Schon ein Monat ist unser neues Jahr 2012 alt. Bislang gibt es ja wenig Anlass zur Freude.
Griechenland
Jeder weiß, dass Griechenland insolvent ist und mit Liquiditätsspritzen aufgepäppelt wird. Das derzeitige Schauspiel ist unwürdig.
Natürlich könnte man in einem totalitären System die Einführung einer Drachme innerhalb der Eurozone simulieren. Dazu müssten sämtliche Preise, Einkommen, Vermögen und Schulden mit einem Schlag fair bezüglich ihres Euro-Wertes gesenkt werden. Die Betonung liegt auf fair und mit einem Schlag.
Was zurzeit stattfindet ist etwas ganz anderes, und insbesondere Preise und Vermögen werden überhaupt nicht mit einbezogen. Die Hoffnung dürfte sein, dass die Preise mitziehen, aber das wird dort nicht möglich sein, wo es um elementare Waren und Dienstleistungen geht. Jeder Marktteilnehmer wird versucht sein, seinen persönlichen Vorteil zu wahren.
Das ist unsozial und unfair.
Eurozone
Es wird gern behauptet, die Eurozone stehe gar nicht so schlecht da, und die USA sollten sich um ihr eigenes Schuldenproblem kümmern.
Wer das behauptet, übersieht wesentliche Aspekte des Gesamtsystems.
Die Hybridrolle des US-Dollar als Weltreservewährung und erforderliche Währung für den Handel mit Rohstoffen, insbesondere Öl, stellt einen dieser wichtigen Aspekte dar. Über diesen können die USA einen erheblichen Teil der durch ihre Geldmengenausweitung verursachten Teuerung auf andere Währungsräume abwälzen ("ihre Inflation exportieren").
Der andere Aspekt ist die Struktur der Verschuldung, sowohl bezüglich Laufzeit als auch Verteilung. Was die Laufzeit betrifft, so ist der hohe Refinanzierungsbedarf schwächelnder Eurozonen-Staaten in der näheren Zukunft ja in der Presse beleuchtet worden. Betrachten wie also die Struktur.
Die US-Zentralbank ist der größte Eigentümer von US-Staatsanleihen. US-Fonds und -Bürger halten ebenfalls erhebliche Volumina. Weiterhin sind China, Japan und Großbritannien zu nennen. Die Situation in der Eurozone stellt sich hingegen völlig anders dar. Zwei Drittel der Eurozonen-Schulden bilden einen gigantischen Kreislauf zwischen Marktteilnehmern, speziell Banken, der Eurozone, bei denen unübersehbar ist, dass ihre Interessen auseinanderdriften. In einem Kreditgeldsystem sind solche Kreisläufe selbstverständlich. Der entscheidende Faktor hierbei ist jedoch, welche Wirtschaftsleistung dieser Kreditgeldmenge zugrunde liegt und welche Handlungsspielräume und Interessen die jeweiligen Marktteilnehmer haben.
Bei nüchterner Betrachtung ergibt sich ganz klar, dass die US-Verschuldung überhaupt kein Problem darstellt, die Eurozonen-Verschuldung aber durchaus. Die Medien spielen bei der Verzerrung dieses Umstandes eine spezielle Rolle, weil sie zumindest in den Überschriften gern suggerieren, die USA stünden vor einer Zahlungsunfähigkeit. Das ist unzutreffend. Die USA stehen vor einer problemlos erweiterbaren, willkürlich festgelegten Verschuldungsgrenze, also schlimmstenfalls vor einer Zahlungsunwilligkeit.
Unabhängig davon, wie Deutschland für sich gesehen dasteht, befindet sich die Eurozone bereits in einer Rezession. Zugleich besteht Bedarf daran, das zirkuläre System aus zum großen Teil offenbar faulen Krediten am laufen zu halten.
Damit kann man allerdings bestimmte grundlegende Gesetzmäßigkeiten nicht außer Kraft setzen.
Auch der neue "Fiskalpakt" beinhaltet keinerlei Neuerungen. Die Schmerzhaftigkeit der zugrunde liegenden Bestrafung, nämlich Bußgeldzahlungen, wird ohnehin jeden Tag weiter durch die Aufweichung von Haftungsausschlüssen verringert. Und ein Durchgriff seitens der EU wird nur Sparmaßnahmen bringen, die das Problem weiter verschärfen.
Bayern
Der Freistaat Bayern fährt offenbar eine Kampagne, seine Verschuldung in absehbarer Zeit vollständig abzutragen.
Aus Sicht des Finanzsystems ist diese Nachricht eine Katastrophe.
Wir befinden uns in einem kreditbasierten Geldsystem. Dieses System funktioniert nur gut bei stetigem Wachstum (siehe oben bei den Ausführungen zu Griechenland). Für ein gesundes Wachstum dieses Systems muss die Menge an Kreditgeld nachhaltig wachsen. Dies ist nur möglich, wenn sich solvente Schuldner finden. Es gibt auf Länderebene wenige potenzielle Schuldner, die so solvent sind wie der Freistaat Bayern.
Sein Ausstieg aus seiner Verschuldung wirkt daher destabilisierend auf das Finanzsystem.
Deutschland
Jim O'Neill, Ökonom bei Goldman Sachs, wird vom Handelsblatt unter der Überschrift Starökonom: Deutschland könnte die Weltwirtschaft stabilisieren zitiert.
Das macht natürlich nur vor psychologischem Hintergrund Sinn. Rein ökonomisch betrachtet ist schwer erklärlich, wie eine Exportnation die Weltwirtschaft stabilisieren soll, wenn ihre wichtigsten Handelspartner (in der Eurozone) in der Rezession stecken und ihre zweitwichtigsten Handelspartner (Schwellenländer) ihr Wachstum verlangsamen und vor erheblichen Problemen stehen.
Alles was schlussendlich zählt ist Konsum. Ohne den macht Wirtschaftsleistung keinen Sinn.
Was Jim O'Neill wohl wirklich meint ist, dass die deutschen Konsumenten ungetrübt weiter konsumieren sollen und der deutsche Staat in der Hoffnung auf Stabilisierung seine krisenbezogene Zahlungswilligkeit aufrecht erhalten soll.
Iran
An sich stand die Iran-Problematik ja bereits für 2010 an. Das Virus STUXNET hat der Welt eine Verschnaufpause erkauft. Jetzt ist das Thema wieder auf dem Tisch. DIe Zeitfenster-Rhetorik ist unübersehbar.
Eine Frage der Dosis
Wie immer kommt es auf die Dosierung der einzelnen Wirkstoffe an.
Es sieht nicht so aus, als sei dies die richtige Medizin fpr die Eurozone.
Denken Sie wie immer gern, was Sie wollen.
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Dienstag, 20. September 2011
Mario Draghi als EZB-Präsident: Garant für ein möglichst kostspieliges Auseinanderbrechen der Eurozone
Philip Murphy, US-Botschafter in Deutschland, war 25 Jahre als Investmentbanker bei Goldman Sachs tätig. Ob er Diplomatie perfekt beherrscht, mag man kontrovers diskutieren. Im Zusammenhang mit der Offenlegung geheimer Depeschen durch WikiLeaks kam er jedenfalls nicht auf den Gedanken, sich für die offenbar nicht ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen der USA zu entschuldigen. Vielmehr kritisierte er das mangelnde Verantwortungsbewusstsein derjenigen, die sich entschlossen hatten, die Dokumente zu veröffentlichen.
Der Europäischen Zentralbank unter Jean-Claude Trichet wurde zuletzt vereinzelt vorgeworfen, sie mische sich unzulässig in die Politik ein, weil sie durch Stützkäufe für Staatsanleihen den Staaten erlaube, eine unverantwortliche Haushaltspolitik zu betreiben oder fortzuführen, die ansonsten von den Märkten abgestraft würde.
Mit dem Beginn von Mario Draghis EZB-Präsidentschaft dürften in Kürze ganz andere Zeiten anbrechen. Im Rahmen der Handelsblatt-Gastkommentare Zehn Experten weisen den Weg zur Euro-Rettung äußert sich auch Matrio Draghi deutlich genug zu seiner Sicht auf den Euro. Besonders schön daran: Er erklärt, welche Politik er in Europa für angemessen hält. Sie hatten hoffentlich keine Bescheidenheit von ihm erwartet. Der Mann war Vizepräsident bei Goldman Sachs in London.
Aber schauen wir doch, was er zu sagen hat.
