Woher "das Geld" kommt und wodurch es gedeckt ist
Viele Menschen meinen, "die Banken" (das Bankensystem) leihten sich "das Geld" von den jeweiligen Zentralbanken.
Das ist so nicht zutreffend. Zunächst müssen wir unsere Betrachtung auf Konten beschränken, denn Bargeld existiert völlig außerhalb des gigantischen Geldschöpfungs- und -Vernichtungsprozesses der täglich abläuft. Und wenn wir die Geldmenge auf den Konten betrachten müssen wir feststellen: Eine geringe Menge des Geldes wird tatsächlich durch die Zentralbanken "erschaffen".
Der überwiegende Teil "des Geldes" (der Guthaben auf Konten) wird jedoch durch "die Banken" selbst geschaffen, und zwar bei der Kreditvergabe; zum Vorgang der Geldschöpfung siehe auch den Handelsblatt-Essay "Es werde Geld – es werde Krise" sowie nebenstehendes Video (englisch). In der Eurozone liegen die so genannten Reserve-Anforderungen übrigens bei 2%. Dieses Kriterium allein würde es Banken in der Eurozone erlauben, 50-mal so viel Geld durch Kreditvergabe zu verleihen wie ihre "Reserve". Es gelten jedoch darüber hinaus in der Eurozone noch die Kriterien von Basel II, die zu Zwecken der Krisenbewältigung derzeit aufgeweicht wurden. Insgesamt ist bei der Beurteilung der Situation einige Aufmerksamkeit gefragt. So finden sich immer wieder Möglichkeiten zur Umgehung solcher Auflagen. Beispielsweise hat die US-Zentralbank den US-Banken nahe gelegt, die vom Kongress beschlossenen Reserve-Anforderungen kreativ und mit ihrer Genehmigung zu umgehen.
Fazit: "Das Geld" wird durch "die Banken" geschaffen und ist ausschließlich durch zukünftige Zahlungsversprechen gedeckt.
Logische Konsequenzen unseres Geldsystemens
(Alle folgenden Aussagen beziehen sich aufgrund der Verflechtungen auf das globale Finanzsystem.)
In unserem Bankensystem können nur Guthaben existieren wenn irgendwo Schulden in selber Höhe bei solventen Schuldnern bestehen, da die überwiegende Menge "des Geldes" durch Kreditvergabe entsteht.
In einer Solvenzkrise muss jemand herbeieilen der ausfallende Zahlungsverpflichtungen ersetzt. Wir sehen derzeit eine Kombination aus Aktivitäten der Zentralbanken (technische Insolvenzbekämpfung durch Geldschöpfung) und Regierungen (technische Insolvenzbekämpfung durch Verschuldung und Garantien; Lockerung der Bewertungsregeln von Vermögen; Kaufkraftstabiliserung durch Sozialleistungen und indirekte Konjunktur- und Beschäftigungsmaßnahmen). Wird die Solvenzkrise nicht bekämpft so entstehen aus monetärer Sicht eine Mischung aus deflationären Effekten (die Wirtschaft muss mit einer verringerten Geldmenge zurechtkommen; dies würde bei unveränderter Aktivität proportional niedrigere Preise für alles voraussetzen) und Insolvenzen (die Bilanzen der das Kreditgeld erzeugenden Banken geraten in Schieflage).
Im Bankensystem ist das Geld für die Zinszahlungen zu keinem Zeitpunkt vorhanden, da diese Summe im System nicht geschaffen wird. In Abhängigkeit vom aktuellen Zinssatz können daher mehr oder weniger Schuldner ihre Kredite nicht zurückzahlen, da schlicht die Geldmenge hierfür fehlt; d.h. es ist ausgeschlossen dass jede Unternehmung genügend Kunden findet und jeder Staat genügend Steuern eintreiben kann um die bestehende Schuld zu begleichen. Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist eine Neuverschuldung. Diese ist selbstverständlich nur den erfolgreichsten Schuldnern vorbehalten. Freilich führt dies durch Zinseszinsen zu einem immer schnelleren Anwachsen der Geldmenge. Ab einem bestimmten Punkt ist das Geldsystem aus technsichen Gründen nicht mehr stabil zu halten. Krisen wie die aktuelle führen natürlich zu einer effektiven Verringerung der Geldmenge und zögern das aus technischer Sicht unvermeidbare Ende des Systems hinaus. Die Stärken unseres Finanzsystems liegen jedoch eindeutig in Wachstumsphasen.
