Dass "Inflation" und "Deflation" gleichzeitig stattfinden können liegt sowohl an der mehrdeutigen Verwendung der Begriffe als auch daran dass eine Verringerung der Geldmenge zunächst bestimmte Effekte hervorruft.
Deflationäre Effekte
Der Begriff "Kreditklemme" dominiert die Schlagzeilen. Damit sinkt die Menge des von den Geschäftsbanken geschaffenen Kreditgeldes und die gesamte Geldmenge verringert sich (Deflation).
Bei Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit hat sich wenig getan. Alle Betroffenen verfügen über weniger Geld als zuvor. Hierdurch verringert sich die Geldmenge ebenfalls, zumindest in bestimmten Bereichen, oder die Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt.
Inflationäre Effekte
"Juni 2009: Jährliche Inflationsrate der Eurozone auf -0,1% gesunken", meint Eurostat. Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat waren die größten Preistreiber Restaurants und Cafés, Tabak, Mieten, Elektrizität, Instandhaltung von Fahrzeugen sowie Fleisch. Die Kostendämpfer waren Telekommunikation, IT-Geräte, Geräte für Audiovision, Milch, Käse und Eier, Flüssige Brennstoffe sowie Kraftstoffe für Verkehrsmittel.
Lässt man den absurden Preiskampf einiger Discounter um die billigsten Agrarprodukte außer Acht so muss man sich fragen was die Verbraucher unter dem Strich von den Preisrückgängen haben. Benzin und Heizöl sind billiger als im letzten Jahr, das ist aus Sicht der Konsumenten zu begrüßen... hat aber wenig mit der Geldmenge zu tun. Und sonst? Wie dringend ist denn Unterhaltungselektronik im Vergleich zu Miete, Strom und Fleisch?
Im MieterEcho, Ausgabe Juni 2009, kommentiert Joachim Oellerich den Berliner Mietspiegel:
Baualtersklasse bis 1918 Halbstandard: [...] Die steigende Nachfrage nach preiswerten Wohnungen zieht die Mieten in diesem Segment nach oben, und daher liegt die ausgewiesene Steigerung der Mittelwerte mit 3,2% deutlich über dem Durchschnitt. Am stärksten nachgefragt werden Wohnungen über 60 qm in einfacher Lage. Eine Steigerung von 13% ist das Ergebnis. [...]
Baualtersklasse 1919 - 49 Vollstandard: [...] Eine immer weniger zahlungskräftige Mieterschaft fragt diese günstigen Wohnungen verstärkt nach, und das Ergebnis sind überdurchschnittliche Mietsteigerungen von 3,7 %. [...]
Baualtersklasse 1973 - 83 West: In dieser Baualtersklasse scheint eine Gegenbewegung einzusetzen, denn die Mieten steigen mit 3,6% überdurchschnittlich. Die Wohnungen mittlerer Größe in guter Lage sind mit einer Mietpreissteigerung von 17% Spitzenreiter des aktuellen Mietspiegels. [...]
Baualtersklasse 1984 - 90 West: 12.500 Wohnungen zählen zu dieser Baualtersklasse, in der sich die überteuerten Wohnungen des ehemaligen sozialen Wohnungsbaus befinden, die inzwischen keine Anschlussförderung mehr erhalten. Hier sinken die Mieten um 2,4 %. [...]
Inflation ist zutiefst unsozial...
Bundesbankpräsident Axel Weber sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk so trefflich:
Ich glaube, Inflation hilft hier auch nicht weiter an dieser Stelle, weil es ist immer Inflation zutiefst unsozial. Es ist eine Umverteilung von denjenigen, die verschuldet sind - die profitieren von einer solchen Inflation. Und diejenigen, die Vermögenswerte haben, verlieren.
Und nun die schlechte Nachricht. Deflation ist auch unsozial. Preiswerte Waren und Dienstleistungen werden vermehrt nachgefragt, so dass ihr kaufkraftbereinigter Preis steigt.
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