Hier mischt sich jemand recht kräftig in politische Fragen ein und versucht, den Eurozonen-Staaten den Weg der USA nahezulegen. Doch wäre das wirklich der richtige Weg für alle Mitglieder der Währungsunion?
In jedem Fall wird deutlich, was die EZB tun wird: Sie wird ohne zu zögern über unkonventionelle geldpolitische Instrumente jede benötigte Liquidität bereitstellen, wo dies nötig wird. Sie wird gleichzeitig offiziell die Teuerungsrate im Auge behalten, gegen die aus dem US-Dollar-Raum importierte Teuerung jedoch völlig machtlos sein. Die Schrumpfkuren in betroffenen Staaten werden dafür sorgen, dass die Preissteigerung im Eurozonen-Mittel erträglich bleibt. Der wachsende wirtschaftliche Druck und die geforderte Liberalisierung sollen zusätzlich helfen, die Einkommen und damit auch die Preise niedrig zu halten. Die Zinssätze sollen ein Kompromiss bleiben.
Größtes Problem: All das passt hinten und vorn nicht zu Europa und zum Zustand des Gesamtsystems. Die Versuchungen, individuelle Wege zu beschreiten, werden größer, und die Antworten aus Brüssel werden obskurer. Mitten in einem Alltag, in dem Europa an sich zusammenwachsen soll, wird jeden Tag offensichtlich, dass die Mitgliedsstaaten eigene Lösungen zu ihrem Vorteil suchen.
Deutschland hat hierbei eine vollständig individuelle Zukunft vor sich: Mit herausragender Wirtschaftskraft und einer schrumpfenden Bevölkerung, spezifischem Rohstoffbedarf und vergleichsweise vorbildlicher Infrastruktur. In anderen Staaten stellen sich all diese Faktoren vollständig anders dar.
In dieser Hinsicht fällt es schwer zu argumentieren, dass Deutschland noch lang vom Euro profitieren können wird. Es fällt leichter sich vorzustellen, dass sich das Blatt in absehbarer Zeit wenden könnte.
Insofern könnte Mario Draghis politische Unbescheidenheit im Zusammenhang mit seiner zu erwartenden Geldpolitik eine Sollbruchstelle für die Teilnahme Deutschlands an der Eurozone in ihrer heutigen Form darstellen.
Aber... denken Sie, was Sie wollen.
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Der Europäischen Zentralbank unter Jean-Claude Trichet wurde zuletzt vereinzelt vorgeworfen, sie mische sich unzulässig in die Politik ein, weil sie durch Stützkäufe für Staatsanleihen den Staaten erlaube, eine unverantwortliche Haushaltspolitik zu betreiben oder fortzuführen, die ansonsten von den Märkten abgestraft würde.
Mit dem Beginn von Mario Draghis EZB-Präsidentschaft dürften in Kürze ganz andere Zeiten anbrechen. Im Rahmen der Handelsblatt-Gastkommentare Zehn Experten weisen den Weg zur Euro-Rettung äußert sich auch Matrio Draghi deutlich genug zu seiner Sicht auf den Euro. Besonders schön daran: Er erklärt, welche Politik er in Europa für angemessen hält. Sie hatten hoffentlich keine Bescheidenheit von ihm erwartet. Der Mann war Vizepräsident bei Goldman Sachs in London.
Aber schauen wir doch, was er zu sagen hat.
[...] die Wurzeln der Probleme: fehlende Haushaltsdisziplin und geringe Wachstumsaussichten.Da hat der Mann eindeutig Recht. Schön, dass wir hier eine Bestätigung dafür erhalten, dass es zwischen Europa und den USA Unterschiede gibt, die bestehen bleiben werden.
Darüber hinaus ist es entscheidend, Preisstabilität zu bewahren: Wir werden nie von diesem Ziel abrücken.Wir werden gleich noch sehen, wie dieses Ziel sich in das Gesamtbild einfügt.
Die Verpflichtung der Regierungen zur Wiederherstellung der Haushaltsdisziplin in Europa muss rechtzeitig und rigoros umgesetzt werden.Wie eigenartig. Diese Haushaltsdisziplin in diesem Moment zu fordern, bedeutet, dass die betroffenen Staaten unter dem Euro leiden.
Wir brauchen umfassende und glaubwürdige Programme mit einer breiten politischen Verpflichtung, die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung durch gemeinsam vereinbarte Strategien zu erhöhen, den Binnenmarkt insbesondere durch die weitere Integration und Liberalisierung des Dienstleistungssektors zu stärken und die Effizienz der öffentlichen Verwaltung zu steigern.Die Liberalisierung des Dienstleistungssektors ist das, was Staaten mit schrumpfender Wertschöpfung noch bleibt, um die Folgen ihrer kollabierenden wirtschaftlichen Basis eine Weile mit Jobs im Dienstleistungssektor zu kaschieren. Man kann diese Entwicklung bestens anhand der USA stiudieren.
Die wichtigste Lehre, die wir aus dieser und der vorherigen Krise ziehen sollten, ist, dass unser Finanzsystem weitaus belastbarer werden muss, als es vorher war.
Hier mischt sich jemand recht kräftig in politische Fragen ein und versucht, den Eurozonen-Staaten den Weg der USA nahezulegen. Doch wäre das wirklich der richtige Weg für alle Mitglieder der Währungsunion?
In jedem Fall wird deutlich, was die EZB tun wird: Sie wird ohne zu zögern über unkonventionelle geldpolitische Instrumente jede benötigte Liquidität bereitstellen, wo dies nötig wird. Sie wird gleichzeitig offiziell die Teuerungsrate im Auge behalten, gegen die aus dem US-Dollar-Raum importierte Teuerung jedoch völlig machtlos sein. Die Schrumpfkuren in betroffenen Staaten werden dafür sorgen, dass die Preissteigerung im Eurozonen-Mittel erträglich bleibt. Der wachsende wirtschaftliche Druck und die geforderte Liberalisierung sollen zusätzlich helfen, die Einkommen und damit auch die Preise niedrig zu halten. Die Zinssätze sollen ein Kompromiss bleiben.
Größtes Problem: All das passt hinten und vorn nicht zu Europa und zum Zustand des Gesamtsystems. Die Versuchungen, individuelle Wege zu beschreiten, werden größer, und die Antworten aus Brüssel werden obskurer. Mitten in einem Alltag, in dem Europa an sich zusammenwachsen soll, wird jeden Tag offensichtlich, dass die Mitgliedsstaaten eigene Lösungen zu ihrem Vorteil suchen.
Deutschland hat hierbei eine vollständig individuelle Zukunft vor sich: Mit herausragender Wirtschaftskraft und einer schrumpfenden Bevölkerung, spezifischem Rohstoffbedarf und vergleichsweise vorbildlicher Infrastruktur. In anderen Staaten stellen sich all diese Faktoren vollständig anders dar.
In dieser Hinsicht fällt es schwer zu argumentieren, dass Deutschland noch lang vom Euro profitieren können wird. Es fällt leichter sich vorzustellen, dass sich das Blatt in absehbarer Zeit wenden könnte.
Insofern könnte Mario Draghis politische Unbescheidenheit im Zusammenhang mit seiner zu erwartenden Geldpolitik eine Sollbruchstelle für die Teilnahme Deutschlands an der Eurozone in ihrer heutigen Form darstellen.
Aber... denken Sie, was Sie wollen.
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Sonntag, 18. September 2011
Die große Entschuldung Europas: Per fantastischem Federstrich von 3,1 Billionen Euro auf 1,1 Billionen
Professor Anthony J. Evans von der ESCP Europe hat gemeinsam mit Studenten eine Idee verfolgt: Wenn ein Wirtschaftssubjekt gleichzeitig Gläubiger und Schuldner ist, könne ein entsprechender Teil der Schulden verrechnet und somit eliminiert werden.
Lassen wir für einen Moment unberücksichtigt, dass die Umsetzung der charmanten Idee von Professor Evans großen monetären Schaden anrichten würde, und schauen uns an, was auf dem Papier geschähe. Betrachtet wurden Daten der Bank für Internationalen Zahulngsausgleich, insbesondere eine nicht mehr abrufbare, vorläufige Version dieses BIZ-Quartalsberichts vom Juni 2011 mit Zahlen per Ende 2010 sowie des Internationalen Währungsfonds für die Staaten Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Portugal und Spanien.
Vergleichen Sie die beiden Diagramme auf The great EU debt write-off und studieren Sie den vollständigen Bericht. Nach drei einfachen Schritten lassen sich die Gesamtschulden des betrachteten Sysrtems von 3,1 Billionen Euro um fast zwei Drittel reduzieren.
