
Willkommen beim ersten denkfaul.de-Gedankenspiel! Wir wollen uns keine geringere Frage stellen als die, ob
Kanada, die USA und Mexiko innerhalb der nächsten vier bis sechs Monate eine gemeinsame Währung einführen. Befeuert werden diese Überlegungen durch ein dramatisches Gerücht aus einer nicht unseriösen Quelle sowie bislang wenig beachtete Bilder. Einflussreiche Interessensgruppen dürften die Maßnahme zudem begrüßen. Wie wir sehen werden sprechen auch die Fakten nicht unbedingt gegen unsere Vermutung.
Sammeln wir zunächst
Fakten.
Aus dem im Jahr 1989 gegründeten Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den USA ging mit Wirkung zum 1. Januar 1994 unter Einbindung von Mexiko das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA hervor, das den Handel zwischen Kanada, den USA und Mexiko erleichtert.
Bereits im Jahr
1999 plädoyierte Herbert G. Grubel im Namen des Fraser Institute für die Einführung einer gemeinsamen Währung namens Amero für Kanada, die USA und Mexiko.
Seit 2005 finden
Treffen der drei Staaten auf höchster Ebene (North American Leaders’ Summit) unter der Überschrift Security and Prosperity Partnership Of North America (SPP) statt. Das SPP hat eine Reihe interessanter Themen auf der Agenda, die der weiteren Annäherung der drei Länder dienen.
Das letzte dokumentierte
Treffen von Präsident Bush, Präsident Calderon und Premierminister Harper fand am 22. April 2008 statt. Seitdem herrscht auf der Website des SPP Funkstille. In der gemeinsamen Erklärung zum Treffen heißt es:
As continental neighbors and partners [...] Canada, Mexico and the United States have shared interests in keeping North America secure, prosperous, and competitive in today's global environment.
[...]
We share the goals of [...] reducing barriers to trade within our region and beyond.
[...]
We will continue working to fight transnational threats that pose challenges to our countries and to the well being of our people, such as [...] money laundering; [...]
Trotz der regelmäßigen Treffen bleiben die Erklärungen vage, beinhalten andererseits Zielsetzungen die auch im Zusammenhang mit der Einführung des Euro genannt wurden. Im Umfeld des SPP wurde noch eine
Arbeitsgruppe des Council of the Americas namens North American Competitiveness Council ins Leben gerufen, die handfeste wirtschaftliche Interessen vertritt. Im
2008 Report to Leaders from the North American Competitiveness Council: "Meeting the Global Challenge" wird beispielsweise die Automobilindustrie als wesentlicher Faktor für den Wohlstand Nordamerikas angesehen und eine Angleichung der Sicherheitsstandards gefordert. Es wird gewarnt dass die öffentliche Wahrnehmung der Erfolge der NAFTA mangelhaft und alles Erreichte gefährdet sei. Ebenfalls sei Isolationspolitik zu beobachten. Rückschritte seien aber gefährlich, obwohl:
Some of the most effective paths toward a more competitive and prosperous North America will require discussion of measures that will generate controversy.
Entsprechend wartete das NACC in den letzten zwölf Monaten mit Publikationen auf die Titel tragen wie "Recalibrate the U.S.-Canada Relationship", "Mexico: A Nearshoring Opportunity", "Mexico: Economic Prospects and Opportunities in the New Global Scenario" und "The Growing Importance of Mexico".
Die potenzielle Währung, den
Amero, betreffend gab es bereits zwei spektakuläre Vorfälle. Im Sommer 2007 kursierten Gerüchte, dass der Wert des Amero durch Silber gedeckt werden solle. Im August 2007 tauchten plötzlich Berichte auf, es würden Amero-Münzen geprägt. Offiziell stellte sich heraus dass
Daniel Carr Amero-Sammlermünzen entworfen hatte. In einem sehr schnell ablaufenden online-Glaubwürdigkeitskampf hatte allerdings so weit ich recherchieren konnte kein Beteiligter Website-Momentaufnahmen durch unabhängige Dritte anfertigen lassen, so dass der zeitliche Ablauf nicht endgültig überprüft werden kann und nur Indizienbeweise möglich sind. Da die Amero-Internetseite von Daniel Carr ausgesprochen rudimentär daherkam (was nicht unbedingt dazu passt dass er die Münzen vermarkten wollte) und er bereits zuvor offizielle Münzen für die USA entworfen hatte meinen Skeptiker, diese Seiten seien unter Zeitdruck entstanden um die Gerüchte zu entkräften. Die Sammlermünzen gab es später allerdings tatsächlich.
