaum leugnen. Hier gelingt es ihm, auf recht informative Art und Weise folgende Botschaft zu vermitteln: Kein Eurozonen-Staat wird sich Bedingungen vom Internationalen Währungsfonds aufzwingen lassen, da für eine Intervention des IWF kein Anlass besteht. Eurozonen-Regierungen regeln ihre Schwierigkeiten verantwortungsvoll selbst, zur Not mit Hilfe der Eurozone. Wie eine solche Hilfe konkret aussehen kann wird noch früh genug zu erfahren sein. Der Handlungsspielraum der Eurozone umfasst Hilfe ebenso wie Ausschluss, falls das nötige Verantwortungsbewusstsein nicht erkennbar ist.
Leider enthält die Botschaft Axel Webers auch einen anderen Aspekt. Die Regierung Griechenlands hatte auf der Ausgabenseite bereits schmerzhafte Einschnitte vorgesehen, um die Situation besser in den Griff zu bekommen. Weber fordert hier bedingungslose Konsequenz, also seriöse Fiskalpolitik.
Das ist, was jedem Eurozonen-Staat blüht wenn ihm das Geld ausgeht.
Jedenfalls so lang die Europäische Zentralbank ihre Haltung beibehält.
Denken Sie gut.
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Bundesbank-Präsident Axel Weber hat einem Eingreifen des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Sanierung der Staatsfinanzen von Griechenland eine klare Absage erteilt. "Wir haben keine Notwendigkeit für ein Einbeziehen des IWF", sagte Weber am Donnerstag in Berlin. Der Fonds sei hier weder gefordert, noch gebe es derzeit Gespräche, die in diese Richtung gingen. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou charakterisierte die Krise in seinem Land als "noch nie dagewesene (Finanzkrise) in der jüngsten Geschichte Griechenlands," berichtete das staatliche griechische Fernsehen am Donnerstagabend.
Griechenland müsse aus eigener Kraft die Probleme bewältigen, betonte Weber. "Es gilt für Griechenland, eine klare und glaubwürdige Strategie zur Sanierung der Staatsfinanzen zu entwerfen." Diese müsse auch Finanzmärkten und Rating-Agenturen glaubhaft vermittelt werden.
KEIN GLAUBWÜRDIGKEITSPROBLEM
Erst wenn alles getan worden sei, was aus eigener Kraft möglich sei, biete sich überhaupt an, darüber nachzudenken, wie diese Bemühungen unterstützt werden können. Darüber wolle er aber nicht spekulieren, betonte Weber. "Die Euro-Zone verfügt über keine Glaubwürdigkeitsprobleme, was die Währung betrifft. Es gibt ein Problem bei der Glaubwürdigkeit der Fiskalpolitik in einem Mitgliedsland. Und hier ist die Regierung ... zuerst gefordert."
Es gebe ein erstes Programm der Athener Regierung. "Hier müssen den Worten auch Taten folgen." Insbesondere auf der Ausgabenseite müsse die griechische Regierung zu harten Schritten und Einschnitten bereit sein. Einmalige Steuereffekte auf der Einnahmenseite seien weniger nachhaltig. Marktgerüchte über einen möglichen Kredit der EU an Griechenland wollte Weber nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass es in der Europäischen Währungsunion keinen direkten Beistand der Mitgliedsländer untereinander bei der Konsolidierung gebe.
Wir möchten in diesem Zusammenhang noch auf folgende Meldung vom Mai 2009 hinweisen: "Juncker: Euro-Zone hat Plan zur Abwendung von Staatsbankrotten".
Eine gewisse Sympathie Axel Weber gegenüber kann denkfaul.de kaum leugnen. Hier gelingt es ihm, auf recht informative Art und Weise folgende Botschaft zu vermitteln: Kein Eurozonen-Staat wird sich Bedingungen vom Internationalen Währungsfonds aufzwingen lassen, da für eine Intervention des IWF kein Anlass besteht. Eurozonen-Regierungen regeln ihre Schwierigkeiten verantwortungsvoll selbst, zur Not mit Hilfe der Eurozone. Wie eine solche Hilfe konkret aussehen kann wird noch früh genug zu erfahren sein. Der Handlungsspielraum der Eurozone umfasst Hilfe ebenso wie Ausschluss, falls das nötige Verantwortungsbewusstsein nicht erkennbar ist.