Das wird selbstverständlich auf keinen Fall so praktiziert werden. Der Bericht basiert auf der irreführenden Annahme, es gebe innerhalb der EU eine Schuldenkrise. Der Begriff der Schuldenkrise ist aber in einem Geldsystem, in dem Geld ausschließlich als Schuld existiert, wenig hilfreich; genau genommen erleben wir die Auswirkungen einer Geldsystemkrise. Wenn man sich diese einfache Wahrheit vergegenwärtigt, fällt es viel leichter, den Denkfehler hinter der hier präsentierten Idee der Entschuldung Europas zu erkennen: Die zwei Billionen Euro, die Professor Evans und seine Studenten eliminieren wollen und die in einer Bilanz als Schulden auftauchen, repräsentieren in einer anderen Bilanz ein Vermögen. Dies ist insbesondere deshalb so, weil die herangezogene Tabelle 9D der BIZ Forderungen von Banken in Staaten gegen Staaten auflistet. Ein Begleichen dieser Schuld würde ebenso in der Vernichtung des vorher geschöpften Giralgeldes resultieren wie das Abbezahlen einer Hypothek auf einen Schlag, was gleichermaßen und aus gutem Grund nicht ohne Weiteres möglich ist.
Ganz abgesehen von der dahinterliegenden Psychologie: Einmal angenommen, Sie haben fünfzig Euro und Ihr Nachbar hat einhundert. Wenn Sie sich jetzt fünfzig Euro von Ihrem Nachbarn leihen, glaubt jeder von Ihnen beiden, dass er einhundert Euro hat.
Dennoch ist die Untersuchung aufschlussreich: Das Maß der Selbstbezogenheit der Europäischen Union ist ein ganz anderes als dasjenige der USA. Diese Erkenntnis kann sich bei der Beurteilung der Machbarkeit und Wahrscheinlichkeit verschiedener zukünftiger Szenarien als wertvoll erweisen.
Gute Nacht! Und denken Sie, was Sie wollen.
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Lassen wir für einen Moment unberücksichtigt, dass die Umsetzung der charmanten Idee von Professor Evans großen monetären Schaden anrichten würde, und schauen uns an, was auf dem Papier geschähe. Betrachtet wurden Daten der Bank für Internationalen Zahulngsausgleich, insbesondere eine nicht mehr abrufbare, vorläufige Version dieses BIZ-Quartalsberichts vom Juni 2011 mit Zahlen per Ende 2010 sowie des Internationalen Währungsfonds für die Staaten Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Portugal und Spanien.
Vergleichen Sie die beiden Diagramme auf The great EU debt write-off und studieren Sie den vollständigen Bericht. Nach drei einfachen Schritten lassen sich die Gesamtschulden des betrachteten Sysrtems von 3,1 Billionen Euro um fast zwei Drittel reduzieren.
Das wird selbstverständlich auf keinen Fall so praktiziert werden. Der Bericht basiert auf der irreführenden Annahme, es gebe innerhalb der EU eine Schuldenkrise. Der Begriff der Schuldenkrise ist aber in einem Geldsystem, in dem Geld ausschließlich als Schuld existiert, wenig hilfreich; genau genommen erleben wir die Auswirkungen einer Geldsystemkrise. Wenn man sich diese einfache Wahrheit vergegenwärtigt, fällt es viel leichter, den Denkfehler hinter der hier präsentierten Idee der Entschuldung Europas zu erkennen: Die zwei Billionen Euro, die Professor Evans und seine Studenten eliminieren wollen und die in einer Bilanz als Schulden auftauchen, repräsentieren in einer anderen Bilanz ein Vermögen. Dies ist insbesondere deshalb so, weil die herangezogene Tabelle 9D der BIZ Forderungen von Banken in Staaten gegen Staaten auflistet. Ein Begleichen dieser Schuld würde ebenso in der Vernichtung des vorher geschöpften Giralgeldes resultieren wie das Abbezahlen einer Hypothek auf einen Schlag, was gleichermaßen und aus gutem Grund nicht ohne Weiteres möglich ist.
Ganz abgesehen von der dahinterliegenden Psychologie: Einmal angenommen, Sie haben fünfzig Euro und Ihr Nachbar hat einhundert. Wenn Sie sich jetzt fünfzig Euro von Ihrem Nachbarn leihen, glaubt jeder von Ihnen beiden, dass er einhundert Euro hat.
Dennoch ist die Untersuchung aufschlussreich: Das Maß der Selbstbezogenheit der Europäischen Union ist ein ganz anderes als dasjenige der USA. Diese Erkenntnis kann sich bei der Beurteilung der Machbarkeit und Wahrscheinlichkeit verschiedener zukünftiger Szenarien als wertvoll erweisen.
Gute Nacht! Und denken Sie, was Sie wollen.
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Samstag, 3. September 2011
Inflation? Deflation? Anschnallen! Jetzt.
Immer wieder: Inflation oder Deflation?
Dieser Tage scheinen die Märkte nicht recht zu wissen, wie sie sich positionieren sollen. Inflation? Deflation? Wir hier bei denkfaul.de wissen nicht einmal, was die Märkte genau damit meinen. Vermutlich wissen die Märkte das auch nicht genau. Schließlich sind die Begriffspaare Inflation und Preiserhöhungen sowie Deflation und Preissenkungen seit Jahrzehnten durch eine nicht allgemein zulässige Vereinfachung untrennbar miteinander verwoben. Absichtlich oder versehentlich? Nicht nur der Kinofilm Inside Job legt nahe, dass die Lehre der Wirtschaftswissenschaften gezielt beeinflusst wurde, um bestimmte Zusammenhänge nicht klar zu Tage treten zu lassen. Wenn Sie Inside Job nicht überzeugen kann und Sie der englischen Sprache mächtig sind, lesen Sie den wundervoll recherchierten Artikel Why Deficits Stopped Mattering von Eric deCarbonnell.
Sie wächst, sie wächst nicht, sie wächst, sie wächst nicht...
Ein weiterer unzutreffender Begriff verwirrt die sogenannten Analysten und Experten: Die US-Wirtschaft. Vergessen Sie das. Eine Reihe von US-Unternehmen wird von einer zurückgehenden Kaufkraft der US-Bürger nicht in bedeutendem Umfang tangiert. Seien Sie klüger als diejenigen, die immer noch einen nachhaltigen Zusammenhang zwischen US-Arbeitslosenzahlen und US-Aktienkursen sehen. Es schadet natürlich nicht, wenn Sie in Ihr Kalkül einbeziehen, dass Sie eine von der Mehrheit abweichende Meinung haben.
Deutschland betreffend sind die unsinnigen XL-Aufschwung-Schlagzeilen über die Sommerwochen hinweg glücklicherweise verschwunden. Einigen Berichten zufolge soll die deutsche Wirtschaft ja das Vorkrisenniveau minimal übertroffen haben. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Unisnn. Denn um die Wirtschaftsleistung mit Werten aus der Vergangenheit zu vergleichen, wird sie um die ermittelte Teuerungsrate bereinigt. Und diese ermittelte Teuerungsrate ist geschönt, so dass sich ein Scheinwachstum ergibt.
Und die Aussichten sind, mit gesundem Menschenverstand betrachtet, trübe; dazu unten mehr. Insofern ist die Meldung, dass der XL-Aufschwung nun auf den Konten der Arbeitnehmer ankomme, eher ambivalent zu werten. So schließt der Artikel denn auch zu Recht mit den Worten von Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft: "Doch während die bisherigen Zuwächse vor allem vom Konjunkturaufschwung getragen waren, könnte sich künftig zunehmend stärker der Einfluss der Fachkräfteknappheit auf die Lohnentwicklung bemerkbar machen."
Sicher, stabil und schön
Kennen Sie die zwei-Euro-Gedenkmünze zehn Jahre europäische Wirtschafts- und Währungsunion? Melden Sie sich doch bitte bei uns, wenn Ihnen an der Gestaltung positive Symbolik auffällt.
Einstweilen sehen wir darin ein in eine unförmige Blase gesperrtes Strichmännchen, das unbeholfen das übermächtige Euro-Symbol hochhält.
