Zeichen auf Erholung: US-Wirtschaft überrascht mit stärkstem Wachstum seit 2003
Mit einem kräftigen BIP-Anstieg meldet sich die US-Wirtschaft auf dem Wachstumspfad zurück. Die Zahlen für das letzte Quartal 2009 liegen deutlich über den Prognosen der Ökonomen, der Aufwärtstrend ist auch bei anderen Indikatoren unübersehbar.
Als Investor interessieren Sie sich für die Reaktion der Märkte, speziell Dow Jones und S&P 500.


Wie Sie sehen reagieren die Märkte auf die angeblich positive Nachricht nach kurzer Überlegung gar nicht oder negativ.
Dieser Umstand sollte Ihnen als Investor einen Blick auf die Details des Bruttoinlandsprodukts der USA wert sein. Dave Rosenberg dürfen Sie vertrauen; auf einigen Blogs werden Auszüge seiner kostenpflichtigen Analyse zitiert (eigene Übersetzung):
Dave Rosenberg: Die Houdini-Erholung
Der größte Posten geht auf eine Anpassung von Lagerbeständen zurück -- nicht etwa den Beginn eines neuen Inventurzyklus, sondern eine vorübergehende Anpassung der Bestände an Verkaufszahlen. Ohne diesen Beitrag der Lagerbestände wäre das BIP nur um annualisiert 2,2% gegenüber dem Vorquartal gewachsen, was keinen großen Unterschied zu den 1,5% Wachstum im dritten Quartal darstellt.
Außerdem erscheint es merkwürdig dass Lagerbestände die Hälfte des Wirtschaftswachstums bestreiten, während zugleich das Wachstum der Importe gegenüber dem Vorquartal auf die Hälfte zurückfiel.
Wenn man übrigens den BIP-Zahlen glauben schenken möchte -- bedenken Sie, die Zahlen werden in Zukunft revidiert werden -- ergibt sich zwingend dass der Zuwachs der Produktivitätsrate momentan annualisiert 6% beträgt. Es kann natürlich kein Zweifel daran bestehen dass die Produktivität momentan steigt -- das folgt schon aus den endlosen Ankündigungen von Entlassungen. Aber wir haben einen Zyklus ohne technischen Fortschritt und Verbesserung der Kapitalstruktur hinter uns, daher fällt es schwer zu glauben dass die Produktivität momentan mit dem Vierfachen des historischen Durchschnitts steigt. Tut uns leid, aber wir können uns dieser Auffassung nicht anschließen.
Im vierten Quartal wurden annualisiert 0,5% weniger Arbeitsstunden geleistet, und in den Daten der letzten 50 Jahre findet sich kein Quartal in dem eine solche Verringerung der Arbeitsleistung mit einem solchen BIP-Zuwachs einherging. Das BIP-Wachstum liegt bei so schwacher Arbeitsleistung normalerweise bei 1,7%, und das entsräche auch dem Trend den die Federal Reserve Chicago in ihrem National Activity Index diese Woche aufzeigt. Dieser Bericht wurde weitgehend ignoriert. Übrigens müsste anhand der historischen Daten ein BIP-Wachstum von 5,7% mit einer Zunahme der Arbeitsstunden um 3,7% einhergehen.
Wie auch immer Sie es drehen und wenden, die heute veröffentlichte BIP-Zahl stellt ein seltenes und noch nie dagewesenes Ereignis dar. In diesem Sinne betrachten wir den Bericht mit großer Skepsis -- es wäre nicht ausreichend, ihn lediglich nicht ganz wörtlich zu nehmen.
Nicht jeder liest Dave Rosenberg. Als Investor müssen Sie wissen was die Masse denkt.
Das Handelsblatt legt kritisch nach und schreibt am 1. Februar 2010:
Wachstum: US-Wirtschaft wächst, Optimismus schrumpft
Nach einem üppigen Konjunkturplus im Schlussquartal 2009 erwarten Ökonomen für das laufende Jahr ein schwächeres Wachstum. US-Präsident Obama setzt derweil auf Subventionen wie Steuergutschriften für neue Mitarbeiter.
NEW YORK. Forsches Wirtschaftswachstum auf der einen, galoppierende Staatsschulden und ein Millionenheer von Arbeitslosen auf der anderen Seite: Die USA tun sich schwer, den jüngsten Konjunkturbericht des Handelsministeriums als Trendwende zu sehen. Zwar ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft im Schlussquartal 2009 um 1,4 Prozent zum Vorquartal gewachsen und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Doch sehen Volkswirte in dem auf Jahressicht hochgerechneten Wachstum von 5,7 Prozent lediglich einen Ausreißer nach oben. Denn der überwiegende Teil des Wachstums sei auf Faktoren wie das Auffüllen von Lagerbeständen sowie staatliche Stützungsprogramme zurückzuführen, die nicht nachhaltig seien, sagte Sung Won Sohn von der Smith School of Business and Economics in Kalifornien.
Es sollte Ihnen zu denken geben, dass Sie eine solche Analyse zu lesen bekommen. Wir erinnern daran, dass ein halbes Jahr lang niemand unterhalb der Überschrift weiterlesen wollte. Beispiele sind die US-Arbeitsmarkt-Daten vom Juli 2009 sowie die US-Arbeitsmarkt-Daten vom November 2009, obwohl bei der Veröffentlichung letzterer Zahlen womöglich bereits ein Stimmungswechsel erkennbar war.
Guten Tag! Und denken Sie gut.
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