Leider enthält die Botschaft Axel Webers auch einen anderen Aspekt. Die Regierung Griechenlands hatte auf der Ausgabenseite bereits schmerzhafte Einschnitte vorgesehen, um die Situation besser in den Griff zu bekommen. Weber fordert hier bedingungslose Konsequenz, also seriöse Fiskalpolitik.
Das ist, was jedem Eurozonen-Staat blüht wenn ihm das Geld ausgeht.
Jedenfalls so lang die Europäische Zentralbank ihre Haltung beibehält.
Denken Sie gut.
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Der Kampf um Glaubwürdigkeit: US-Arbeitslosenquote anschaulich erklärt
Hier bei denkfaul.de haben wir ja bereits die US-Arbeitsmarktzahlen vom Juli 2009 kritisch betrachtet; ebenso die Daten vom November 2009.
Ebenso hatten wir darüber informiert dass US-Arbeitsmarktberechnungen anhand der Steuerdaten erheblich präziser sind als die Erhebungen der US-Administration und beispielsweise im Juli 2009 ein ganz anderes Bild gezeichnet haben als die offiziellen Zahlen. Hieran hat sich auch im weiteren Verlauf des Jahres wenig geändert. Das Bureau of Labor Statistics erwägt übrigens, sein derzeit völlig inadäquates Birth-Death-Model im Januar zu überarbeiten. Man mag damit rechnen dass diese Anpassung des Modells an die Realitäten der wirtschaftlichen Situation zu einer deutlichen Korrektur der Arbeitslosenzahlen führen wird.
Nun bringt die großartige Khan Academy den Menschen die Hintergründe für den Umstand näher, dass die US-Arbeitslosenzahlen steigen während die US-Arbeitslosenquote sinkt (englisches Video), nämlich durch die nicht weiter erläuterte Verringerung der Labor Force. Im nächsten Schritt kann man damit rechnen dass erklärt wird welche Menschen nicht mehr in die Labor Force zählen.
Früher mussten Journalisten Menschen ausfindig machen die sehr bewusst leben, um einer offiziellen Statistik etwas entgegenzusetzen. Beispielsweise jemanden der konsequent ein Haushaltsbuch führt um zu belegen dass die offizielle Inflationsrate nicht mit der Realität eines Endverbrauchers mit niedrigem Einkommen harmoniert. Heute kann man direkt Informationen im Internet zugreifen. Der Zeitpunkt, zu dem die kollektive Wahrnehmung veröffentlichter Zahlen im Beziehung zur empfundenen Realität umschlägt, wird ein wichtiger Moment.
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Ebenso hatten wir darüber informiert dass US-Arbeitsmarktberechnungen anhand der Steuerdaten erheblich präziser sind als die Erhebungen der US-Administration und beispielsweise im Juli 2009 ein ganz anderes Bild gezeichnet haben als die offiziellen Zahlen. Hieran hat sich auch im weiteren Verlauf des Jahres wenig geändert. Das Bureau of Labor Statistics erwägt übrigens, sein derzeit völlig inadäquates Birth-Death-Model im Januar zu überarbeiten. Man mag damit rechnen dass diese Anpassung des Modells an die Realitäten der wirtschaftlichen Situation zu einer deutlichen Korrektur der Arbeitslosenzahlen führen wird.
Nun bringt die großartige Khan Academy den Menschen die Hintergründe für den Umstand näher, dass die US-Arbeitslosenzahlen steigen während die US-Arbeitslosenquote sinkt (englisches Video), nämlich durch die nicht weiter erläuterte Verringerung der Labor Force. Im nächsten Schritt kann man damit rechnen dass erklärt wird welche Menschen nicht mehr in die Labor Force zählen.
Früher mussten Journalisten Menschen ausfindig machen die sehr bewusst leben, um einer offiziellen Statistik etwas entgegenzusetzen. Beispielsweise jemanden der konsequent ein Haushaltsbuch führt um zu belegen dass die offizielle Inflationsrate nicht mit der Realität eines Endverbrauchers mit niedrigem Einkommen harmoniert. Heute kann man direkt Informationen im Internet zugreifen. Der Zeitpunkt, zu dem die kollektive Wahrnehmung veröffentlichter Zahlen im Beziehung zur empfundenen Realität umschlägt, wird ein wichtiger Moment.
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