Unbeholfen ist (bestenfalls) auch die folgende Meldung von n-tv vom 29.08.2011: Inflation bei 2,3 Prozent: [...] die Inflationsrate [verharrt] weiter über der kritischen Zwei-Prozent-Marke. Einen Hoffnungsschimmer für die Verbraucher gibt es allerdings. Die Benzin- und Spritpreise steigen nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. Gegenüber dem Vormonat sanken sie im August sogar. Was für ein Hoffnungsschimmer soll das bitteschön sein, wenn trotz sinkender Kraftstoffpreise die Teuerungsrate über 2% liegt?
Gestern nun hat Ewald Nowotny, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, prognostiziert, dass sich die die Preisstabilität in der Eurozone im der nahen Zukunft wie von der EZB gewünscht entwickeln werde.
Bei allem Respekt, wir haben da eine andere Meinung. Denn:
Politik oder Markt?
Gut, wenn es nach der Politik geht, müsste die Überschrift Politik oder Spekulanten? heißen. Aber das wird und wird einfach nicht wahrer; Spekulanten, die sich auf die falsche Seite stellen, verlieren eine Menge Geld; ob nun bei Rohstoffen oder Staatsanleihen. Daher wäre es völlig ausreichend, solide fiskalpolitische Entscheidungen zu treffen, um Spekulanten von Spekulationen abzuhalten. Freilich fällt es schwerer, solide zu wirtschaften, als die Schuld auf die Spekulanten zu schieben. Das war schon 1971 so, als Präsident Richard Nixon Spekulanten beschuldigte, den US-Dollar anzugreifen, während er verschwieg, dass die USA im bestehenden Bretton-Woods-System de facto zahlungsunfähig waren.
Hierzulande versucht Angela Merkel anscheinend, eine glaubwürdige, stabile, wenn auch umstrittene Eurozonen-Politik durchzusetzen. Die Mehrheit der Bundesbürger meint allerdings, dass das unerheblich ist. Das dürfte angesichts der Dimension des Themas auch richtig sein. Angela Merkel könnte höchstens eine deutsch-französische Gemeinschaftswährung beeinflussen. Die heutige Eurozone hingegen hat sich klar als loser Verbund von Staaten herausgestellt, die auf wundersame Weise alle gleichzeitig vom Euro profitieren wollen, ohne die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen zu wollen.
Im Scheißland Italien, wo man statt stabilitätsorientierter Zentralbanken eher mit Personal von Goldman Sachs liebäugelt, geht man mit fiskalpolitischer Verantwortung gleich ganz anders um: Da plant man ein Sparpaket und kündigt es in Kalendwerwoche 32 an, während die Europäische Zentralbank Rekordmengen italienischer (und spanischer) Staatsanleihen kauft, und widerruft Teile der Sparmaßnahme dann gleich wieder in Kalenderwoche 35.
Einen gewissen Charme hat das italienische Modell: Da muss nicht erst lang über die Glaubwürdigkeit von Politik diskutiert werden.
Der Euro ist nicht der US-Dollar
Seit der Aufhebung der Golddeckung des US-Dollar im Außenhandel 1971 ist der US-Dollar außer durch die Handlungsfähigkeit der USA zusätzlich durch Öl gedeckt. Bereits dieser Umstand allein ermöglicht es den USA, erheblich mehr Geld in Umlauf zu bringen, ohne die Stabilität zu gefährden, als dies für andere Währungen jemals möglich sein wird.
Unterstützt wird der US-Dollar auch durch den Exchange Stabilization Fund des US-Finanzministeriums. Falls Sie denken, dass es den nicht gibt, weil Sie noch nie davon gehört haben, sollten Sie sich vielleicht die folgende Dokumentation ansehen, die mit einer unfassbaren Sammlung von authentischem Material aus vertrauenswürdigen Quellen aufwartet: The ESF and its History von Eric deCarbonnel (Wenn Sie sich dafür keine 75 Minuten Zeit nehmen möchten, reicht es, das erste Video anzuschauen, in dem die Existenz und die Zielsetzung des ESF zweifelsfrei belegt werden.)
Und auch die US-Zentralbank Federal Reserve mischt im eigenen Namen mit. Sie bietet Derivate auf US-Staatsanleihen, die von Investoren als Kreditausfallversicherungen genutzt werden können, und kann hierdurch gehebelt den Zinssatz auf US-Staatsanleihen (und damit im Umkehrschluss ihr wahrgenommenes Ausfallrisiko) manipulieren: Fraud: Federal Reserve Is Selling Put Options On Treasury Bonds To Drive Down Yields von Eric deCarbonnel
Falls Sie zuvor anderer Meinung waren, sollte Ihnen jetzt klar geworden sein, dass der US-Dollar in einer anderen Liga spielt als der Euro, ungeachtet der hinter den beiden Währungen stehenden fast vergleichbaren Wirtschaftsleistungen. Kein Zweifel, die Eurozone lernt. Aber die Veränderungen finden zu langsam statt. Und wenn sich die bisherigen so genannten Einigungen weiterhin als etwas herausstellen, dessen Detailregelungen noch lang nicht konsensfähig sind, wird die Eurozone weiterhin ihren Problemen hinterherrennen, während die USA einen Großteil der von ihnen erzeugten Teuerung in den Rest der Welt exportieren.
Elliott-Wellen und Schlagzeilen
Sven Weisenhaus hat in seinem Wave Daily diese Woche dem Dax ein zukünftiges Kursziel von 14088 Punkten attestiert.
Sven Weisenhaus kennt sich mit Elliott-Wellen gut aus. Bei der Interpretation von Wirtschaftsdaten können wir uns ihm hingegen eher selten anschließen. Ebenfalls diese Woche schrieb er beispielsweise in seinem Beitrag Überwiegend positive Konjunkturdaten begründen jüngste Kursanstiege unter anderem: Inflation ist (und bleibt) kein Thema; diese Zahlen haben wir oben bereits abweichend kommentiert. Arbeitsmarkt in den USA - positive Vorzeichen für Freitag; nun, hier zeigt sich deutlich, dass Herr Weisenhaus auf eine Überschrift hereingefallen ist, wie wir gleich sehen werden. So verbesserte sich die Auftragslage der US-Industrie im Juli deutlich. Die Bestellungen seien im Vergleich zum Vormonat um 2,4 % gestiegen nach einem revidierten Minus von 0,4 % im Juni, teilte das Handelsministerium in Washington am Mittwoch mit; allerdings wird berichtet, dass sogar Goldman Sachs jenseits der Überschrift weitergelesen und die Prognose für die Zahl der neu geschaffenen Stellen daraufhin deutlich nach unten korrigiert hat, weil die einzigen Zuwächse im ISM auf Lagerbestände und ein vergrößertes Handelsbilanzdefizit, also in Wahrheit schlechte Nachrichten, zurückzuführen waren.
Und so ist man sich andernorts auch eher einig, dass die schlechten Wirtschaftsdaten aus den USA die Wahrscheinlichkeit für weitere geldpolitische Maßnahmen der US-Zentralbank Federal Reserve erhöht haben, anstatt zu glauben, dass die guten Wirtschaftsdaten aus den USA am Markt Wirkung zeigen.
Dennoch wollen wir die Prognose von Herrn Weisenhaus ungeachtet ihrer streitbaen Begründung im den bunten Reigen von Puzzlestücken aufnehmen, den wir abschließend betrachten werden.
Von Bündnissen, Zerwürfnissen und Spannungen
Ob nun die NATO in Libyen, die Europäische Union in Fragen der Anerrkennung eines Palästinenserstaates, die Eurozone in den Fragen der Besicherung weiterer Griechenland-Hilfen oder der Schaffung von Euro-Bonds, die implizite Fragestellung der Rolle der Türkei oder allein schon die Debatte, ob Deutschland oder Griechenland den Euro sein lassen könnten: Weit und breit keine Anzeichen für Einigkeit. Bedenklich.
Die einzige Einigkeit, die in den westlichen Medien mit staunenswerter Regelmäßigkeit auf dem Radar erscheint, ist wohl, dass der Iran kein Vertrauen verdient.
Nein. Sie fragen jetzt nicht, warum Saddam Hussein oder Muammar al-Gadafi vertrauenswürdig waren (und das waren sie lang genug, wie auch heute wieder deutlich wurde). Das führt jetzt wirklich nicht weiter.
Gut, hätten wir das geklärt.
Nachdem man davon ausgehen darf, dass der Iran eine zeitlang durch ein Virus an der Fortführung seines Atomprogramms in ausreichendem Maße gehindert wurde, war in dieser Woche von Fereydoon Abbasi, dem Chef der iranischen Atombehörde, der letztes Jahr nur knapp einem Mordanschlag entgangen ist, zu hören, dass der Iran seine Produktion atomarer Brennstäbe in eine unterirdische, schwer geschützte, militärische Einrichtung verlegt, was laut USA eine Verletzung der Sicherheitsauflagen darstelle.