Bundesbank und Europäische Zentralbank
Die Bundesbank hatte, ebenso wie die Europäische Zentralbank heute, als oberstes Ziel die Preisstabilität. Wenn dieses Ziel erfolgreich umgesetzt wird kann das Geldsystem länger existieren als wenn Preisstabilität außer Acht gelassen würde, weil die Beherrschbarkeit des Systems länger gegeben ist.
Die Gewinne der europäischen Zentralbanken fließen an die Finanzministerien zurück. Dies bedeutet, dass der Gewinn aus dem Verleih des Zentralbankgeldes vom Finanzministerium direkt in das System eingebracht werden kann. Hierdurch können Zinseszins-Effekte zusätzlich abngemildert werden.
US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve
Die Federal Reserve hat Preisstabilität nicht zum obersten Ziel. Sie gehört außerdem Privatbanken. Im Jahr 2009 hat die US-Zentralbank knapp 2,7% (1,4 Milliarden US-Dollar) ihres Gewinns an ihre anonymen Anteilseigner gezahlt und gut 88% an das US-Finanzministerium.
Sie sollten hieraus nicht voreilig schlussfolgern dass dem US-Dollar eine ungebremste Talfahrt bevorsteht. Die USA haben es aus ihrer dominanten Position nach dem Zweiten Weltkrieg heraus so eingerichtet, dass weltweite Arbeitsleistung anteilig in US-Dollar umgetauscht werden muss. Sei es um Rohstoffe zu bezahlen oder um Gewinne oder Lizenzgebühren an das US-Hauptquartier abzuführen.
Realitäten
Bitte beachten Sie, dass die systemimmanenten Risiken nicht die einzigen sind. Jedes Geldsystem ist mit wirtschaftlichen Realitäten verknüpft.
Hierzu gehört Vertrauen; lesen Sie Dilbert: And Thus Ended Capitalism.
Hierzu gehört auch dass das Warenangebot überhaupt mit der Geldmenge mithalten kann; lesen Sie Knappes Geld... und knappe Lebensmittel?.
Missverständnisse
Spiegel Online schreibt über den Rekordgewinn der US-Zentralbank Federal Reserve im Jahr 2009:
Trotz Krise: US-Notenbank macht Rekordgewinn mit Risiko-Deals
[...]
Vincent Reinhart, Wissenschaftler am American Enterprise Institute und früherer Fed-Mitarbeiter, sagte, der hohe Gewinn sei ein Beweis dafür, dass das Zentralbankengeschäft vor allem in der Krise lukrativ sei.
Sie merken schon an der Überschrift und dem kurzen Zitat dass dieser Artikel nicht objektiv informativ sein kann. Es sollte völlig unerheblich sein ob das Zentralbankgeschäft "lukrativ" ist. Wie wir allerdings gesehen haben ist das im Fall der Federal Reserve nicht ganz zutreffend. Die privaten Anteilseigner der Fed verdienen ja anonym mit.
Fragestellungen
Im Internet finden Sie jede Meinung zu diesem Thema. Bitte erweitern Sie anhand folgender Fragestellungen Ihren Horizont und bilden Sie sich eine eigene Meinung.
Zentralbanken manipulieren den Geldmarkt. Dies ist ihr Zweck. Ist dieser Ansatz sinnvoll? Findet der Markt den richtigen Zinssatz denn nicht von selbst?
Welche bedeutenden Zentralbanken waren früher Privatbanken? Wurde das Zentralbankmodell vorrangig eingeführt damit Privatiers von der öffentlichen Verschuldung profitieren konnten?
Wie viele verschiedene Geldsysteme gab es bislang in den USA?
Muss ein Geldsystem auf Zinsen beruhen? Finden Sie Banken die Ihnen anbieten, auf Verzinsung zu verzichten?
Wie viele regionale Alternativwährungen existieren in Deutschland? Wie viele in den USA? Zählen Tauschringe indirekt dazu?
Gute Nacht. Und denken Sie gut.
Unsere Mission | Impressum | Rechtshinweise | Regeln



Kommentare