Die Veröffentlichung von
Bildern angeblicher Amero-Banknoten durch den Flickr-Nutzer aleatorysort im Mai 2008 benötigte bis zum Dezember 2008 um als ernsthaftes Gerücht breitere Aufmerksamkeit zu erlangen. Dabei ist der Text der Rückseite ein relativ guter Hinweis darauf dass diese Banknoten nicht echt sind.
Im
Februar und März 2009 hat der Flickr-Nutzer aurealeus unkommentiert Bilder von Amero-Banknoten veröffentlicht, die laut Flickr-Zugriffszähler bislang kaum Beachtung gefunden haben und bis hin zu den dargestellten Sicherheitsmerkmalen erstaunlich realistisch anmuten.
Vor zwei Wochen ist ein Gerücht aufgekommen, demzufolge
mehrere US-Botschaften weltweit gehalten sind, regionales Bargeld für ein Jahr vorzuhalten, da innerhalb der nächsten 180 Tage, vielleicht auch 120 bis 150 Tage, etwas geschehen könne. Quelle ist der kostenpflichtige Newsletter Harry Schultz Letter, dessen nicht öffentlicher Inhalt auf der Website Market Watch des Wall Street Journal auszugsweise wiedergegeben wurde.
Laut Peter Brimelow von Market Watch mutmaßt Harry Schultz dass US-Banken für eine gewisse Zeit geschlossen werden könnten um einige zu verstaatlichen, neue Regelungen einzuführen und den US-Dollar formal abzuwerten.
Unser
Gedankenexperiment
In vier bis sechs Monaten werden US-Banken geschlossen um ihre Substanz zu untersuchen. Es werden Maßnahmen mit dem Management besprochen oder Aufsichten eingesetzt; einige Banken werden verstaatlicht. Der US-Dollar wird derweil im Außenhandel abgewertet.
Dies hätte positive Auswirkungen für die USA:
Ausländische Waren werden teurer, ohne dass Schutzzölle erhoben werden müssen. Die Nachfrage nach inländischen Waren nähme zu, was dem Arbeitsmarkt zugute käme. Aus den USA exportierte Waren würden international billiger, was den Absatz von Waren "Made in USA" unterstützen würde. Die hohen Schulden der USA würden entwertet da ja zugleich die Wirtschaftsleistung gleich bliebe und sogar einen Impuls erhielte.
Die Kreditvergabepraxis verstaatlichter oder beaufsichtigter Banken könnte beeinflusst werden.
Auch im Sinne einer weiteren Annäherung mit Kanada und Mexiko ließe sich dieser Schritt in mancherlei Hinsicht als Entgegenkommen darstellen. Da die NACC, in der alle drei Staaten aktiv sind, die Automobilindustrie als Wohlstandsfaktor ansieht und die Angleichung von Standards fordert, wäre Mexiko sicherlich eher bereit die Sicherheitsstandards für Automobile anzuheben wenn im Gegenzug US-Amerikanische Fahrzeuge billiger würden.
Zwei Problemfelder tun sich dennoch auf:
Vorrangig China und Japan wären nicht sehr amüsiert darüber, dass die von ihnen in die USA exportierten Waren für die Verbraucher teurer würden und zugleich ihre als US-Staats- und -Unternehmensanleihen gehaltenen Vermögen im Wert sänken.
Ölimporte würden teurer und so die Budgets der US-Bürger belasten, da häufig zum motorisierten Individualverkehr keine Alternative besteht.
Die gleichzeitige Umstellung auf den Amero böte hier zusätzlichen Spielraum:
Ein Drittel ihrer Ölimporte beziehen die USA aus Kanada und Mexiko; zugleich sind die USA wichtigster Abnehmer für kanadisches und mexikanisches Öl. Auch eine Abwertung des US-Dollar innerhalb des Amero würde zu steigenden Ölpreisen für die USA führen. Dennoch lassen sich aus dem Bündnis wirtschaftliche Vorteile für Kanada und Mexiko ableiten, so dass diese im Gegenzug den Ölpreis für die USA nominell senken könnten, um so die Ölpreise im Zaum zu halten.
Die Gelegenheit ist einmalig günstig, denn in den
nächsten Monaten wollen auch die Golf-Staaten eine Gemeinschaftswährung einführen. Trotz der im Dezember noch bestehenden Unstimmigkeiten wegen einer möglichen Abkehr vom US-Dollar hat sich
Saudi-Arabien, traditionell den USA eng verbunden, ohne Rücksicht auf Verluste auch im Hinblick auf den Sitz der neuen Zenralbank durchgesetzt.
Warum wird hier so schnell vorgeprescht und sogar die Ausgabe von Münzen und Banknoten verschoben? Soll die neue Währung vielleicht an den Amero gekoppelt werden, als sanfte Abkehr vom US-Dollar?
All dies könnte einen initialen Öl-Preisschock in den USA erheblich lindern.
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