Jetzt gelangen wir an einen spannenden Punkt, an dem die Bewertung der Situation an einem seidenen Faden hängt.
Beginnen wir mal allgemein. Ein wenig Hintergrundwissen über Spieltheorie würde nicht schaden. Wenn Sie so viel Zeit nicht haben, auch gut; es reicht, sich mit dem Gedanken des atomaren Erstschlags auseinanderzusetzen.
Im Hinterkopf behalten wir, dass Israel den Atomwaffensperrvertrag nie unterzeichnet hat, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine Atommacht ist, dies nicht offiziell bestätigt, vermutlich über 200 Atomsprengköpfe verfügt und sich schon einmal aufgrund atomarer Bedrohung in einen Konflikt eingemischt hat.
Im Grunde wird uns gesagt, dass wir nicht genügend Kontrolle über das Atomprogramm des Iran haben, dass die Gefahr einer militärischen Nutzung der Technologie besteht, und dass in diesem Fall eine militärische Bedrohung bestünde.
Wirklich? Ein atomarer Erstschlag will schon gut überlegt sein, wenn man nicht zusätzlich atomar bewaffnete U-Boote in den Weltmeeren herumfahren lässt. Andererseits, wenn die mächtigste Militärmacht auf diesem Planeten den Nachbarstaat besetzt hat und man mit deren engstem Verbündeten, einen Steinwurf weiter und eine heimliche Atommacht, in Feindschaft lebt, wäre man vielleicht gern abgesichert.
Zwei Dinge noch. Israel sieht sich bis dato unbekannten inneren Spannungen ausgesetzt und hätte bereits 2009 die Aufnahmekriterien der Eurozone aufgrund der Staatsverschuldung nicht erfüllt. Und: Nach eigener Darstellung hat der Iran die dritte Phase seiner Ölbörse eingeläutet, deren erlärtes Ziel die Akzeptanz aller bedeutenden Währungen ist.
So stellt sich die Lage dar. Wir überlassen es Ihnen, sich nach der Richtung zu fragen, in die sich die Situation entwickeln könnte.
Passt das alles zusammen?
Die relative Euro-Stärke wurde zum größten Teil durch die Zinsentscheidungen der EZB in den vergangenen Monaten getrieben. Der Entscheidungsspielraum der EZB ist durch die sehr divergente wirtschaftliche Entwicklung in den unterschiedlichen Eurozonen-Staaten aber alles andere als groß. Die ersten Rufe nach einer Zinssenkung werden nun laut, und diese sind ja nicht unberechtigt. Zudem endet die Amtszeit Jean-Claude Trichets als Präsident der EZB; sein Nachfolger wird der ehemalige Goldman-Sachs-Vizepäsident Mario Draghi.
Die wachsenden Probleme besonders in China (künstliches Wachstum und unglaubwürdige Zahlen) und Brasilien (Zissatzsenkung wegen sinkenden Wachstums bei völlig außer Kontrolle geratener Teuerung) lassen ein durch aufstrebende Schwellenländer getriebenes weiteres Wachstum unwahrscheinlich werden. Die sich verschlechternde Situation in den Eurozonen-Handelspartnern Italien, Frankreich und Spanien wird ebensowenig zur Stabilisierung der deutschen Exporte beitragen. Und der Binnenkonsum... gut, wir sind uns sicher, dass dort aufgrund der XL-Aufschwungs-Gehaltserhöhungen zunächst mäßige Wachstumsraten ausgewiesen werden werden, die allerdings durch die hinterherhinkende, geschönte Inflationsbereinigung verfälscht sein werden.
Eine EZB-Zinssenkung hätte das Potenzial, den EUR/USD-Wechselkurs auf Talfahrt zu schicken, was sich auch charttechnisch gut machen würde. Das wiederum würde diesmal zu erheblicher Teuerung führen, da noch reichlich Preisdruck darauf wartet, an die Verbraucher weitergegeben zu werden. Dies wäre ein möglichere Weg, wie sich die Spannungen im System entladen könnten und sinnvolle Prognosen für 2011 sich bewahrheiten würden.
Hierdurch und durch neue mögliche Geldmengenlockerungsübungen für den US-Dollar erscheinen steigende Börsennotierungen für Rohstoffe und dominante Unternehmen nicht ganz abwegig. Ein Dax 14088 ohne lautes Krachen im Getriebe ist allerdings kaum vorstellbar.
Die Auswirkungen einer zusätzlich denkbaren militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten in diese vage Idee einzubauen überlassen wir Ihnen, als gedankliche Lockerungsübung sozusagen.
Haben Sie einen sonnigen Tag. Und denken Sie, was Sie wollen.
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Dieser Tage scheinen die Märkte nicht recht zu wissen, wie sie sich positionieren sollen. Inflation? Deflation? Wir hier bei denkfaul.de wissen nicht einmal, was die Märkte genau damit meinen. Vermutlich wissen die Märkte das auch nicht genau. Schließlich sind die Begriffspaare Inflation und Preiserhöhungen sowie Deflation und Preissenkungen seit Jahrzehnten durch eine nicht allgemein zulässige Vereinfachung untrennbar miteinander verwoben. Absichtlich oder versehentlich? Nicht nur der Kinofilm Inside Job legt nahe, dass die Lehre der Wirtschaftswissenschaften gezielt beeinflusst wurde, um bestimmte Zusammenhänge nicht klar zu Tage treten zu lassen. Wenn Sie Inside Job nicht überzeugen kann und Sie der englischen Sprache mächtig sind, lesen Sie den wundervoll recherchierten Artikel Why Deficits Stopped Mattering von Eric deCarbonnell.
Sie wächst, sie wächst nicht, sie wächst, sie wächst nicht...
Ein weiterer unzutreffender Begriff verwirrt die sogenannten Analysten und Experten: Die US-Wirtschaft. Vergessen Sie das. Eine Reihe von US-Unternehmen wird von einer zurückgehenden Kaufkraft der US-Bürger nicht in bedeutendem Umfang tangiert. Seien Sie klüger als diejenigen, die immer noch einen nachhaltigen Zusammenhang zwischen US-Arbeitslosenzahlen und US-Aktienkursen sehen. Es schadet natürlich nicht, wenn Sie in Ihr Kalkül einbeziehen, dass Sie eine von der Mehrheit abweichende Meinung haben.
Deutschland betreffend sind die unsinnigen XL-Aufschwung-Schlagzeilen über die Sommerwochen hinweg glücklicherweise verschwunden. Einigen Berichten zufolge soll die deutsche Wirtschaft ja das Vorkrisenniveau minimal übertroffen haben. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Unisnn. Denn um die Wirtschaftsleistung mit Werten aus der Vergangenheit zu vergleichen, wird sie um die ermittelte Teuerungsrate bereinigt. Und diese ermittelte Teuerungsrate ist geschönt, so dass sich ein Scheinwachstum ergibt.
Und die Aussichten sind, mit gesundem Menschenverstand betrachtet, trübe; dazu unten mehr. Insofern ist die Meldung, dass der XL-Aufschwung nun auf den Konten der Arbeitnehmer ankomme, eher ambivalent zu werten. So schließt der Artikel denn auch zu Recht mit den Worten von Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft: "Doch während die bisherigen Zuwächse vor allem vom Konjunkturaufschwung getragen waren, könnte sich künftig zunehmend stärker der Einfluss der Fachkräfteknappheit auf die Lohnentwicklung bemerkbar machen."
Sicher, stabil und schön
Kennen Sie die zwei-Euro-Gedenkmünze zehn Jahre europäische Wirtschafts- und Währungsunion? Melden Sie sich doch bitte bei uns, wenn Ihnen an der Gestaltung positive Symbolik auffällt.
Einstweilen sehen wir darin ein in eine unförmige Blase gesperrtes Strichmännchen, das unbeholfen das übermächtige Euro-Symbol hochhält.
Unbeholfen ist (bestenfalls) auch die folgende Meldung von n-tv vom 29.08.2011: Inflation bei 2,3 Prozent: [...] die Inflationsrate [verharrt] weiter über der kritischen Zwei-Prozent-Marke. Einen Hoffnungsschimmer für die Verbraucher gibt es allerdings. Die Benzin- und Spritpreise steigen nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. Gegenüber dem Vormonat sanken sie im August sogar. Was für ein Hoffnungsschimmer soll das bitteschön sein, wenn trotz sinkender Kraftstoffpreise die Teuerungsrate über 2% liegt?
Gestern nun hat Ewald Nowotny, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, prognostiziert, dass sich die die Preisstabilität in der Eurozone im der nahen Zukunft wie von der EZB gewünscht entwickeln werde.
Bei allem Respekt, wir haben da eine andere Meinung. Denn:
Politik oder Markt?
Gut, wenn es nach der Politik geht, müsste die Überschrift Politik oder Spekulanten? heißen. Aber das wird und wird einfach nicht wahrer; Spekulanten, die sich auf die falsche Seite stellen, verlieren eine Menge Geld; ob nun bei Rohstoffen oder Staatsanleihen. Daher wäre es völlig ausreichend, solide fiskalpolitische Entscheidungen zu treffen, um Spekulanten von Spekulationen abzuhalten. Freilich fällt es schwerer, solide zu wirtschaften, als die Schuld auf die Spekulanten zu schieben. Das war schon 1971 so, als Präsident Richard Nixon Spekulanten beschuldigte, den US-Dollar anzugreifen, während er verschwieg, dass die USA im bestehenden Bretton-Woods-System de facto zahlungsunfähig waren.
Hierzulande versucht Angela Merkel anscheinend, eine glaubwürdige, stabile, wenn auch umstrittene Eurozonen-Politik durchzusetzen. Die Mehrheit der Bundesbürger meint allerdings, dass das unerheblich ist. Das dürfte angesichts der Dimension des Themas auch richtig sein. Angela Merkel könnte höchstens eine deutsch-französische Gemeinschaftswährung beeinflussen. Die heutige Eurozone hingegen hat sich klar als loser Verbund von Staaten herausgestellt, die auf wundersame Weise alle gleichzeitig vom Euro profitieren wollen, ohne die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen zu wollen.
Im Scheißland Italien, wo man statt stabilitätsorientierter Zentralbanken eher mit Personal von Goldman Sachs liebäugelt, geht man mit fiskalpolitischer Verantwortung gleich ganz anders um: Da plant man ein Sparpaket und kündigt es in Kalendwerwoche 32 an, während die Europäische Zentralbank Rekordmengen italienischer (und spanischer) Staatsanleihen kauft, und widerruft Teile der Sparmaßnahme dann gleich wieder in Kalenderwoche 35.
Einen gewissen Charme hat das italienische Modell: Da muss nicht erst lang über die Glaubwürdigkeit von Politik diskutiert werden.
Der Euro ist nicht der US-Dollar
Seit der Aufhebung der Golddeckung des US-Dollar im Außenhandel 1971 ist der US-Dollar außer durch die Handlungsfähigkeit der USA zusätzlich durch Öl gedeckt. Bereits dieser Umstand allein ermöglicht es den USA, erheblich mehr Geld in Umlauf zu bringen, ohne die Stabilität zu gefährden, als dies für andere Währungen jemals möglich sein wird.
Unterstützt wird der US-Dollar auch durch den Exchange Stabilization Fund des US-Finanzministeriums. Falls Sie denken, dass es den nicht gibt, weil Sie noch nie davon gehört haben, sollten Sie sich vielleicht die folgende Dokumentation ansehen, die mit einer unfassbaren Sammlung von authentischem Material aus vertrauenswürdigen Quellen aufwartet: The ESF and its History von Eric deCarbonnel (Wenn Sie sich dafür keine 75 Minuten Zeit nehmen möchten, reicht es, das erste Video anzuschauen, in dem die Existenz und die Zielsetzung des ESF zweifelsfrei belegt werden.)
Und auch die US-Zentralbank Federal Reserve mischt im eigenen Namen mit. Sie bietet Derivate auf US-Staatsanleihen, die von Investoren als Kreditausfallversicherungen genutzt werden können, und kann hierdurch gehebelt den Zinssatz auf US-Staatsanleihen (und damit im Umkehrschluss ihr wahrgenommenes Ausfallrisiko) manipulieren: Fraud: Federal Reserve Is Selling Put Options On Treasury Bonds To Drive Down Yields von Eric deCarbonnel
Falls Sie zuvor anderer Meinung waren, sollte Ihnen jetzt klar geworden sein, dass der US-Dollar in einer anderen Liga spielt als der Euro, ungeachtet der hinter den beiden Währungen stehenden fast vergleichbaren Wirtschaftsleistungen. Kein Zweifel, die Eurozone lernt. Aber die Veränderungen finden zu langsam statt. Und wenn sich die bisherigen so genannten Einigungen weiterhin als etwas herausstellen, dessen Detailregelungen noch lang nicht konsensfähig sind, wird die Eurozone weiterhin ihren Problemen hinterherrennen, während die USA einen Großteil der von ihnen erzeugten Teuerung in den Rest der Welt exportieren.
Elliott-Wellen und Schlagzeilen
Sven Weisenhaus hat in seinem Wave Daily diese Woche dem Dax ein zukünftiges Kursziel von 14088 Punkten attestiert.
Sven Weisenhaus kennt sich mit Elliott-Wellen gut aus. Bei der Interpretation von Wirtschaftsdaten können wir uns ihm hingegen eher selten anschließen. Ebenfalls diese Woche schrieb er beispielsweise in seinem Beitrag Überwiegend positive Konjunkturdaten begründen jüngste Kursanstiege unter anderem: Inflation ist (und bleibt) kein Thema; diese Zahlen haben wir oben bereits abweichend kommentiert. Arbeitsmarkt in den USA - positive Vorzeichen für Freitag; nun, hier zeigt sich deutlich, dass Herr Weisenhaus auf eine Überschrift hereingefallen ist, wie wir gleich sehen werden. So verbesserte sich die Auftragslage der US-Industrie im Juli deutlich. Die Bestellungen seien im Vergleich zum Vormonat um 2,4 % gestiegen nach einem revidierten Minus von 0,4 % im Juni, teilte das Handelsministerium in Washington am Mittwoch mit; allerdings wird berichtet, dass sogar Goldman Sachs jenseits der Überschrift weitergelesen und die Prognose für die Zahl der neu geschaffenen Stellen daraufhin deutlich nach unten korrigiert hat, weil die einzigen Zuwächse im ISM auf Lagerbestände und ein vergrößertes Handelsbilanzdefizit, also in Wahrheit schlechte Nachrichten, zurückzuführen waren.
Und so ist man sich andernorts auch eher einig, dass die schlechten Wirtschaftsdaten aus den USA die Wahrscheinlichkeit für weitere geldpolitische Maßnahmen der US-Zentralbank Federal Reserve erhöht haben, anstatt zu glauben, dass die guten Wirtschaftsdaten aus den USA am Markt Wirkung zeigen.
Dennoch wollen wir die Prognose von Herrn Weisenhaus ungeachtet ihrer streitbaen Begründung im den bunten Reigen von Puzzlestücken aufnehmen, den wir abschließend betrachten werden.
Von Bündnissen, Zerwürfnissen und Spannungen
Ob nun die NATO in Libyen, die Europäische Union in Fragen der Anerrkennung eines Palästinenserstaates, die Eurozone in den Fragen der Besicherung weiterer Griechenland-Hilfen oder der Schaffung von Euro-Bonds, die implizite Fragestellung der Rolle der Türkei oder allein schon die Debatte, ob Deutschland oder Griechenland den Euro sein lassen könnten: Weit und breit keine Anzeichen für Einigkeit. Bedenklich.
Die einzige Einigkeit, die in den westlichen Medien mit staunenswerter Regelmäßigkeit auf dem Radar erscheint, ist wohl, dass der Iran kein Vertrauen verdient.
Nein. Sie fragen jetzt nicht, warum Saddam Hussein oder Muammar al-Gadafi vertrauenswürdig waren (und das waren sie lang genug, wie auch heute wieder deutlich wurde). Das führt jetzt wirklich nicht weiter.
Gut, hätten wir das geklärt.
Nachdem man davon ausgehen darf, dass der Iran eine zeitlang durch ein Virus an der Fortführung seines Atomprogramms in ausreichendem Maße gehindert wurde, war in dieser Woche von Fereydoon Abbasi, dem Chef der iranischen Atombehörde, der letztes Jahr nur knapp einem Mordanschlag entgangen ist, zu hören, dass der Iran seine Produktion atomarer Brennstäbe in eine unterirdische, schwer geschützte, militärische Einrichtung verlegt, was laut USA eine Verletzung der Sicherheitsauflagen darstelle.
Jetzt gelangen wir an einen spannenden Punkt, an dem die Bewertung der Situation an einem seidenen Faden hängt.
Beginnen wir mal allgemein. Ein wenig Hintergrundwissen über Spieltheorie würde nicht schaden. Wenn Sie so viel Zeit nicht haben, auch gut; es reicht, sich mit dem Gedanken des atomaren Erstschlags auseinanderzusetzen.
Im Hinterkopf behalten wir, dass Israel den Atomwaffensperrvertrag nie unterzeichnet hat, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine Atommacht ist, dies nicht offiziell bestätigt, vermutlich über 200 Atomsprengköpfe verfügt und sich schon einmal aufgrund atomarer Bedrohung in einen Konflikt eingemischt hat.
Im Grunde wird uns gesagt, dass wir nicht genügend Kontrolle über das Atomprogramm des Iran haben, dass die Gefahr einer militärischen Nutzung der Technologie besteht, und dass in diesem Fall eine militärische Bedrohung bestünde.
Wirklich? Ein atomarer Erstschlag will schon gut überlegt sein, wenn man nicht zusätzlich atomar bewaffnete U-Boote in den Weltmeeren herumfahren lässt. Andererseits, wenn die mächtigste Militärmacht auf diesem Planeten den Nachbarstaat besetzt hat und man mit deren engstem Verbündeten, einen Steinwurf weiter und eine heimliche Atommacht, in Feindschaft lebt, wäre man vielleicht gern abgesichert.
Zwei Dinge noch. Israel sieht sich bis dato unbekannten inneren Spannungen ausgesetzt und hätte bereits 2009 die Aufnahmekriterien der Eurozone aufgrund der Staatsverschuldung nicht erfüllt. Und: Nach eigener Darstellung hat der Iran die dritte Phase seiner Ölbörse eingeläutet, deren erlärtes Ziel die Akzeptanz aller bedeutenden Währungen ist.
So stellt sich die Lage dar. Wir überlassen es Ihnen, sich nach der Richtung zu fragen, in die sich die Situation entwickeln könnte.
Passt das alles zusammen?
Die relative Euro-Stärke wurde zum größten Teil durch die Zinsentscheidungen der EZB in den vergangenen Monaten getrieben. Der Entscheidungsspielraum der EZB ist durch die sehr divergente wirtschaftliche Entwicklung in den unterschiedlichen Eurozonen-Staaten aber alles andere als groß. Die ersten Rufe nach einer Zinssenkung werden nun laut, und diese sind ja nicht unberechtigt. Zudem endet die Amtszeit Jean-Claude Trichets als Präsident der EZB; sein Nachfolger wird der ehemalige Goldman-Sachs-Vizepäsident Mario Draghi.
Die wachsenden Probleme besonders in China (künstliches Wachstum und unglaubwürdige Zahlen) und Brasilien (Zissatzsenkung wegen sinkenden Wachstums bei völlig außer Kontrolle geratener Teuerung) lassen ein durch aufstrebende Schwellenländer getriebenes weiteres Wachstum unwahrscheinlich werden. Die sich verschlechternde Situation in den Eurozonen-Handelspartnern Italien, Frankreich und Spanien wird ebensowenig zur Stabilisierung der deutschen Exporte beitragen. Und der Binnenkonsum... gut, wir sind uns sicher, dass dort aufgrund der XL-Aufschwungs-Gehaltserhöhungen zunächst mäßige Wachstumsraten ausgewiesen werden werden, die allerdings durch die hinterherhinkende, geschönte Inflationsbereinigung verfälscht sein werden.
Eine EZB-Zinssenkung hätte das Potenzial, den EUR/USD-Wechselkurs auf Talfahrt zu schicken, was sich auch charttechnisch gut machen würde. Das wiederum würde diesmal zu erheblicher Teuerung führen, da noch reichlich Preisdruck darauf wartet, an die Verbraucher weitergegeben zu werden. Dies wäre ein möglichere Weg, wie sich die Spannungen im System entladen könnten und sinnvolle Prognosen für 2011 sich bewahrheiten würden.
Hierdurch und durch neue mögliche Geldmengenlockerungsübungen für den US-Dollar erscheinen steigende Börsennotierungen für Rohstoffe und dominante Unternehmen nicht ganz abwegig. Ein Dax 14088 ohne lautes Krachen im Getriebe ist allerdings kaum vorstellbar.
Die Auswirkungen einer zusätzlich denkbaren militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten in diese vage Idee einzubauen überlassen wir Ihnen, als gedankliche Lockerungsübung sozusagen.
Haben Sie einen sonnigen Tag. Und denken Sie, was Sie wollen.
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Donnerstag, 3. März 2011
Sie haben keine Wahl - das ist Ihre Chance!
Diese Zeit ist geprägt von Ereignissen, die keine Wahl lassen. Gehen Sie besser nicht davon aus, dass es Ihnen anders ergehen könnte.
Danke, Axel Weber, und alles Gute
Über den Abgang Axel Webers ist viel geschrieben worden. Reichlich Kommentatoren haben das Pferd von hinten aufgezäumt und den Menschen und seine Integrität übersehen. Inzwischen dürfte davon auszugehen sein, dass realistischere Einschätzungen das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.
Dass Axel Weber keine Wahl hatte, wird anhand der restlichen Nachrichten immer offensichtlicher.
Dabei hatte ein europäischer Think Tank noch zuletzt spekuliert, Europa werde Stärke zeigen und Axel Weber zum nächsten Präsidenten der EZB ernennen.
Die Haltung der Bundesregierung
Lange sah es so aus, als wolle Angela Merkel erreichen, dass die Märkte diejenige Trennung der Eurozone erwirken sollten, die kein Politiker gern verantwortet hätte: Nämlich in zwei Eurozonen, unterteilt nach fiskalischer Disziplin und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Bis, gemeinsam mit Frankreich, auf die offizielle Linie einer europäischen Wirtschaftsregierung umgeschwenkt wurde.
Der Sinn einer Eurozonen-Wirtschaftsrgierung
An sich eine charmante Idee, zumal diese Wirtschaftsregierung von den Staatschefs gebildet worden wäre, und damit von demokratisch einigermaßen legitimierten Amtsträgern.
Faktisch aber wäre dieser Schritt höchstens der erste von vielen notwendigen gewesen, denn die wenigen zu vereinbarenden Parameter hätten an der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Staaten kaum etwas geändert. Insofern wurden bezüglich der stabilisierenden Wirkung dieser Maßnahme zu große Hoffnungen in sie gesetzt.
Wenn er denn je gegangen worden wäre, dieser Schritt.
Die Wirtschaftsregierungs-Weichmacher
Auf EU-Rettungsfonds-Ebene scheint man unterdessen Gefallen daran gefunden zu haben, dass man an diejenigen Staaten, die den Rettungsfonds in Anspruch nehmen mussten (oder die dazu gedrängt wurden), Bedingungen stellen kann. Jedenfalls kommt aus der selben Ecke ein Gegenvorschlag zur Wirtschaftsregierung, der ein Gremium der Regierungschefs völlig unvebindlich sein lässt und die wahre die Macht weiterhin auf EU-Ebene ansiedelt.
Als eine Begründung wird angeführt, die Souveränität der Staaten über ihre Wirtschaftspolitik solle erhalten bleiben. Man ist versucht hinzuzufügen: Bis zuletzt, wenn schließlich der Rettungsfonds das Sagen haben wird.
Dabei hatte ein europäischer Think Tank kürzlich noch spekuliert, Europa könne sich Schritt für Schritt entlang des schwierigen Weges in die Zukunft stärken. Doch dass dies nicht geschehen wird, passt ins Bild:
Die Währungs-Weichmacher
Im gleichen Atemzug erklärt man auf EU-Ebene beherzt, neue Infrastruktur-Projekte mit Anleihen finanzieren zu wollen, die über das EU-Budget besichert werden sollten. Zur Erinnerung: Es handelt sich um dasjenige EU-Budget, über das sich die Mitgliedsstaten aufgrund von Sparwünschen zuletzt monatelang nicht einigen konnten.
Anders gesagt: Das EU-Budget, das über die Neuverschuldung der EU-Staaten finanziert wird, die ihrerseits über die zukünftige Wirtschaftsleistung (genau genommen die Fähigkeit der Staaten, diese zu besteuern) abgesichert ist, soll nochmals beliehen werden.
Wenn Ihnen das als Steigerung der Hebelung der Verschuldungen erscheint, dann sehen Sie das genau richtig. Und das wird auch dingend benötigt, um das Finanzsystem am Leben zu halten. Und daher wird das auch genau so stattfinden. Ganz gleich, was einzelne Politiker dazu meinen.
Nur dass die Rechnung, die am Ende wird bezahlt werden müssen, noch höher ausfallen wird.
Der wenig weiche Abgang
Global soll Deflation (die Verringerung der Geldmenge durch den Abbau von Schulden) vermieden werden, lokal kann dagegen wenig unternommen werden. Gerade Deutschland stört hier aus globaler Sicht gewaltig. Wir sind viel zu sparsam.
Aus Sicht Ihres Monatsbudgets macht das freilich nicht so viel Unterschied. Da kann die Zukunft Deutschlands ihrer Natur nach noch so deflationär angelegt sein: Die von den USA exportierte Inflation wird Ihrer finanziellen Situation deutlich die Richtung weisen.
Auch Detailänderungen am Mandat der EZB werden nicht viel daran ändern, dass die Zinssätze über kurz oder lang werden ansteigen müssen. Dann wird es spanned sein zu sehen, wer sich an der Grenze seiner Solvenz zu nidrigsten Zinssätzen finanziert hatte.
Aber eine substanzielle Marktbereinigung, ein Neuanfang ohne faule Kredite und nicht tragfähige Geschäftsmodelle, wird aller Voraussicht nach wieder vermieden werden.
Wahlen nach Qualen
Sie können wählen, was Sie wollen, und doch werden es die Finanzen sein, die den Weg weisen. Erwarten Sie nicht allzuviel Handlungsfähigkeit seitens der Regierenden. Außer bei der Einführung höherer und neuer Steuern und Gebühren, versteht sich.
Das Einzige, worauf noch zu hoffen erlaubt scheint, wäre, dass überhaupt eine politische Konstellation entsteht, die gundsätzliche Handlungsfähigkeit nicht auschließt.
Auch diesbezüglich sollten Sie also Ihre begrenzten Ressourcen nicht verschwenden.
Ihre Chance
Selbst wenn es keine Wahl gibt, gibt es Chancen.
Lassen Sie sich nicht in die Irre führen.
Halten Sie nicht an Überkommenem fest.
Erkennen Sie Ihre wahren Handlungsspielräume.
Und: Denken Sie, was Sie wollen.
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Danke, Axel Weber, und alles Gute
Über den Abgang Axel Webers ist viel geschrieben worden. Reichlich Kommentatoren haben das Pferd von hinten aufgezäumt und den Menschen und seine Integrität übersehen. Inzwischen dürfte davon auszugehen sein, dass realistischere Einschätzungen das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.
Dass Axel Weber keine Wahl hatte, wird anhand der restlichen Nachrichten immer offensichtlicher.
Dabei hatte ein europäischer Think Tank noch zuletzt spekuliert, Europa werde Stärke zeigen und Axel Weber zum nächsten Präsidenten der EZB ernennen.
Die Haltung der Bundesregierung
Lange sah es so aus, als wolle Angela Merkel erreichen, dass die Märkte diejenige Trennung der Eurozone erwirken sollten, die kein Politiker gern verantwortet hätte: Nämlich in zwei Eurozonen, unterteilt nach fiskalischer Disziplin und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Bis, gemeinsam mit Frankreich, auf die offizielle Linie einer europäischen Wirtschaftsregierung umgeschwenkt wurde.
Der Sinn einer Eurozonen-Wirtschaftsrgierung
An sich eine charmante Idee, zumal diese Wirtschaftsregierung von den Staatschefs gebildet worden wäre, und damit von demokratisch einigermaßen legitimierten Amtsträgern.
Faktisch aber wäre dieser Schritt höchstens der erste von vielen notwendigen gewesen, denn die wenigen zu vereinbarenden Parameter hätten an der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Staaten kaum etwas geändert. Insofern wurden bezüglich der stabilisierenden Wirkung dieser Maßnahme zu große Hoffnungen in sie gesetzt.
Wenn er denn je gegangen worden wäre, dieser Schritt.
Die Wirtschaftsregierungs-Weichmacher
Auf EU-Rettungsfonds-Ebene scheint man unterdessen Gefallen daran gefunden zu haben, dass man an diejenigen Staaten, die den Rettungsfonds in Anspruch nehmen mussten (oder die dazu gedrängt wurden), Bedingungen stellen kann. Jedenfalls kommt aus der selben Ecke ein Gegenvorschlag zur Wirtschaftsregierung, der ein Gremium der Regierungschefs völlig unvebindlich sein lässt und die wahre die Macht weiterhin auf EU-Ebene ansiedelt.
Als eine Begründung wird angeführt, die Souveränität der Staaten über ihre Wirtschaftspolitik solle erhalten bleiben. Man ist versucht hinzuzufügen: Bis zuletzt, wenn schließlich der Rettungsfonds das Sagen haben wird.
Dabei hatte ein europäischer Think Tank kürzlich noch spekuliert, Europa könne sich Schritt für Schritt entlang des schwierigen Weges in die Zukunft stärken. Doch dass dies nicht geschehen wird, passt ins Bild:
Die Währungs-Weichmacher
Im gleichen Atemzug erklärt man auf EU-Ebene beherzt, neue Infrastruktur-Projekte mit Anleihen finanzieren zu wollen, die über das EU-Budget besichert werden sollten. Zur Erinnerung: Es handelt sich um dasjenige EU-Budget, über das sich die Mitgliedsstaten aufgrund von Sparwünschen zuletzt monatelang nicht einigen konnten.
Anders gesagt: Das EU-Budget, das über die Neuverschuldung der EU-Staaten finanziert wird, die ihrerseits über die zukünftige Wirtschaftsleistung (genau genommen die Fähigkeit der Staaten, diese zu besteuern) abgesichert ist, soll nochmals beliehen werden.
Wenn Ihnen das als Steigerung der Hebelung der Verschuldungen erscheint, dann sehen Sie das genau richtig. Und das wird auch dingend benötigt, um das Finanzsystem am Leben zu halten. Und daher wird das auch genau so stattfinden. Ganz gleich, was einzelne Politiker dazu meinen.
Nur dass die Rechnung, die am Ende wird bezahlt werden müssen, noch höher ausfallen wird.
Der wenig weiche Abgang
Global soll Deflation (die Verringerung der Geldmenge durch den Abbau von Schulden) vermieden werden, lokal kann dagegen wenig unternommen werden. Gerade Deutschland stört hier aus globaler Sicht gewaltig. Wir sind viel zu sparsam.
Aus Sicht Ihres Monatsbudgets macht das freilich nicht so viel Unterschied. Da kann die Zukunft Deutschlands ihrer Natur nach noch so deflationär angelegt sein: Die von den USA exportierte Inflation wird Ihrer finanziellen Situation deutlich die Richtung weisen.
Auch Detailänderungen am Mandat der EZB werden nicht viel daran ändern, dass die Zinssätze über kurz oder lang werden ansteigen müssen. Dann wird es spanned sein zu sehen, wer sich an der Grenze seiner Solvenz zu nidrigsten Zinssätzen finanziert hatte.
Aber eine substanzielle Marktbereinigung, ein Neuanfang ohne faule Kredite und nicht tragfähige Geschäftsmodelle, wird aller Voraussicht nach wieder vermieden werden.
Wahlen nach Qualen
Sie können wählen, was Sie wollen, und doch werden es die Finanzen sein, die den Weg weisen. Erwarten Sie nicht allzuviel Handlungsfähigkeit seitens der Regierenden. Außer bei der Einführung höherer und neuer Steuern und Gebühren, versteht sich.
Das Einzige, worauf noch zu hoffen erlaubt scheint, wäre, dass überhaupt eine politische Konstellation entsteht, die gundsätzliche Handlungsfähigkeit nicht auschließt.
Auch diesbezüglich sollten Sie also Ihre begrenzten Ressourcen nicht verschwenden.
Ihre Chance
Selbst wenn es keine Wahl gibt, gibt es Chancen.
Lassen Sie sich nicht in die Irre führen.
Halten Sie nicht an Überkommenem fest.
Erkennen Sie Ihre wahren Handlungsspielräume.
Und: Denken Sie, was Sie wollen.
Unsere Mission | Impressum | Rechtshinweise | Regeln



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